The Future of Motorcycle Design – Zehn Motorraddesigner plaudern über das Motorrad der Zukunft

Text: CB  |   Bilder: Cb, Hersteller
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The Future of Motorcycle Design – Zehn Motorraddesigner plaudern über das Motorrad der Zukunft
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CUSTOMBIKE hat mit bekannten Designern gesprochen, um einen Ausblick auf kommende Technologien und Designs zu erhalten.
Bei einem emotionalen Produkt wie dem Motorrad fällt dem äußeren Erscheinungsbild eine besondere Rolle zu. Zumal, wenn es eng verzahnt ist mit den technischen Notwendigkeiten einer Fahrmaschine, die aerodynamisch ausgefeilt sein soll, praktischen Nutzen bietet und die unzählige Details auf engstem Raum vereinen muss. An diesem Punkt unterscheidet sich das Motorrad deutlich von einem Mixer oder Toaster, auch ein Auto bietet viel mehr Raum, um anspruchsvolle Technik zu verstecken.

Formgestalter moderner Motorräder müssen daher einen komplexen Job erledigen, bei dem es längst nicht nur um das hübsche Aussehen geht. Wenn Motorraddesigner ein neues Modell für ihre Marke entwickeln, dann planen sie für mindestens vier Jahre im Voraus, oft sogar deutlich weiter. Daher müssen sie wissen, in welche Richtung Motorradfahren in den nächsten Jahren verlaufen wird. Außerdem bestimmen sie mit ihren Entwürfen die Zukunft ganz entscheidend mit.

Sacha LakicSACHA LAKIC
Nach Auftragsarbeiten für Yamaha und Bimota und nach dem Konkurs seines Arbeitgebers Voxan hat Sacha Lakic viele Jahre lang keine Motorräder mehr entworfen. 2015 meldete sich der damals 51-jährige Industriedesigner mit dem Cafe-Racer-Entwurf einer Honda CX 500 zurück.
»Für mich ist es quasi unmöglich, dem Motorraddesign den Rücken zu kehren. Diese Leidenschaft steckt einfach zu tief in mir. Ich mag es, bei großen Herstellern mit Ingenieuren und Marketing-Spezialisten zusammenzuarbeiten. Doch momentan liebe ich es, Motorräder nur für den Spaß und nur für mich zu entwerfen. Seit einigen Jahren gibt es den Trend, alle Motorräder zu customizen. Dieser wurde so stark, dass selbst Hersteller wie BMW diese Idee in Großserie übertragen haben. Für mich müssen Motorräder eine sichtbar perfekte Balance aufweisen. Motor und Tank sind die Visitenkarte eines Motorrads, und der Sitz muss schmal ausfallen. Bremsen und Reifen müssen effizient sein, denn sie verkörpern gleichzeitig Sicherheit und Performance. Gewichtseinsparung ist ein weiteres wichtiges Thema. Gewicht ist der größte Feind des Motorrads.«

Jens vom BrauckJENS VOM BRAUCK
Selfmade-Designer Jens vom Brauck fiel zunächst mit Arbeiten für Ducati und MZ auf. Heute gestaltet der Kölner in seiner Firma JvB Moto eigene Zubehörteile, seine Bike-Studien sind weltweit begehrt. »Auch wenn der Retro-Trend in ein paar Jahren völlig out sein sollte, wird das daraus entstehende, einfache, minimalistische, essentielle und emotionale Motorrad weiter seine Anhänger finden und seine Zukunft haben. Es wir sicher immer faszinierende High-End-Bikes mit dem Machbaren an Technik geben. Das ist auch gut so, aber meiner Meinung nach braucht die große Mehrzahl der Motorradfahrer das nicht, um möglichst viel Fahrspaß zu haben. Ich denke, auch im Design wird sich dies zeigen. Neue Formen und alte Proportionen werden verschmelzen und der Trend wird zumindest bei dieser Art von Motorrad wieder zu klaren, weniger überladenen Formen zurückkehren. Alles wird gut.« 

