Faster Son – Shinya Kimura

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Yamaha

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Faster Son – Shinya Kimura
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Schon 2015 gewann Yamaha den charismatischen Blechkünstler Shinya Kimura als Designer für ein Einzelstück auf MT-07-Basis und entdeckte damit die Customszene endgültig für sich
 Vor drei Jahren hat Yamaha ganz dick aufgetragen beim Wheels and Waves-Event in Biarritz. Sicher, auch andere große und kleine Hersteller lassen es sich nicht nehmen, ihre Designideen an der Atlantikküste zu präsentieren.
Aber vor allem Yamaha sticht mit einem riesigen Aufgebot an Yard-Built-Umbauten ins Auge der Besucher. Da stehen sie nun einträchtig nebeneinander, die graugrüne XJR1300 von Numbnut Motorcycles, die XV-950-Kreationen von Walz, Benders und Deus Ex Machina, die SR 400 der portugiesischen Schmiede It roCkS!bikes oder die supercleane Vmax von JvB Moto.

Faster Son – Shinya Kimura

Eines der ausgestellten Bikes macht geradezu sprachlos: Eine in kunstvoll behauenes Aluminium gehüllte Zweizylindermaschine, bei näherem Hinsehen eine MT-07, die eindeutig die Markenzeichen japanischer Customizer, nein, die Handschrift Shinya Kimuras trägt. Bingo! Nur wenige Minuten später taucht der Meister persönlich auf, grüßt scheu und erklärt freundlich in holprigem Englisch, was es mit diesem Projekt auf sich hat.
Er habe das »Faster Sons«-Konzeptbike im Auftrag von Yamaha gebaut, erklärt er stolz. Die MT-07 profitiere von modernster Technik, kollidiere aber dennoch nicht mit seiner typischen Design-Philosophie. Der Chef der Custom-Schmiede Chabott Engineering hat ein einteiliges Monocoque aus Benzintank, Seitendeckeln und Höckersitzbank sorgsam aus Aluminiumblech gedengelt und dazu eine passende Halbschalenverkleidung gefertigt. Die ebenfalls aus einer Aluminiumtafel getriebene Verkleidung verfügt über eine Kuppel aus Plexiglas, die den Scheinwerfer abdeckt und an klassische Kanzeln von Avon oder Rickman erinnert.

Faster Son – Shinya Kimura

Überhaupt meint der Betrachter, in der »Faster Son« irgendwie traditionelle Yamaha-Modelle wiederzuerkennen, obwohl das Design keine echten Retro-Zitate aufweist. Vielleicht liegt das an den Tankemblemen einer XS-1 oder an dem klassisch-abgesteppten Sitzbankpolster. Es sei nicht sein Ziel gewesen, das Yamaha-Design vergangener Tage zu kopieren, erklärt Shinya.

Er habe jedoch mit großem Respekt einzelne Gestaltungsmerkmale in seine eigene Kreation integriert. Und hin und wieder sei er natürlich von der Vergangenheit beeinflusst gewesen, er habe öfter mal die fließenden Linien der guten alten XS 650 vor Augen gehabt, verrät der Blechkünstler mit leiser Aussprache. Immer wieder ringt der in Kalifornien lebende Japaner nach den passenden Vokabeln. Schließlich hat er auch bei der Wortwahl einen hohen Perfektionsanspruch. Und immer wieder wirft ihm seine Frau, die stets in seiner Nähe steht, die passenden Halbsätze zu. Ein gutes Team, die Kimuras.

Faster Son – Shinya Kimura

Integration von Motor, Rahmen und Rädern
Kaum zu glauben, dass nicht nur der 75 PS leistende 700cc-Motor von der serienmäßigen MT-07 übernommen wurde, sondern auch der Brückenrahmen, die Federelemente oder das digitale Cockpit. Shinya hat im Wesentlichen die Bodyparts, den 2-in-1-Auspuff, die Beleuchtungseinrichtungen und die Sitzbank verändert und damit ein völlig neues Motorrad geschaffen. Klassisch schön, sportlich und eigenständig. Wichtig war ihm, so erklärt der Japaner, die hohe Funktionalität der Basis durch seinen Umbau nicht zu verschlechtern.

