Yamaha Nudels 1

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Tobias Kircher
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Yamaha Nudels 1
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Wild, bunt, schmal, definitiv ein Chopper. Aber laut Brief keine XS 650 wie auf den ersten Blick vermutet, sondern eine »Yamaha Nudels«. Aufklärung bitte …
Nudels ist mein Spitzname«, erklärt Marco, »und der steht als Modellbezeichnung im Brief, genauer steht da Yamaha Nudels 1« – und schon ist aus dem beruflichen Kaufmann ein Customizer geworden mitsamt Individualbike unter eigenem Namen, Respekt. Wie es dazu kam, nun, Marco hat seinen Umbau von Anfang an mit dem TÜV durchgekaut. Der wiederum hat viel gefordert, aber am Ende die Zulassung unter der eigenen Modellbezeichnung laufen lassen. Dass der Privatmann dafür einiges aufbieten musste, war die Mühen wert, doch dazu später mehr.

Chopper dürfen wild, vor allem die nicht-parallele Auspuffführung mag dabei nicht jedem gefallen. Aber wer die Vorbilder der Vergangenheit zitieren möchte, darf das genau so machen

Unbescholten was Customizing angeht ist Marco nicht, seit zwanzig Jahren gibt es für ihn kaum was Schöneres, als sich nach dem Bürojob seine Auszeit in der Garage zu nehmen und sich die Finger dreckig zu machen. Mit Choppern fing es an, Ausflüge in die Welt der Cafe Racer folgen. Uns wird schwindelig, als er aufzählt, was er schon alles unter den Fingern hatte, Honda, K-BMW und viele mehr. Und plötzlich ist der Wunsch zum Zurück da – back to the roots, gern hergedroschenes Synonym für Rückbesinnung und langsamer machen, bei Marco untrennbar auf Chopper bezogen. Und so tauscht er eine BMW gegen einen Chopper im Anfangsstadium, immerhin Santee-Rahmen und Yamaha-XS-Motor sind eine gute Basis. Was der TÜV durchaus anders sehen könnte, wie Marco weiß. Deshalb spielt er von Beginn an mit offenen Karten und findet einen Prüfer, der bereit ist, den Weg mit ihm zu gehen. Dass das Motorrad – es kommt aus Holland – im früheren Leben eine EU-Zulassung hatte, macht die Sache ein bisschen einfacher, wobei wir auch da andere Fälle kennen.

Unter der bunten Lackierung trommelt ein Yamaha-XS-Zweizylinder. Das Ganze verpackt in einen Santee-Rahmen und mit ungewöhnlicher Modellbezeichnung im Brief

In jedem Fall zeigt Marco seinem Prüfer entsprechende Fotos, bespricht seine Vorstellungen und es kann losgehen.
Der Motor hat keine großen Veränderungen nötig, aber Marco fräst die Zylinderköpfe und spendiert neue Kanäle. Die Ventile werden neu eingeschliffen und hochglanzpoliert, der Vergaser entsteht aus handelsüblichen Puderzuckerstreuern. Den Auspuff baut der ambitionierte Schrauber selbst. Der Rahmen mit Geradwegfederung, ursprünglich für den Einbau eines Honda-CB-Motors konstruiert und für den Yamaha-Zweizylinder angepasst, wird versteift und  modifiziert. Weil Marco nämlich zu den Männern mit stabilem Körperbau gehört, fertigt er Knotenbleche und schweißt die ein, das macht das Fahrwerk deutlich stabiler. Im Rahmen hängt eine schlechte Gabel, Marco ersetzt sie durch das Frontend einer Honda CB 500 Four, die Gabelbrücken baut er aus Flugzeugaluminium selbst. Vier Inch Überlänge sind choppertechnisch außerdem notwendig – und ein Ape für noch mehr Länge. Vorn gibts ein 21-Zoll-Rad, hinten typische 16. Auf Bremsexperimente verzichten sowohl Marco als auch sein Prüfer gern, Scheibenbremsen Marke Honda machen die Fuhre standfest.

Vorn ohne, hinten Trommel – was choppertypisch wäre, geht unter den Augen des Prüfers natürlich nicht. Scheibenbremsen sind daher ein Muss für die Zulassungsfähigkeit

Aus einem halbierten Ironhead-Sattel gibts eine neue Sitzgelegenheit, Ducktail-Fender, Fußrasten, Rücklicht sowie diverse Halterungen werden selbst gebaut. Und weil Chopper gern bunt sind, dürfen Candylack, Metalflake und Airbrush nicht fehlen, »alles selbst gemacht«, berichtet Marco stolz. Nach einem Jahr Bauzeit ist der Chopper fertig, freilich nicht ohne die Hilfe ein paar guter Freunde. Da wären Holger, der XS-Guru, Dreher Ingo und Klaus, ein allwissender Technikfreak. »Ohne die hätte ich es nicht geschafft«, Marco ist dankbar. Ein paar Hürden gilt es trotzdem noch zu überwinden, bevor die Druckerschwärze auf Brief und Schein trocknen darf. »Fahrtest, Tanktest mit Dichtigkeitsprüfung, Geräuschtest, Drucktest, Schweißgutachten«, zählt Marco auf und lacht, »eigentlich habe ich mehr getestet, als dass ich geschraubt habe.« Ganz umsonst gibts so eine Zulassung eben doch nicht. Aber Marco meistert alle Anforderungen mit Bravour und darf sich zur Belohnung nun hochoffiziell Fahrzeugbauer nennen.
 

Technische Daten
Yamaha Nudels 1
Bj. 1978
Erbauer: Marco Noll

Motor
Zweizylinder-Viertakt, ohc-Zweiventiler,
653 ccm (Bohrung/Hub 75 x 74 mm)

Luftfilter: Eigenbau
Auspuff: Eigenbau
Sekundärtrieb: Kette
Getriebe: Fünfgang
Leistung: 55 PS bei 6800 /min
Drehmoment: 54 Nm bei 6000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Fahrwerk
Santee-Doppelschleifen-Rahmen,
Geradwegfederung, modifiziert

Gabel: Honda CB 500 Four, 4 inch over
Gabelbrücken: Eigenbau
Räder: vo. Radelli 21 Zoll, hi. Harley-16-Zoll-Felge, Honda-Nabe
Bremsen: vo. Scheibe, hi. Doppelscheibe

Zubehör
Tank: Harley Sportster
Sitz: Ironhead Sportster, halbiert
Lenker: Fehling Ape, mod.
Lenkerhalter: Harley-Davidson
Instrumente: Minitacho
Armaturen: Suzki LS 650
Lampe: Bates-Style
Rücklicht: Eigenbau
Sissybar: Eigenbau
Fender: Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau

Metrie
Leergewicht: 200 kg
Radstand: 1800 mm
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Stand:20 January 2019 08:04:35/motorrad/yamaha+nudels+1_18514.html