Hans A. MuthHANS A. MUTH
1965 begann Hans A. Muth seine Karriere als Designer bei Ford, 1971 wechselte er zu BMW, um dort als erster »echter« Motorraddesigner Meilensteine wie R 90 S oder R 100 RS zu gestalten. 1980 ging Muth für zehn Jahre nach Japan, heute bildet er unter anderem Design-Nachwuchs aus.
»Die Frage nach der Design-Zukunft von Fahrzeugen, egal ob Auto oder Motorrad, wurde meistens mit einem gesteigerten aerodynamischen Image verbunden. Dies fand ja auch in den letzten 20 Jahren statt und die Aerodynamik zeigte, was in ihr bei Beibehaltung ihrer funktionalen Erfordernisse so alles an formalen, skulpturalen Möglichkeiten steckt.

Hier hat das Motorrad-Design den vierrädrigen Fahrzeugen gewaltig gestalterische Hilfestellung gegeben. Denn die Bewältigung von technischen und ergonomischen Erfordernissen in Verbindung mit einer repräsentativen Designaussage, der Produktidentität, findet ja beim Motorrad im Gegensatz zum Auto, auf kleinstem Raume mit zum Teil sehr beengten Möglichkeiten statt. Doch das führte auch funktional bedingt zu den expressiven Formenspielen in den Flächenbereichen wie Frontverschalungen, Tank, sowie Sitzbank-Rahmen und Heck, kurz der»Flyline«. Was beim Motorrad zwangsläufig geschah, übernahm das Automobildesign. Exzerziert hingegen wird: Style pour Style!

Doch so einfach ist es nicht mehr, die Zukunft des Motorraddesigns rein formaler Spekulationen zu überlassen. Das zukünftige Motorraddesign wird von ganz anderen Faktoren bestimmt und beeinflusst, wobei das Auto diesmal eine Einfluss gebende Rolle spielt. Das Auto entwickelt sich nun zum fahrenden, digital-vernetzten Raum, der sich im totalen Gegensatz zur bisherigen Rolle als männlich-technischer Fetisch darbietet. Diese Wendung vom aktiven Piloten zum passiven Gast-Kommandanten, von persönlich-manualer Bedienung zur digitalisierten und fremd-gesteuerten Bevormundung, wird sich im Motorrad komprimieren, was sich im Design und in der künftigen Rolle des Motorrades niederschlägt. Der Verlust des bisherigen Auto-Image als persönlicher »Alltags-Ferrari« und optischer Technologieträger wird sich auf das Motorrad übertragen, das sich in Zukunft, als aktives, individuelles, pures, technisches Mobilitäts-Fun-Tool darstellen wird. 

Begriffe wie »personalizing & customizing« bekommen eine neue und einflussreiche Bestimmung und unterstreichen den originalen Begriff des »Motor-Rades«. Somit wird sich das Motorrad in seinem zukünftigen Erscheinungsbild generell weiterhin emotional-funktional darstellen, und Hersteller-Anspruch, -Identität, formale und technische Wertigkeit sowie qualitative Nutzungs-Spezifikationen werden das Design bestimmen. Dieses wird sich zudem entsprechend an der generellen, zukunftsgemäßen Formensprache ausrichten, wobei Farbe und Finish der jeweiligen Oberflächen eine gewichtigere Rolle spielen werden. »Simple intelligence« könnte die Zukunftsformel lauten.«

Willie G. DavidsonWILLIE G. DAVIDSON
Willie G. Davidson war 49 Jahre lang für das Design von Harley-Davidson-Motorrädern verantwortlich. Mit seinen 82 Jahren ist er noch 
immer als Markenbotschafter der US-Kultmarke unterwegs »Wir werden damit fortfahren, verschiedene neue Designs zu entwerfen, die immer auch die Vergangenheit zitieren und unsere eigene Geschichte ehren. Alles, was wir machen, basiert auf dem Gedanken »form follows function«, aber niemals ohne unsere Emotionen anzusprechen.«

