Yamaha XS 1100 – Alte Liebe rostet auch

Text: Lothar Steinmetz  |   Bilder: Lothar Steinmetz
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Yamaha XS 1100 – Alte Liebe rostet auch
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Mittlerweile hat Rost nicht mehr unbedingt was mit schlechter Pflege zu tun. Diese XS 1100 zeigt uns, dass gezielter Einsatz von Patina als stilistisches Mittel eine Existenzberechtigung hat
Direkt zum großen Führer­schein gönnte sich Frank seine erste XS 1100. Irgendwie hatte Yamaha mit diesem Modell nicht den Zahn der Zeit getroffen, deshalb waren die Teile unbeliebt und leicht zu bekommen. Die Optik war für den damals 18-Jährigen sowieso nicht wichtig – Hauptsache, die Karre hatte Bums und war recht günstig zu bekommen. Bereits nach zwei Jahren trennte er sich wieder von der XS und kaufte sich was neues Gebrauchtes. In diesem Zyklus ging es weiter, und immer mal wieder gesellte sich eine XS1100 zwischen die verschiedenen Modelle eines Motorradfahrerlebens.

»Die Karre sah so gut aus, dass ich sie mir erstmal zwei Jahre ins Wohnzimmer stellte.«

2007 war es mal wieder unvermeidlich. Bedingt durch den gut gewachsenen Haufen diverser Ersatzteile für das Modell in seiner Werkstatt, suchte Frank im Netz nach einem Schlachtopfer. Über ein Forum fand er jemanden, der über drei Ecken einen kannte, der eine Elfhunderter verkaufen wollte. Ein Anruf und Frank machte sich mit dem Hänger auf nach München, denn der Opa mit dem schlechten Gewissen, »weil die Karre doch so dreckig ist«, wollte nur 250 Euro haben – Volltreffer ins knappe Budget.

In der Tiefgarage offenbarte sich dann aber ein Fahrzeug im Neuzustand, 12 000 Kilometer gelaufen, eben nur fett eingestaubt. Deshalb gab Frank ihm 100 Euro extra für die Enkel. »Die Karre sah so gut aus, dass ich sie mir erstmal zwei Jahre ins Wohnzimmer stellte.« Zum Umbau kam es aber natürlich doch noch, irgendwann kam die Yamaha vom Wohnzimmer in die Werkstatt, wo zunächst alles, was schön und neu war, abgebaut und konserviert wurde. Anschließend wurde ins Regal gegriffen und alte XS-Teile rausgezogen.

Wer Lowbudget bauen will, muss immer bereit sein, ein Stück aus dem Sperrmüll zu schneiden

Als Erstes verlor der Tank seine Farbe und bekam aufs blanke Metall ein Lettering, eigenhändig. Irgendwann hatte Frank sich so was mal auf einen Pick-up machen lassen und der Typ wollte dafür fast den Gehaltsscheck haben. Also nutzte er die eigene Fingerfertigkeit und machte es einfach selbst. »Ich muss einfach alles ausprobieren, wenn mir das morgen nicht mehr gefällt, nehme ich Schleifpapier und es wird neu gemacht«, erklärt er. Klarlack darf aber keiner drüber, denn es soll verwittern, genau wie alles an der Karre. Das kommt wohl von der US-Car-Szene, in der sich Frank auch rumtreibt.

Es muss rostig sein, Patina haben und gelebt aussehen. Eine Stunde fahren und drei Stunden putzen geht in seinen Augen gar nicht. Nur ein bisschen Ordnung und Sauberkeit genehmigt Frank sich. Deshalb findet sich an allen möglichen Haltern Griffband von alten 70er-Jahre-Rennrädern wieder, »weil es darunter scheiße aussieht. Das Moped an sich ist immer wieder ein Versuchsobjekt, an dem Sachen für andere Umbauten erstmal ausprobiert werden. Deshalb findet man auch die verschiedensten stilistischen Mittel wie das Pinstriping auf dem Luftfilterdeckel oder die eingefrästen indischen Muster auf dem Kupplungs­gehäuse.

Yamaha XS 1100 – Alte Liebe rostet nicht

Die Packtaschensuche gestaltete sich schwieriger als gedacht, er wollte nämlich keine mit Harley-Schriftzug oder mit Fransen dran. Eine Freundin gab den entscheidenden Tipp, nämlich Ledertaschen fürs Wanderreiten zu nehmen. Ein Jahr dauerte es, bis die mit der entsprechenden Patina ins Gesamtbild passten. Das tut der AWO-Sitzbankbezug leider so ganz und gar nicht und durch sein Kunstleder wird das wohl auch nichts mehr.

Also muss der noch neu gemacht werden, geplant ist ein altes Ledersofa vom Sperrmüll dafür zweckzuentfremden. Das wiederum sucht Frank noch, ein Teppichmesser ist aber immer griffbereit dabei, falls mal was Passendes am Straßenrand steht. Obwohl das normale zweijährige Motorradintervall bei Frank schon lange überschritten ist, hört sich das doch stark nach Zukunftsplanung an. Vielleicht bleibt er auf seine alten Tage ja zumindest dieser Kiste treu.

Am Gasgriff
Die Karre säuft wie ein Loch, acht bis zehn Liter sind normal. Da ist es schon gut, wenn links am Tank der Benzinstand angezeigt wird, weil man mit der Reserve nicht wirklich weit kommt. Der nötige Tankstopp ist dann auch frühzeitig einzuleiten, denn die Fuhre bremst wie ein Güterzug. Aber tourentauglich ist sie nach wie vor, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht

Technik
Yamaha XS 1100 | Bj. 1980
Erbauer: Frank Sommer

Motor
luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, ohc-Vierventiler,
1104 ccm (Bohrung/Hub 68,6 x 71,5 mm)

Auspuff: 4-in-1-Eigenbau, links verlegt
Sekundärantrieb: Kardan
Getriebe: Fünfgang
Leistung: 95 PS bei 8500 /min
Drehmoment: 90,3 bei 6000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Gabel: Tele
Schwinge: Yamaha-Zweiarm
Räder: vorn 3.50x19, hinten 4.50x17
Reifen: vorn 100/90-19, hinten 130/90-17
Bremsen: vorn und hinten Scheibe

Zubehör
Tank: Yamaha original
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Zubehör, umgedreht
Fender: original, modifiziert
Scheinwerfer: XJ 550
Rücklicht: Lucas-Style
Blinker: Ochsenaugen

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1545 mm
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