Technik Auspuff schweissen

Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim, Jochen Lehmann
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Technik Auspuff schweissen
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Ein Auspuff von der Stange verändert in der Regel schnell das Aussehen eines Bikes. Wer aber etwas Extravagantes und Individuelles haben möchte, sollte sich das Abgasrohr schon von einem Fachmann machen lassen
Das mit dem Auspuff ist ein leidiges Thema, dem sich kaum ein Bikebesitzer entziehen kann. Da hat man sein Wunschmotorrad unterm Hintern, freut sich wie ein Kind an Weihnachten und dann fällt der Blick auf ein Geschwür, das sich Auspuff nennt, in der Regel völlig unproportioniert die sonst so gelungene Optik komplett versaut und jedes ästhetische Gefühl für Formen und Linien im Keim erstickt.

Nicht selten stehen wir dann fassungslos vor dem Objekt unserer Begierde und fragen uns verzweifelt, welches Gras die Designer bei den Motorradherstellern wohl geraucht haben mögen, um den Käufern so etwas anzubieten. Die genauen Gründe für manch optischen Supergau werden wir wohl nie erfahren, doch zur Entlastung der Hersteller sei gesagt, dass sie im Zuge des Reglementierungswahns Faktoren berücksichtigen müssen, die sich einem auf den ersten Blick nicht erschließen. Neben den Geräusch- und Abgasvorschriften müssen die Hersteller auch das Strömungsverhalten innerhalb einer Auspuffanlage berücksichtigen. Kurz gesagt: Sie haben es auch nicht leicht.

Doch dafür bietet sich jedem Bikebesitzer die Möglichkeit, entweder eine Abgasanlage von einem Drittanbieter zu kaufen, die in Sachen Sound und Optik das Serienteil übertrifft, oder aber gleich zum Metallkünstler seines Vertrauens zu gehen und sich sein Wunschrohr nach eigenem Geschmack gestalten zu lassen. Für die »Blechfee« Jochen Lehmann ist das fast schon so etwas wie tägliches Brot. Auch der Besitzer der Low Rider S wollte sich mit dem Serienteil von Harley-Davidson nicht zufriedengeben, zumal die Dyna sowieso schon nach seinen Vorstellungen umgebaut und auf sportlich getrimmt wurde und als  I-Tüpfelchen jetzt eine Underseat-2-in-1-Auspuffanlage für den finalen Look sorgen sollte.

Auspuffbau ist kein Hexenwerk, trotzdem sollte man wissen, was man macht oder es besser gleich einem Fachmann überlassen

Für Jochen kein Hexenwerk, sondern mehr ein Puzzle aus Rohren, Bogen und Verbindungsstücken, die nun am Bike angepasst und zu einer neuen Auspuffanlage zusammengesetzt werden müssen. Die Richtung wird dabei von zwei Punkten vorgegeben, dem Motor, dessen Positionierung fix ist, und dem Endtopf, der dort sitzt, wo es  sich der Kunde eben wünscht. Der Rest ist quasi Routine unter Berücksichtigung der Gegebenheit des Bikes.

Einfluss auf die Rohrführung nehmen dabei Haltepunkte, Rahmen und so essentielle Bauteile wie die Fußrastenanlage, die mitunter die ganze Sache kompliziert werden lassen kann. In diesem Fall allerdings steht das Teil nicht im Weg und Jochen beginnt den Zusammenbau um vorderen Zylinder, um sich dann Stück für Stück seinen Weg nach hinten zum Auspufftopf zu bahnen. Also startet alles mit einem Flansch und einem Winkel, die am Zylinder montiert und miteinander verbunden werden. Dann wird Maß für das erste Stück Rohr genommen.

Aus einem Rohling schneidet Jochen das entprechende Stück ab. Um eine gerade Schnittkante zu bekommen, bedient er sich einer Rohrschelle und eines kleinen, geraden Stücks Blech, das er ums Rohr legt, bevor er anzeichnet.  Wichtiger Helfer, wie immer, wenn es um Metall geht, der Trennschleifer. Ein kurzer Funkenregen und das Rohr ergibt sich der Gewalt der Schleifscheibe. Anschließend wird das Teil entgratet und ans Motorrad gehalten. Passt die Länge, heftet Jochen mit dem Schweißgerät beide Teile zusammen. Auf der Werkbank zieht er abschließend eine lückenlos saubere Naht. Ein wichtiger Arbeitsschritt, um beim späteren Abschleifen eine glatte Oberfläche zu erhalten, denn der Auspuff soll gepulvert werden.

Stück für Stück wächst der Auspuff zusammen, bilden die Einzelstücke ein Rohrgeflecht, …

Und so arbeitet sich Jochen langsam vor, geduldig und routiniert. Hektik ist hier fehl am Platz und würde nur zu einem unsauberen Ergebnis führen. Stück für Stück wachsen im Laufe der nächsten Stunden Rohre und Verbindungsstücke zusammen. Nachdem die Rohrführung am hinteren Zylinder abgeschlossen ist, holt Jochen eine Besonderheit hervor: ein Flexrohr. Normalerweise werden solche Teile bei den vierrädrigen Kollegen verbaut. Sie geben eine gewisse Flexibilität, wenn der Motor unter Zug kippt.

Bei der Low Rider S ist das ähnlich. Der Motor ist, bedingt durch die fehlenden Ausgleichswellen, schwingend im Rahmen befestigt, um die Vibrationen zu dämpfen. Da der Auspuff aber starr mit dem Motor verbunden ist und konstruktionsbedingt gummigelagerte Halterungen nun fehlen, käme es zu Spannungen im Material, was letztlich zu Rissen im Auspuff führen würde. Oberhalb vom Flexrohr wird es noch einmal ein bisschen knifflig. Die Lage des Auspufftopfs erfordert eine geschwungene Rohrführung, doch ein paar Bogen später ist auch das geschafft.

Der Underseat-Auspuff an der Low Rider S ist Wirklichkeit geworden, ganz so, wie es sich der Kunde gewünscht hat. Und die Wärmeabstrahlung? »Hält sich in Grenzen«, versichert Jochen. Dafür kann man aber so ein Teil nicht von der Stange kaufen. Und legal ist die Anlage auch, da der Endtopf über eine Prüfnummer verfügt und auch die Lambdasonden abschließend wieder verbaut werden.



Billig ist der Spaß nicht, denn neben dem Material laufen etliche Arbeitsstunden auf. Individualität hat ihren Preis, der aber ohne Zweifel gerechtfertigt ist.

www.blechfee.de
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Stand:17 December 2018 20:02:31/technik/technik+auspuff+schweissen+-+volles+rohr_18117.html