Greg BrewGREG BREW
Greg Brew ist »Head Director Of Industrial Design« bei Polaris Industries inc. und hat bis vor kurzem sämtliche neuen Indian-Modelle gestaltet. 
»Die Entwicklung unseres »Thunder- Stroke 111«-Motors war für mich eines der bereicherndsten Projekte, an dem ich je gearbeitet habe. Ich bin nicht nostalgisch und ich bin immer offen für neue Dinge. Aber hey, ich liebe diesen Motor. Ansonsten haben wir viel zu tun, die Marke Indian um neue Modelle zu erweitern.«

Adrain MortonADRIAN MORTON
Adrian Morton ist Senior Designer bei MV Agusta und ist verantwortlich für die Form von F4 750 bis zur Turismo Veloce. Zuvor hat der in San Marino lebende Brite bereits für Benelli die Modelle Tornado und TNT entworfen. »Elektromotoren oder alternative Energien bieten die Möglichkeit, die Wahrnehmung des Motorrads zu verändern. Inspiriertes, originelles Denken kombiniert mit einer nostalgischen Marke kann eine unglaubliche Kombination ergeben. Wir werden versuchen, das Herz unserer Kunden einzufangen.«

Rolf ReickROLF REICK
Rolf Reick ist nicht nur Motorradfahrer und Schrauber durch und durch, sondern auch studierter Industriedesigner. Wenn er gerade nicht auf europäischen Rennstrecken und Events Gas gibt, ist er stellvertretender Akademiedirektor mit den Fachbereichen Produktdesign und technische Kommunikation an der Akademie für Kommunikation in Mannheim.
»Meine Lieblingsprophezeiung besagt: Das Motorraddesign der Zukunft hat sich zum wiederholten male vorne und hinten ein Rad gegönnt. Ich denke, das wird auch noch ein wenig so bleiben, dazwischen ist dann jede Menge Raum, um ihn mit Design und neu erreichter Glaubwürdigkeit inkl. »back to the roots« zu befüllen. 

Spaß beiseite, es wird sich viel Spannendes tun. Smart Materials, additive Fertigungsprozesse, Antriebskonzepte und digitale Fabriken werden das Design der Zukunft maßgeblich mit bestimmen. An Hochschulen werden bereits verschiedene Projekte zusammen mit Herstellern durchgeführt, um neue Funktionsoberflächen für die Interaktion in Mobilitätslösungen zu entwickeln. Neben experimentellen Materialmustern entstehen physische und digitale Modelle sowie Mockups für unterschiedliche Anwendungsszenarien. Heute sind komplexe Geometrien umsetzbar, von denen Designer bisher nur geträumt haben. 

Design ist aber nicht nur Dekoration bzw. Oberflächengestaltung, Designer haben Verantwortung, eine Moral für das Verwendete. Was ist als Material ökologisch vertretbar, wie ist es mit der Wiederverwertbarkeit und der Obsolenz? Denken wir an die Deckelschlacht japanischer Motorräder, hier noch ein Cover für das Deckelchen und lauter abgebrochene Nasen nach Ablauf der Garantie. Natürlich wird es wie immer Trends geben das noch nie Dagewesene zu gestalten. Ich wünsche mir aber als freiheitsliebender Motorradler, denn das Motorrad ist ein Symbol für Freiheit, dass die großen Designzentren der Konzerne mehr auf den Individualisten in uns eingehen und uns die Möglichkeit geben selbst zu entscheiden was wir fahren wollen.

