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Verstellbare Hebel

Text: Christian Heim  |   Bilder: Volker Rost
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Verstellbare Hebel
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Customhebel »Made in Germany« kosten ein Vielfaches der Billgware aus Fernost. Ein Besuch bei Wunderkind-Custom zeigt, warum Qualitätsprodukte ihren Preis haben und welche Risiken Kopien aus Asien mit sich bringen


Wunderkind-Custom ist eine Marke der ABM Fahrzeugtechnik GmbH. Die Schwarzwälder sind schon lange auf hochwertige Zubehörteile für Motorräder spezialisiert. Mit ihrem Ableger versorgen sie verstärkt den Customizing- und Harley-Davidson-Markt. Viele Besitzer geben sich nämlich nicht mit der Serienhebelei an ihrem Bike zufrieden.

Oft stören die aus einfachem Aluguss gefertigten Hebel die Optik an individualiserten Motorrädern. Doch auch beim Komfort können werksseitig montierte Brems- und Kupplungshebel nicht immer mit Customhebeln mithalten.

Zwar hat sich zumindest beim Brems-hebel die Griffweitenverstellung inzwischen etabliert, doch beim Kupplungshebel ist das noch längst nicht der Fall. Dabei ist gerade die entspannte Bedienung der wichtigen Hebel elementar, um sich auf seinem Bike wohl zu fühlen. Denn nichts ist schlimmer als eine verkrampfte Hand, weil die kurzen Finger kaum den Hebel erreichen, oder weil große Hände zu schnell mit dem Teil am Lenker anschlagen, da der Weg zu kurz ist.



Abhilfe schaffen eben Customhebel. Der Aftermarket ist übersät mit Produkten von Drittanbietern, die sich regelrechte Preisschlachten um die Käufergunst liefern. Insbesondere Produkte aus dem asiatischen Raum protzen mit CNC-gefrästen Alu-Hebeln, die übers Internet zum Schnäppchenpreis angeboten werden. Im Zuge der »Geiz-ist-geil-Mentalität« mag manch einer der Versuchung erliegen, sich ein Set aus Brems- und Kupplungshebel für gut 50 Euro im Internet zu schießen. Schließlich sind die Dinger genauso eloxiert und sehen mindestens genauso gut aus wie die »Made in Germany«-Originale, für die Wunderkind-Custom gleichmal den knapp sechsfachen Preis aufruft. Das Set für Harley-Modelle kostet bei den Schwarzwäldern beispielsweise 299 Euro. Da bekommt jeder Normalsterbliche sofort Schnappatmung und fragt sich, warum er dafür soviel seiner sauer verdienten Kohle abdrücken soll.


Qualität hat ihren Preis? Ja, auch wenn wir es nicht immer glauben wollen und hinter allem eine Abzockabsicht vermuten. Gerade bei Hebeln ist billig schlicht gesagt oft scheiße und kann für richtig Ärger sorgen. Schließlich dienen die kurzen Teile der Kontrolle des Motorrads. Aber wir leben im Land der Bürokratie, und auch wenn wir uns darüber aufregen mögen, manchmal hat sie ihre Brechtigung. Während asiatische Hersteller im Prinzip machen können, was sie wollen, unterliegt ein in Deutschland produzierender Hersteller zahlreichen gesetzlichen Auflagen, die er erfüllen muss. Diese fließen in den Entwicklungsaufwand mit ein und somit auch in die Preiskalkulation für das entsprechende Produkt.



In Deutschland müssen Bremshebel geprüft werden. Ohne ABE oder Teilegutachten gibt es keine Zulassung für den Verkehr, und folglich auch keinen TÜV. Billigkopierer aus China und anderen Ländern interessiert das nicht. Sie produzieren unter anderen Auflagen, in anderen Ländern und vertreiben ihre Ware übers Netz. Deutsche Gesetze sind für sie, wenn überhaupt, zweitrangig und selten von Belang. Anders als für Hersteller wie Wunderkind-Custom. Sie müssen Hebel an den entsprechenden Fahrzeugen testen und langwierige Dauerprüfungen durchführen, um herauszufinden, welchen Belastungen das Produkt ausgesetzt ist. Bei falscher Wahl des Materials kann z.B. Aluminium ohne Vorwarnung abreißen. Kein angenehmer Gedanke, bei einer Vollbremsung mit dem Bike plötzlich ins Leere zu greifen, weil der Hebel weg ist. Ein weiterer Bestandteil der Zulassung ist, dass Hebel, aber auch Lenker, beim Abreißen keine scharfen Kanten oder Spitzen bilden dürfen, welche die Verletzungsgefahr vergrößern könnten.