Fahrverhalten, Motorperformance und Alltagsnutzen seien bei der MT-07 so außerordentlich gut gelungen, dass dieser Fahrspaß nicht unter den Umbauten leiden sollte. Shinya drückt das mit seinen eigenen, umsichtig gewählten Worten aus: Mit diesem Projekt hat pure Funktion Gestalt angenommen.

Faster Son – Shinya Kimura

Die MT-07 von Chabott Engineering steht am Anfang einer Reihe von Konzeptbikes unter dem Logo »Faster Sons«. Diese werden auf aktuellen Yamaha-Modellen basieren, von moderner Technik profitieren und dennoch eine klassische Aura ausstrahlen. Doch ob die nachfolgenden Schöpfungen den Betrachter genauso vom Hocker hauen werden wie Shinyas Aluminium-Traum?

Am Gasgriff
Shinya hat Fahrwerk und Motor vom Serienbike übernommen. Daher unterscheiden sich Fahr- und Bremsverhalten, Beschleunigung und Kurvenhandling kaum von einer regulären MT-07. Und das ist gut so, schließlich ist die kompakte 700er ein exzellenter Wurf

»Ich baue Morräder, an denen ich selbst Spaß habe, die ich selbst fahren möchte

Interview mit Shinya Kimura
CUSTOMBIKE hat in Biarritz mit Shinya Kimura über das Faster-Son-Projekt geplaudert 

Shinya, üblicherweise gestaltest du vor allem klassische Motorräder zu Einzelstücken um, alte Harleys, Königswellen-Ducatis oder antike Triumph Twins. Wie kommt es, dass du dich nun mit aktuellen Motorrädern wie der Yamaha MT-07 befasst?

Der hochmoderne Motor der MT-07 ist weit entfernt von seinen klassischen Vorgängern mit ihren Kühlrippen. Es war eine Herausforderung, diesen Twin in die klassische Formgebung der Maschine zu integrieren, ohne dass er optisch stört. Die Yamaha-Philosophie verlangte nach einem Design, das Motor, Rahmen und Federelemente harmonisch integriert. Also war ich darauf bedacht, dass sich weder Form und Funktion noch meine eigene Design-Philosophie aneinander reiben.

Kommen jetzt also öfter mal aktuelle Motorräder auf deine Werkbank?

Warum nicht? Solange etwas zwei Räder hat, fasziniert es mich. Aktuell arbeite ich an einer MV Agusta. Nicht an einer alten 750er, sondern ein neues Modell.

Was gibt denn den Ausschlag dafür, welches Motorrad du als Basis verwendest?

Ich baue Motorräder, an denen ich selbst Spaß habe, die ich selbst fahren möchte. Ich fange dann einfach an zu arbeiten, und erschaffe Einzelstücke, die keinem Trend und keiner Mode hinterherfahren.

Und was fährst du privat?

Ich bin immer besonders gerne Yamahas gefahren, SR 400, SR 500, XT 500 oder DTs. Im Alltag fahre ich ausschließlich serienmäßige Motorräder, etwa auch eine alte Honda CB 750 und neuerdings eine Yamaha MT-07. Ein wundervoll wendiges Motorrad. Ich erweise damit den Herstellern von Serienbikes meinen tiefen Respekt.

Technik
Yamaha MT-07 | Bj. 2015

Motor
Zweizylinder-Viertakt, dohc-Vierventiler, 
689 ccm (Bohrung/Hub 80 x 68,6 mm)

Gemischaufbereitung: Elektronische Benzineinspritzung
Auspuff: Chabott Engineering-2-in-1
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 75 PS bei 9000 /min
Drehmoment: 68 Nm bei 6500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

Fahrwerk
Brückenrohrrahmen

Gabel: Yamaha-Tele
Räder: vorn 120/70-17, hinten 180/55-17
Bremsen: vorn Wave-Scheiben 282 mm, hinten Wave-Scheibe 245 mm

Zubehör
Tank/Sitzbank: Chabott Engineering-Monocoque, Aluminium
Verkleidung: Chabott Engineering, Aluminium
Schutzblech: Chabott Engineering, Aluminium
Scheinwerfer: 5-3/4-Zoll
Rücklicht: Zubehör
Blinker: Zubehör

Metrie
Leergewicht: 177 kg
Radstand: 1400 mm

Info
www.chabottengineering.com
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Stand:24 October 2018 02:35:05/motorrad/faster+son+-+shinya+kimura_18710.html