Eine denkbare Richtung könnten noch extremere modulare Konzepte sein, ein Basismotorrad als »Einzelstück vom Band«, das sich in der eigenen Garage oder beim Händler per Drag and Drop in eine andere Gattung verwandeln lässt. Natürlich nicht nur mit fertig zertifizierten Teilen vom Hersteller. Apropos Designzentren, die Customizer werden sich warm anziehen müssen, um das Leitbild des Motorraddesigns der Zukunft zu bleiben. Eine riesige Schar von Designern tummelt sich mittlerweile im Bereich Motorrad und bringt eine Welle neuer Entwürfe, Ideen und fertiger Motorräder in nie dagewesener Qualität auf die Bühnen der Shows. Denn eins ist klar: Ein fertiges Motorrad war gestern, also lasst uns auf morgen freuen.«

Miguel Angel GaluzziMIGUEL ANGEL GALUZZI
Seit 2012 leitet Miguel Angel Galluzzi das »Piaggio Advanced Design Center« 
für die Marken Aprilia, Moto Guzzi und Vespa in Pasadena. Davor hat er für Ducati die Monster und andere Modelle gestaltet.
»Wir befinden uns inmitten großer Veränderungen. Veränderungen, wie wir sie etwa nach dem zweiten Weltkrieg mit den Bobbern in den USA oder dem Innovationsschub der japanischen Hersteller ab Mitte der Sechzigerjahre erlebt haben. Die Witschaftskrise 2007, Kriege in Europa und der demographische Wandel sorgen für neue Impulse. Motorräder werden einfacher, leichter und damit preiswerter. Neue Technologien werden dabei helfen.

Früher reichten ein, zwei Monatslöhne, um sich eine spaßige Enduro kaufen zu können. Heute sind Motorräder komplex und teuer. Sie müssen wieder so smart werden, wie sie einmal waren. Daher glaube ich an Leichtgewicht. Wenn ein Motorrad statt 180 nur noch 90 Kilo wiegt, dann braucht es keine 110 PS. Gutes Design ist simpel und klar. Das Simple muss so stark sein, dass es dich verführt. Customizing war schon immer ein Teil der Motorradszene. Manche wollen einen anderen Lenker, eine andere Lackierung. Nicht immer macht Customizing Sinn. Denn heute ist Customizing Fashion. Nun ja, vielleicht werden sich die Motorradfahrer bald ihre Umbauteile mit dem eigenen 3D-Printer ausdrucken …«

Ola StenegardOLA STENEGÄRD
Der Schwede Ola Stenegärd war bis dieses Jahr »Head of Vehicle Design« bei BMW Motorrad in München, bevor er zu Indian Motorcycles wechselte. Er treibt sich in seiner Freizeit auch in der Customszene herum und baut in seiner Werkstatt Chopper und Cafe Racer. »Bei BMW arbeiten Leute, die sehr leidenschaftlich an das Thema Motorrad herangehen. Und das Management gibt Gas. Stephan Schaller hatte eine Vision, jüngere Kunden und neue Segmente zählten dazu. Wir schreiten voran. Einige Segmente werden von verbesserter Elektronik profitieren. Etwa großen Tourern, Superbikes oder Adventure Bikes wird die Elektronik helfen, sicherer und besser zu werden. Ich würde nicht mehr ohne Traktionskontrolle auf die Rennstrecke wollen.
Doch andere Motorräder müssen pur bleiben. Luftgekühlt und minimalistisch für größten Fahrspaß. In den Städten werden Elektrobikes ein großes Ding werden. Unsere c-evolution ist erst der Anfang.
Was gerade passiert, etwa bei Wheels and Waves, Glemseck101, The One Show, Born Free oder Kustom Kulture zeigt, dass wieder eine neue Generation von Motorrädern fasziniert ist. Und sie ist kreativ mit ihren Bikes. Was für eine Motivation. Alles, was wir tun können, ist diese Flamme zu füttern, so gut es geht. Für uns war die nineT mit all ihren Möglichkeiten zum Customizing der Weg.«


 
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Stand:17 December 2018 20:12:28/technik/the+future+of+motorcycle+design+-+zehn+motorraddesigner+plaudern+ueber+das+motorrad+der+zukunft_18705.html