Honda CB Seventy Fifty – Der Rest kommt sowieso weg

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Benjamin Grna
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Honda CB Seventy Fifty – Der Rest kommt sowieso weg
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Wie ein Sammler von Vorkriegsoldtimern dazu kam, aus einer Honda CB Seven Fifty einen Cafe Racer zu bauen
Am liebsten habe ich Oldtimer aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren restauriert«, erklärt uns Max seine Leidenschaft. »Da ist die Technik auch für einen wie mich als Elektroniker in den Griff zu bekommen.«
21 Klassiker hat Max im Laufe der vergangenen 30 Jahre angesammelt und in seinem Privatmuseum untergestellt. Aber der Niederbayer hat nicht nur ein großes Herz für die ganz alten Kräder. »Ich werde öfter mal gefragt, auf welche Art von Bikes ich eigentlich stehe«, klärt uns Max auf. »Dann sage ich immer, dass ich nicht auf spezielle Motorräder fixiert bin. Ein Motorrad muss mir gefallen. Und dabei spielt es keine Rolle, wie alt es ist und ob es im Originalzustand, perfekt überholt oder umgebaut ist.«

Honda CB Seventy Fifty

Da die Wintermonate in Bayern sehr lang sein können, nutzt Max die kalte Jahreszeit zum Restaurieren seiner Motorräder. »Im vergangenen Winter wollte ich aber keinen Vorkriegsoldtimer aufbauen, sondern zum ersten Mal ein Motorrad umbauen«, kommt der Außendienstmann zum Thema. Der Zufall wollte es, dass ein Arbeitskollege gerade seine 1995er Honda CB Seven Fifty verkaufen wollte, die ihm für das Unterfangen als durchaus geeignet erschien: »Schön war sie ja nicht. Aber der 750er Vierzylindermotor ist eine Augenweide, kein störender Wasserkühler, ein simpler Rohrrahmen und das Scheußliche rundherum kommt sowieso weg. Außerdem war der Preis mit 800 Euro wirklich günstig.« Mit einem Handschlag wechselte die Honda den Besitzer.
 
Unter einer Schmutz- und Ölschicht verbarg sich eine perfekte Substanz. Max schoss durch den Kopf, was sich alles aus dieser super Basis machen lassen könnte. Weil dies aber sein erster Umbau werden sollte, entschied er sich dafür, die Honda mit möglichst geringem Geldeinsatz in einen Cafe Racer umzubauen: »Ich wollte so viel wie möglich selbst machen. Also Teile runter, Flex an und los ging’s.« Zwischendurch hockte sich der Sammler immer wieder mal auf einen Stuhl vor das Bike, betrachtete die Details stundenlang aus allen Perspektiven und plante die bald folgenden Arbeitsschritte. Er entfernte die Airbox und schuf ein freies Rahmendreieck, er kürzte das Rahmenheck, schnitt sich die Schutzbleche aus den Originalteilen zurecht und verstaute Batterie sowie Elektronikkomponenten unter dem Sitzbankhöcker.

Trotz sparsamem Umgang mit dem Budget konnten eine 4-in-1 Auspuffanlage, Kellermann-Blinker, eine individuell bezogene Höckersitzbank und ein gekappter Frontfender verbaut werden

»Wenn hier irgendjemand meint, an einen Cafe Racer gehören Stummellenker, dann hat er vollkommen recht«, nickt Max und zeigt auf den montierten Streetbike-Lenker, »aber ich wollte auch mal 400 Kilometer ohne größere Rückenschmerzen bewältigen können.« Immer wieder ertappte er sich während des Umbaus bei der Frage, ob er andere Instrumente, Hebel oder Lampen kaufen sollte.
»Aber meistens siegte die Vernunft, denn es sollte ja ein Low-Budget-Projekt bleiben.« Daher kaufte sich der Sparfuchs auch eine Airbrush- und eine Beilackierpistole, um Rahmen und Kleinteile einzufärben. Nur die Beschichtung von Tank, Höcker und Frontfender überließ er einem befreundeten Lackierer. Wobei die Farbwahl des Lacks eher Zufall war. Der Stammtischfreund hatte noch Reste eines Bronzefarbtons, den er preiswert verarbeiten könne. Nachdem Proben in matt und in glänzend angefertigt worden waren, entschied sich Max für den Hochglanz. Und weil es die Aufkleber in der benötigten Form und Größe nicht zu kaufen gab, ließ sie Max bei einem Folienhersteller anfertigen. 

Einzelfilter statt Airbox: Vier K&N-Luftfilter krönen die Vergaserbatterie und sorgen für freie Durchsicht im Rahmendreieck der Honda Seven Fifty

Die Vergaser mussten neu abgestimmt werden, denn ein Sportluftfilter und ein Edelstahl-4-in-1-Krümmer mit Eagle -Mach7-Schalldämpfer waren verbaut worden. »Das erledigte ein Meister seines Fachs, der wird das Aufreiben der Hauptdüsen, Abstimmen und Synchronisieren mit 100 Jahren immer noch besser können als ich.«

Dank vieler Eigenarbeiten hat Max für den kompletten Umbau nur 1440 Euro aufwenden müssen. Und durch Verkäufe der abgebauten Teile – zusammen 379 Euro – konnte er seine Ausgaben weiter drücken. Ist die Seven Fifty das wert? Dazu Max: »Wenn man den Reaktionen der Leute Glauben schenken darf, auf jeden Fall. Und ich bin sowieso begeistert. Ich hab mir sofort wieder eine günstige Basis für einen neuen Umbau besorgt. Eine BMW R 100 RS, Technik in gutem Zustand, der Rest … ja, ihr wisst schon.«

Am Gasgriff
Fürs Fahren hat sich vor allem die saubere Neuabstimmung der Vergaser gelohnt. Der Vierzylinder zieht seidig hoch, ohne in tiefe Löcher zu fallen. So soll das.

Honda CB Seventy Fifty

Technik
Honda CB Seven Fifty | Bj. 1995

Motor
Vierzylinder-Viertakt, dohc-Vierventiler, 
747 ccm (Bohrung/Hub 67 x 53 mm)
Luftfilter: Sportluftfilter
Auspuff: Eagle Mach7
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 73 PS bei 8500 /min
Drehmoment: 62 Nm bei 7500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Rahmenheck modifiziert

Gabel: Tele
Federbeine: Showa
Räder: vorn 3,5 x 17“ mit 120/70-17, hinten 4 x 17“ mit 150/70-17
Bremsen: vorn und hinten Nissin-Scheiben

Zubehör
Lenker: Streetbike 
Schutzblech: Eigenbau
Sitzbank: Höcker GFK
Rücklicht: LED

Metrie
Leergewicht: 230 kg
Radstand: 1495 mm
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Stand:22 September 2018 12:59:43/motorrad/honda+cb+seventy+fifty+-+der+rest+kommt+sowieso+weg_18711.html