Yamaha XVS 650 Dragstar – Cross Life

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Christian Heim
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Yamaha XVS 650 Dragstar – Cross Life
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Yamahas XVS 650 – durchaus ein japanisches Cruiser-Modell, das bei älteren Herren beliebt ist. Dabei taugt auch solch ein biederes Originalbike zum lässigen Flacheisen
»Nichts!«, als Björn vor ein paar Jahren zu seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau zieht, wird er mit Leere konfrontiert. Hier auf dem Land, irgendwo zwischen Vechta und Osnabrück, ist die Antwort auf die Frage »Was geht hier so ab, was kann man machen?« kurz und eindeutig. Für den gebürtigen Rostocker eine Umstellung, denn immerhin war er mehrere Jahre als BMX-Fahrer in den USA aktiv und hat danach in Hamburg gewohnt. Heute weiß Björn die Vorteile des Landlebens zu schätzen, genießt die Freiheit und die entspannte Polizei, wie er uns grinsend verrät, »und nach Holland sind es keine hundert Kilometer.« Und noch was hat das Leben im Haus mit ordentlich Platz fürs Hobby für sich – das Mopedschrauben ist zur Genusssache geworden. Seit zwei Jahren verwirklicht Björn hier das, was er früher an Fahrrädern und beim Crossen getan hat – umbauen, pimpen, lässiger machen.

Wir hören sie schon motzen: »Bäh, Stollenreifen, kannste doch nicht vernünftig fahren.« »Doch, geht«, sagt Björn, »die Yamaha fährt sich sauber und butterweich.« Hört auf den Mann, der kennt sich aus. Ist nämlich nicht sein erster Umbau mit sattem Profil

Die Basis ist dem Industriemechaniker dabei ziemlich egal, auf Attitude legt er keinen Wert, schaut nicht, was anderen gefallen könnte. Und so sind es nicht nur Harleys, an denen hier geschraubt wird, sondern es verirrt sich eben durchaus auch mal eine kleine Yamaha in seine Finger. Die 650er Dragstar war ein solcher Schnapp, günstig im Preis und mit einigen Eintragungen in den Papieren. Tief und flach war so kein Problem, Björn konnte seine Vorstellung vom Crosscruiser damit einfacher verwirklichen.

Vom Basisbike übernimmt der 32-Jährige nur Motor und Rahmen, ersteren kaum bearbeitet, weil es schlicht nicht nötig ist. »Da muss man ehrlich sein, die Japaner funktionieren zum Teil wirklich besser als die Amis, viel zu machen ist da nicht«, Köpfe und Deckel bearbeiten, die Benzinpumpe kicken, die Luftführung für den Zweizylinder abändern, die Zündspulen versetzen, einen fetten Endtopf von einer Cross-KTM auf den Krümmer montieren. Dazu baut Björn als schönes kleines Gimmick einen Luftfilterkasten, der unterm Tank platziert wird. Überhaupt schafft er es, gewaltig aufzuräumen. Unnötige Halterungen und Kabel werden entfernt. Die unbedingt nötigen laufen zum Teil gut versteckt durch die Holme der gekürzten Seriengabel und den Crosslenker. Eine extrem minimierte Elektrik ist ebenfalls Pflicht, ein kleiner Tacho reicht.

Selbst die Lackierung ist kostengünstig und wurde von Björn selbst erledigt

Weil die Gabel vorn tief baut, muss auch der Arsch runter. Die Dämpfer sind gekürzt, das Bike kommt insgesamt etwa zehn Zentimeter tiefer als vorher an den Boden, ein echtes Flacheisen. Die hintere TTS-Felge wird auf die Seriennabe umgespeicht, beide Räder, überbezogen mit den auffälligen Conti-Stollen, sind schwarz beschichtet. Überhaupt ist Schwarz die Farbe der Wahl. Björn lackiert nicht nur die Gabelrohre, sondern auch das Innenteil der Serienscheibe vorn sowie die Trommelbremse hinten. Auch die Lampe, ebenfalls das Originalteil, wird lediglich lackiert und foliert. Mit wenigen Mitteln erreicht der Norddeutsche so ein harmonisches Zusammenspiel aus Eigenleistungen, ein paar Zukaufteilen oder Regalfunden und den japanischen Basisparts. Auch die finale Lackierung bleibt kostengünstig und handgemacht. Zwei Edding-Stifte, ein Schleifschwamm, ein Bunsenbrenner und ein paar Schichten Klarlack genügen für lässige Akzente. Knapp dreieinhalbtausend Euro investiert Björn in seine Dragstar, das Bike ist so authentisch wie sein Besitzer. Der hat übrigens für den ganzen Umbau gerade mal zwei Wochen gebraucht. Ging easy, weil sonst ist ja hier nichts.
 

Technische Daten
Yamaha XVS 650 Dragstar
Bj. 1999
Erbauer: Björn Brunner

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, sohc-Zweiventiler,
649 ccm (Bohrung/Hub 81 x 63 mm)

Zylinderkopf: Köpfe u. Deckel bearbeitet
Luftfilter: Eigenbau-Kasten
Vergaser: Doppelvergaser Serie
Auspuff: Eigenbau-Krümmer, Endtopf KTM 450 SXF
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: 40 PS bei 6500 /min
Drehmoment: 51 Nm bei 3000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Gabel: Tele, gekürzt
Schwinge: Serie, mod.
Dämpfer: Thunderbike-Kürzung
Räder: vo. 2,5 x 19, hi. TTS 5,5 x 17
Reifen: vo. Continental TKC 80, vo. 120-70/19, hi. 180-55/17
Bremsen: vo. Scheibe, hi. Trommel

Zubehör
Tank: H-D Sportster
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: LSL-Crosslenker
Instrumente: Koso-Tacho
Lampe: Serie
Rücklicht: 3-in-1
Fender: Eigenbau
Fußrasten: Falcon

Metrie
Leergewicht: 220 kg
Radstand: 1650 mm
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Stand:22 November 2018 12:11:20/motorrad/yamaha+xvs+650+dragstar+-+cross+life_18716.html