Ein wichtiges Kriterium sind Fertigungs-toleranzen. Jedes CNC-gefräste Produkt wird bei Wunderkind-Custom mit einem definierten Toleranzbereich gefertigt. Moderne Hebel bestehen aus zehn Teilen, von denen jedes eigene Toleranzen hat, die der Konstrukteur aufeinander abstimmen muss. Da asiatische Firmen gerne kopieren ohne die Entwicklungsarbeit zu leisten, können sie auch die Toleranzen nicht kennen. Bei Kopien europäischer Hebel ist somit die Funktion weder garantiert noch sichergestellt. Dadurch kann im schlimmsten Fall der Hebel überspringen und sich durch den kompletten Verstellbereich ziehen lassen. Wenn es dumm läuft fehlt bei einer Notbremsung dann die entscheidende Sekunde vorm Unfall.



Gerade am Bremshebel kann es  zu bösen Überraschungen kommen. Durch fehlende Toleranz kann zum Beispiel die Bremspumpe ganz leicht unter Druck gesetzt werden. Da reicht schon ein Millimeter, um in der Bremspumpe eine Ausgleichsbohrung zu schließen. Aber genau die dient dazu, dass sich die beim Bremsen erhitzte Bremsflüssigkeit in den Ausgleichsbehälter ausdehnen kann. Sollte die Bohrung verschlossen sein, während sich die Flüssigkeit ausdehnt, fängt das Motorrad ganz leicht an zu bremsen. Und permanentes Bremsen überhitzt bekanntlich auch die Bremsanlage. Die Bremsflüssigkeit bildet Blasen und baut keinen Druck mehr auf, Bremsen wird somit unmöglich.

Auch kupplungsseitig können bei falscher Konstruktion und fehlenden Toleranzen Probleme auftauchen. Trennt die Kupplung nicht mehr richtig, fährt das Motorrad unter Umständen weiter, obwohl die Kupplung gezogen ist. Zudem kann auch hier der Hebel durch den Verstellbereich rutschen und das Motorrad beim Gangeinlegen losschießen. Tolle Aussichten, wenn man an einer roten Ampel steht.

Das sind nur einige der Unwägbarkeiten, die Billighebel mit sich bringen können. Die andere Seite ist der verminderte Versicherungsschutz, falls Hebel ohne ABE oder Teilegutachten verbaut werden. Zudem können auf den Versicherungsnehmer Regressforderungen seitens seiner Versicherung zukommen.

Für in Deutschland produzierende Hersteller sind neben der Entwicklungsarbeit, die mehrere Monate in Anspruch nehmen kann, bis die Produktreife erreicht ist, auch Produkthaftungsfragen von Bedeutung. Daneben spielen vor allem Lohn- und Lohnnebenkosten eine wesentliche Rolle bei der Preisgestaltung. Und ganz nebenbei: Hochwertiges Material hat natürlich ebenfalls seinen Preis.

Wer also bei den aufgerufenen Preisen der Markenhersteller zusammenzuckt, sollte innehalten und den Aufwand bedenken, der in so einem Produkt steckt. Billig gekauft ist schnell, und am Ende unter Umständen schlimmstenfalls richtig teuer bezahlt.

Info
Wunderkind-Custom
Krummholzstraße 5
79206 Breisach
Tel (07667) 944691
www.wunderkind-custom.com
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Stand:20 July 2019 17:48:12/technik/verstellbare+hebel_162.html Warning: fopen(cache/e9e8356adb6539f8726d15d64db42e73.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163