Die Crew

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Dirk Mangartz
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Die Crew
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Drei Freunde reiten ihre Harleys durch den westlichen Teil des Ruhrgebiets. Aufgebaut haben sie ihre Shovelhead, Sportster und Panhead mit vereinten Kräften
Fast hundert Jahre lang war das wirtschaftliche Leben von Duisburg-Rheinhausen geprägt durch Kohle und Stahl. Neben den beiden Zechen »Diergardt« und »Mevissen« sorgte vor allem das Krupp-Hüttenwerk für Aufschwung am linken Rheinufer.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg galt das Krupp-Werk als das größte Europas, in den Sechzigerjahren fanden bis zu 16.000 Menschen Arbeit rund um die Hochöfen. Als dann in den Siebzigern die Zechen dicht machten und trotz massivem Widerstand 1993 das Kruppsche Hüttenwerk die Tore schloss, begann für Rheinhausen der wirtschaftliche Abstieg.

Zweiundzwanzig Jahre später stehe ich mit den Rheinhausern Bernd, Ralf und Uwe am Rheinufer und suche nach einer geeigneten Fotolocation. Typisch soll sie sein, industriell, morbide, vielleicht ein wenig klischeebehaftet. Doch von der einstigen Schwerindustrie ist kaum noch was zu finden. Das Krupp-Werk wurde geschleift, beherbergt heute ein Logistikzentrum mit langweiligen, hellblauen Blechhallen. Und wo einst die Fördertürme standen, verkauft heute Aldi seine Hansa-Dosen und McDonalds seinen McFlurry. Kein Backstein, kein Ruhrpott-Kitsch. Nichts zu holen. Doch Bernd, Ralf und Uwe legen Wert auf Indus-trie-Kulisse: »Wir sind Ruhrpott.« Punkt.

Sie schwingen sich auf ihre Harleys und fahren zwei Kilometer auf die gegenüberliegende Rheinseite nach Duisburg-Hochfeld. In der ehemaligen Kupferhütte stehen sie noch, die Kranbahnen, hier erinnert noch alles an die Zeit, als der ganze Stadtteil in den rostroten Staub der Kupferproduktion gehüllt war. Genau hier werden wir die drei Bikes in Szene setzen.

Harley hoch Drei – Die Crew

Die drei US-Bike-Piloten kennen sich bereits viele Jahre. Oft gehen sie gemeinsam auf Tour oder fahren zu Harley-Treffen. »Aber wir hebeln uns nicht nur an den Wochenenden gemeinsam aus, sondern schrauben auch zusammen«, zeigt Bernd auf die drei Motorräder. Zwar gibt es keine gemeinsame Schrauberbude, jeder der drei besitzt eine eigene kleine Werkstatt, doch … »je nach Aufgabenstellung basteln wir mal hier, mal da.«

Harley-Davidson FXE 80
So hat Uwe beim Aufbau von Bernds Superglide kräftig mitgeholfen. Das zerlegte Bike stand vor dem Kauf in Kisten verstaut im Freien unter einem Vordach. »Der 1340er Shovelhead-Motor war fest und musste komplett gemacht werden«, erinnert sich Bernd mit Schaudern. In einer wochenlangen Garagenaktion machten sich die Rheinhausener daran, das Bike als gediegenen Bobber wieder auferstehen zu lassen. Sie bauten eine Auspuffanlage aus Edelstahl-Geländerrohr, besorgten eine originale Harley-Springergabel mit dazugehörigem Lenker und Duplextrommelbremse, sie schweißten Öltank, Schutzblech und Kennzeichenhalter zusammen und lackierten den Benzintank in einem historischen Farbdesign.

Harley hoch Drei – Die Crew

Technik
Harley-Davidson FXE | Bj. 1981

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1338 ccm (Bohrung/Hub 88,8 x 108 mm)

Vergaser: S&S Super E
Luftfilter: Trichter
Auspuff: VA-Eigenbau
Primärtrieb: BDL-Riemen
Getriebe: Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 65 PS bei 5800 /min
Drehmoment: 102 Nm bei 3800 /min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Schwinge: H-D-Rundschwinge
Gabel: H-D-Springer
Räder: vorne 3,00-21, hinten 5,00-16
Bremsen: vorne W&W-Duplextrommel, hinten Trommel

Zubehör
Lenker: Eigenbau-Flyerbar
Öltank: Eigenbau VA
Schutzblech: Eigenbau
Scheinwerfer: Zubehör
Blinker: Kellermann
Fußrasten: H-D-Trittbretter
Kennzeichenhalter: seitlich, Eigenbau
Sitz: Ledersattel von Ultima

