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Frau Reuters Praxistest

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Hermann Köpf
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 Frau Reuters Praxistest
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»Das geht ja gar nicht! Ein Reflektor ist hinten rund und wie soll die Maus den denn da abgebaut haben?«, Köppke stand hinter Hippie und zeigte auf ein Bild in dem Buch, das Hippie für seinen Neffen gekauft hatte, nun aber doch mal genauer ansehen wollte
»Und wie, erzähl mir das mal, soll die bekackte Maus mit dem Scheißreflektor zum Mond fliegen?« »Das wirst du nie erfahren«, sagte Hippie genervt. »Wieso?«, schrie Köppke schon fast. »Weil ich jetzt nicht mehr weiterblätter, weil du mir auf den Sack gehst«. Köppke war fassungslos. Ich war gerade in die Garage gekommen und sah die beiden Spacken da mit dem Buch rumlungern. Die Bierflaschen daneben waren noch zu. »Er will nich weiterblättern, hat er gesagt«, stöhnte Köppke mich an. Hippie fing an zu quaken: »Der macht alles schlecht. Köppke ist ein Arsch. Schmeiß ihn raus. Ich hab hier ’n astreines Buch für Klein-Titus und Köppke macht das schlecht. Köppke, du stinkst einfach nur nach Pisse. Ich ekel mich vor deinem Schrottgehirn. Du bist schlecht.« Er drückte das Buch an seine Brust und sah aus wie eine beleidigte Prinzessin mit Bartstoppeln aus einem billigen Märchenfilm. Wir haben dann erst mal das Bier aufgemacht und das Buch ganz von vorne angeschaut.

Großes Vorhaben für 2019: Mehr Lesen?

Kulturtipps zum Jahresanfang
Hammer! Was für ein Hammer! Erklärt mich für verrückt, dass ich euch an dieser Stelle ein Kinderbuch (ich glaube ja, es ist auch für Erwachsene) vorstelle. Aber Kultur muss auch hier ihren festen Platz haben. Und wenn das, was Torben Kuhlmann hier zu Papier gebracht hat, keine Kultur ist, weiß ich auch nicht weiter. Und wenn es nur einen technisch Interessierten unter euch gibt, der diese Bücher NICHT atemberaubend klasse findet, will ich auf der Stelle Pickel am Sack haben.

Kuhlmann hat Illustration und Kommunikationsdesign studiert. Sein erstes Buch »Lindbergh – Die Geschichte einer fliegenden Maus« war praktisch seine Diplomarbeit. Ich halte Kuhlmann für den besten technischen Illustrator auf diesem Kontinent. Weil er nämlich ein Faible für technische Angelegenheiten hat – eben weil er ein Technik-Freak ist. Und weil er besser zeichnet, als unsereins fotografieren kann. Außerdem kann er anscheinend ungeniert rumspinnen. Und alles zusammen ergibt eben astreine Bücher, in denen eine Maus genau das macht, was wir als Jungs damals nicht gemacht haben. Fertig. Mein Tipp: Kauft eines seiner Bücher, genießt es und verschenkt es dann an irgendein Kind in eurem Bekanntenkreis. Aber wahrscheinlich werdet ihr es behalten. Hippie hat seines verschenkt und dann ein anderes für sich gekauft: »Edison – Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes«. Ob er jemals den Text gelesen hat, weiß ich gar nicht. So ’n Buch kostet rund zwanzig Euro und ist natürlich jeden Pfennig wert. Kuhlmann ist – verzeiht die abgedroschene Phrase – absolut kultverdächtig.

So, und damit ihr wieder runterkommt, gleich noch mal Kultur, und zwar voll auf die Zwölf. Unter meinem siebzig Zentimeter hohen Weihnachtsbaum lag ein Buch – geschrieben von einem Mann, den ich stets für einen Idioten gehalten habe, Ozzy Osbourne. Der hat seine Autobiografie geschrieben und ist für mich nun kein Idiot mehr. Dieses Buch ist dermaßen kurzweilig und witzig, dass ich es in den zwei Weihnachtsfeiertagen einfach weggelesen habe. Danach habe ich mich kerngesund gefühlt, selbst bei dem Gedanken, dass ich über die Festtage drei Flaschen Wein, einige Biere und den ein oder anderen Obstler getrunken habe. Denn Ozzy hat sowas in seinen guten Zeiten zum Frühstück zu sich genommen. Das Buch hat mich so begeistert, dass ich mir im hohen Alter von 56 Jahren meine erste Black-Sabbath- Scheibe gekauft habe: »Paranoid«. Und die ist jetzt offiziell meine Kulturempfehlung Nummer drei. Es ist doch erstaunlich, was man im Laufe seines Lebens alles verpassen kann! Ich bin fassungslos über meine eigene bisherige Ignoranz. Kauft diese Biografie! Kostet etwa zwölf Euro und hat extremen Unterhaltungswert.



