Show Me Your Garage – Carsten Hoffmann

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Show Me Your Garage – Carsten Hoffmann
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Zufälle spielen im Motorradleben von Carsten Hoffmann eine große Rolle, oder: Von einem, der auszog, Rennfahrer zu werden
Ein Aussiedlerbauernhof, irgendwo im Taunus, die nächste Ortschaft weit genug weg, um niemanden zu stören. Auch nicht, wenn man bis in die Nacht an seinen Motorrädern schraubt. Ein Reich von 300 Quadratmetern, ein Ort der Ruhe, bevor es richtig laut wird. Dann, an den Wochenenden, wenn Carsten Gas gibt, bei den Achtelmeile-Sprints in Monza und anderswo.

Die Zukunft ist beinahe vorgezeichnet, als Carsten sich damals für den Lehrberuf des Maschinenschlossers entscheidet. Viele, die heute Motorräder bauen, haben so angefangen. »Wie ein Teil funktioniert und wie man es repariert, das hast du da gelernt«, sagt der 47-Jährige, der seit vielen Jahren in der Fahrzeugszene zu Hause ist. Nach der Lehre das Fachabi, dann der Entschluss, Maschinenbau zu studieren. Mit dem Professor ist das so eine Sache, »mein Studium dauerte deshalb genau fünf Tage«, schmunzelt Carsten. Er heuert in einer Werkstatt an, schraubt dort an Autos. Sein erstes Motorradglück findet er in einem Job bei einer Bude, die alte Indians restauriert, »richtig gut war das«, blickt er zurück. Nebenbei wird immer an Autos geschraubt, auch heute arbeitet Carsten im festen Job in einer Autowerkstatt. Das mit den Motorrädern, das nahm erst vor ein paar Jahren richtig Fahrt auf. Auch wenn Carsten da schon aktiv Trial in der Hessenmeisterschaft gefahren ist – »das macht richtig Spaß und ist auch eine gute Übung fürs normale Motorradfahren« – den größeren Kick, den findet er woanders.

Show Me Your Garage – Carsten Hoffmann

Auf einem Konzert in Heidelberg trifft er einen Typen, nur ein loses Gespräch, das war’s. Ein paar Wochen später liest Carsten in unserem Heft ein Bikeporträt, der Typ mit der Karre ist der Typ vom Konzert: Martin Becker, Customizer. Carsten schreibt ihn an, die übliche Facebook-Nummer der heutigen Zeit. Martin steckt gerade in den Vorbereitungen zum Gentleman’s Ride, der in Heidelberg stattfinden soll. Carsten fragt, ob er mitfahren kann. Es ist 2013 und mehr Zufälle sollen folgen. Beim Ride in Heidelberg lernt Carsten Rolf kennen, Veranstalter des Starrrahmensprints »Starr Wars«, der jährlich am Leonberger Glemseck ausgetragen wird. Und Carsten fragt wieder: »Kann ich mitfahren?« Mit seiner selbst umgebauten Yamaha XJ 750 geht er an den Start. Mit ihm im Feld der Franzose Sébastien Lorentz, der seinen Sprintbeemer über die Strecke prügelt und dabei von einer eigenen Rennserie träumt. Am Abend nach dem Rennen geht Carsten zu dem Franzosen, sie quatschen, sie sind sich sympathisch. Als Sébastien im Jahr darauf seine »Sultans of Sprint«-Rennserie gründet, ist Carsten schon im Dunstkreis, nur mitfahren kann er nicht, das Reglement erlaubt keine Vierzylinder. Carstens XJ, mittlerweile auf 900 Kubik gepimpt, darf also nicht ran, er umso mehr. Im ersten Sultans-Jahr hilft er dem Team von »Schlachtwerk« bei den Vorbereitungen und im Vorstart, auch im zweiten Jahr ist er als Anschieber und Mechaniker dabei. »Aber ich hatte natürlich irgendwann auch Bock, mitzufahren, der Gedanke ließ mich nicht los«, erklärt Carsten rückblickend. Er fragt, ob er darf, Sébastian gibt seine Zustimmung. Ein Bike dafür, das muss der Hesse freilich erst noch bauen. Und während die anderen Sultans gern aus dem Vollen schöpfen, auch finanziell, ist seine Kohle eher knapp.

Eine Yamaha TR1 soll es werden, im Starrrahmen, schön flach. Das begrenzte Budget erfordert es, Freundschaftsdienste anzunehmen und vieles selbst zu machen. Carstens Werkstatt ist gut ausgestattet, er legt los. Für knapp über 3.000 Euro baut er sich sein Sprintbike, gerade mal 150 Kilo schwer verspricht es den Adrenalinkick, den Carsten beim Racing so schätzt. »Aber da ist noch mehr«, sagt er, »da ist der Spaß und das Gefühl, dass dir eine gute Gemeinschaft gibt. Aber eben auch die Herausforderung, das Moped immer weiter zu verbessern und auf der Strecke zu bestehen.« So stehen auch über den kommenden Winter Veränderungen auf dem Plan, »sie muss obenrum noch besser laufen«, wünscht sich der Schrauber.

»Da ist dieser Adrenalinkick, aber auch der Spaß und die Herausforderung, dein Motorrad immer weiter zu verbessern und auf der Strecke zu bestehen«

Die vier offiziellen Rennen plus einen Showlauf ist Carsten in diesem Jahr bei den Sultans gefahren. Bei Letzterem im Rahmen der Kölner Intermot belegt er den dritten Platz. Und auch wenn das in der Jahreswertung nicht zählt, ist es ein großer Erfolg für einen Schrauber wie du und ich, der sich seinen Wunsch vom Rennen fahren erfüllt hat.
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Stand:17 December 2018 20:02:12/szene/show+me+your+garage+-+carsten+hoffmann_181204.html