Metrie 
Leergewicht: 260 kg
Radstand: 1570 mm

Harley-Davidson XLH 1000 Sportster
Ralf mag es etwas sportlicher. Bereits bei der Anfahrt vorbei an der noch aktiven Roheisengewinnung beschleunigt der Maschinenbaumeister seine zum Cafe Racer umgebaute 1978er Sportster ohne Gnade. Das Hinterrad wimmert beim Abbiegen in Richtung der ehemaligen Abbrandverarbeitung. Also hat Ralf seine Ironhead mit großer Sorgfalt und allerhand Goodies ausgestattet, die ein zügiges Vorwärtskommen ermöglichen. Dem 1000er-Motor spendierte er überarbeitete Zylinderköpfe, einen 40er Mikuni-Flachschiebervergaser, einen Ölkühler und eine selbstgebaute Hydraulikkupplung.
Versuche mit Andrews-Sportnocken verliefen übrigens ernüchternd: »Damit lief sie viel schlechter.« Für die weiteren Modifikationen bediente sich der Selbstschrauber bei diversen anderen Motorradtypen. Ralf zählt auf: »Die Räder kommen von einer Yamaha SR 500, die vordere Bremsanlage von einer Suzuki GS 550, der Ölkühler ist von einer Yamaha XJ 550, der Alutank von einer Norton Manx. Die Lenkerschalter waren an einer Zweitakt-Suzuki GT 500, der Scheinwerfer gehörte zu einer Horex Regina und das Zündschloss zu einer Jawa.« Endgültig zum Kunsthandwerk wird die Sportster durch die vielen handgefertigten Teile, etwa Bremsanker, Fenderstruts, Kettenrad mit Ruckdämpfer und den Öltank, der jetzt über Ölfilter und Schauglas verfügt. Selbst die Inbusschrauben hat Ralf konisch gedreht, »… und das Tankemblem mit Kinderkeramik ausgegossen«, feixt Bernd.

Harley hoch Drei – Die Crew

Technik
Harley-Davidson XLH 1000 | Bj. 1978

Motor
H-D XLH, Bj. 1976, V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
997 ccm (Bohrung/Hub 81 x 96,8 mm)

Zylinderköpfe: bearbeitet
Vergaser: Mikuni HS 40
Luftfilter: H-D
Kupplung: hydraulisch, Eigenbau
Ölkühler: Yamaha XJ 550
Auspuff: H-D XL, 1968
Getriebe: Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 60 PS bei 5800 /min
Drehmoment: 70 Nm bei 4400 /min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Eigenbau-Struts
Gabel: Suzuki GS 550-Tele
Räder: vorne SR-500-Alufelgen mit 110/90-18, hinten 120/90-18
Bremsen: vorne Scheiben Suzuki GS 550, hinten Trommel Yamaha SR 500

Zubehör
Tank: Norton Manx, Aluminium
Lenker: ABM, Aluminium
Öltank: Eigenbau
Schutzbleche: Aluminium
Scheinwerfer: Horex Regina
Rücklicht: Lucas
Instrumente: motogadget
Fußrasten: Tarrozzi/Eigenbau
Sitz: SR 500, modifiziert

Metrie 
Leergewicht: 210 kg
Radstand: 1520 mm

Harley-Davidson FL Panhead
Auch die 1948er Panhead von Uwe kam als ein Haufen Schrott nach Rheinhausen. Sie war vollständig zerlegt, unvollständig und der angeblich überholte 1200er-Motor mit falschen Teilen bestückt. Also machte sich der gelernte Schlosser an die Arbeit, aus dem Teilepuzzle ein Alltagsbike im Stil der klassischen Bobber aufzubauen. Zum Komplettaufbau zählte zwangsläufig die Revision von Motor und Getriebe, aber auch die Verbesserung einzelner Komponenten. Uwe verbaute eine Kupplungsmechnik via Mousetrapp, er demontierte den klappbaren Teil des hinteren Fenders, baute den Scheinwerfer einer Citroen Ente und einen Dell’Orto-Vergaser an. Nach vollendeter Arbeit freut er sich über einen zuverlässigen Oldtimer: »So eine frühe Panhead hat noch viele Details von der Knucklehead. Und fährt trotz ihres Alters und des Starrrahmens ganz ordentlich.« 
Wie im wahren Leben poltern die drei für die Fotos einträchtig nebeneinander durch die graue Industriekulisse. Im Hintergrund reißt ein Bagger einen Betonklotz in kleine Stücke. Grinsend ruft Bernd zu mit herüber: »Dat ist Heimat!«

Harley hoch Drei – Die Crew

Technik
Harley-Davidson FL | Bj. 1948

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1207 ccm (Bohrung/Hub 87,5 x 100,8 mm)

Vergaser: Dell‘Orto 38 mm
Luftfilter: H-D
Zündung: MG/Dyna
Auspuff: Fishtail
Primärtrieb: BDL-Riemen
Getriebe: Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 5800 /min
Drehmoment: 90 Nm bei 3800 /min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, starres Rahmenheck

Gabel: H-D-Springer
Räder: vorn und hinten 5,00 x 16
Bremsen: vorn und hinten Trommel

Zubehör
Tank: 3,5 Gallonen Evo
Lenker: Springer-Lenker
Öltank: Eigenbau VA
Schutzblech: hinten ohne Klappe
Scheinwerfer: Citroen 2CV
Rücklicht: Sparto
Fußrasten: H-D-Trittbretter
Sitz: Eigenbau-Sattel

Metrie
Leergewicht: 250 kg
Radstand: 1570 mm
 
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Stand:22 November 2018 12:34:21/motorrad/die+crew_18705.html