Martin im Glück: Seine neue Schweißliebe war ein günstiger Ebay-Schuss, wird ihm aber noch lange Freude machen

Schweißen wie ein Profi
Und nun, meine kleinen Mäuse, begeben wir uns wieder auf trockenes, technisches Terrain! Womöglich erinnert sich der ein oder andere an meine Schweißgerätvorstellung im Frühsommer letzten Jahres. Der Nachbarsjunge hatte ein Gerät zur Konfirmation bekommen. Ich hab mir das dann immer mal ausgeliehen, was mir aber irgendwie peinlich war. Man muss das dann immer so pfleglich behandeln und muss fragen und all das. Nervt doch. Also hab ich mal im Internet gesucht. Bei eBay. Und da bin ich doch glatt auf den Mercedes unter den Schweißinvertern gestoßen: Das EWM Pico 162. Mercedes deswegen, weil EWM-Geräte von hervorragender Qualität bauen und die Teile angeblich – so sagte es mein Händler, der 850 Euro (netto!) dafür aufrief – die Teile ewig halten. Ich hab also eins bei eBay gefunden. Ein Gerät aus einem Werkstattbrand. Schwarz wie die Nacht, ordentlich verrotzt vom Löschwasser und Schaum, aber funktionierend. So der Anbieter. Und MIT Kabelsatz. Also hab ich mal geboten und das Ding am Ende für 127 Euro gekriegt. Als es endlich hier war, hab ich es aufgemacht, durchgeblasen und geputzt, den Potiknopf erneuert und ausprobiert. Das Scheißding geht! Und nun kommt das eigentlich Interessante: Die Arbeit mit DIESEM Schweißgerät ist noch mal was ganz anderes als das Gebritzel mit einem 250-Euro-Billigkasten. Kinder, damit kann selbst ich sauberste Schweißnähte ziehen. Da klebt keine Elektrode an, da zündet sofort der Lichtbogen – ich bin ganz von den Socken. Es zahlt sich am Ende doch aus, wenn man auf Qualität achtet. Das hat meine Oma immer gesagt, recht hatte sie, das alte Luder!

Ein Neugerät dieser Klasse hätte ich mir nur leisten können, wenn ich mit mehreren Leuten zusammengelegt hätte. So hab ich nun meine eigenes. Und der Nachbarsbengel kann mich mal am Arsch lecken.

Falls ihr also die Kohle übrig habt und einen tollen 230-Volt-Inverter braucht, kauft den hier und nix Billiges. Notfalls gebraucht. Mein Metallfritze um die Ecke schüttelt bei diesen Zeilen ohnehin den Kopf. Der meint nämlich, dass Schutzgas das einzig Wahre ist. Aber der ist ja auch reich und schweißt tagtäglich. Für mich, der zehnmal im Jahr irgendwelche Bremshebel oder Nummernschildhalter oder Muttis Feuerkorb schweißen muss, ist so ein Gerät genau richtig. Damit schweißt man fast wie ein Großer. Schaut mal unter www.ewm-sales.com. Das ist sozusagen der Schweißerhimmel.

Ja, ja, ein Backblech
Hättet ihr jemals gedacht, dass euch innerhalb EINER Ausgabe dieses Blattes sowohl ein Kinderbuch als auch ein Backblech vorgestellt wird? Nein! Nun aber: Ich habe ein Backblech! Und zwar hab ich mir das von einem Bekannten abgeschaut, der hat da mehrere von und packt die immer unter die Motoren, an denen er gerade schraubt. Das mach ich jetzt auch immer. Nun fallen die Schrauben, die sich meinen tatterigen Fingern entziehen, nicht mehr irgendwo hin, sondern landen brav auf dem Blech. Auch das ganze Restöl, was so ’n Motor in sich hat, kleckert sauber aufs Blech. In der Größe 48 x 32 Zentimeter kostet sowas nicht mal zehn Euro. Die Dinger sind aus 0,9-Millimeter-Aluminiumblech und federleicht, aber stabil. Offiziell heißt so ein Blechle »Backwaren Auslageblech«. Ich hab meins vom Großmarkt aus der Gastronomieabteilung. Im Internet findet man die Bleche aber auch auf Anhieb.
Und jetzt werde ich eine gepflegte Flasche Wein aufmachen. Ozzy trinkt ja nicht mehr.

Also übernehme ich das Ruder.
Skål!!

 
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Stand:16 June 2019 04:40:18/technik/+frau+reuters+praxistest+-+februar+2019_19118.html