Yamaha XVS 1100 – Mehr Schwarz

Text: Katharina Weber   |   Bilder: Joe Gahleitner
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Yamaha XVS 1100 – Mehr Schwarz
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Ja, auch ein japanisches Motorrad kann einem ans Herz wachsen. Joe und seine Yamaha XVS haben fast zwanzig gemeinsame Jahre auf dem Buckel – dabei ist sie nicht mal das einzige Pferd im Stall
Drei Bikes nennt Joe sein Eigen, dreimal völlig verschieden, aber alle tiefschwarz. »Die einzige Farbe, die da in Frage kommt«, grinst der Österreicher. Seit dreißig Jahren fummelt er schon an allen möglichen Motorrädern rum, 2017 krönt er seine Leidenschaft mit einem echten Komplettaufbau. Aus gebrauchten Teilen baut er sich einen Highnecker mit Harley-Evo-Motor, ganz im Westcoast-Chopper-Style. Ein Jahr vorher hatte er schon eine BMW zum Scrambler umgedengelt, »die taugt gut, um mit meinem Honda-Transalp-Kumpel auch etwas abgefuckte Wege zu erkunden.« Und dann ist da noch die Yamaha XVS, brandneu gekauft 1999 für 9.000 Euro – und für noch mal so viel Kohle radikal zum Dragstyler umgestylt. Allein, bequem war die Karre nie. Tiefe Sitzposition, breiter Lenker, kein schönes Hineinlümmeln ins Bike, sondern harte Arbeit. Und so sind Harley und BMW am Zug, die Yamaha wird nur noch zum Putzen rausgeholt, Joe spielt mit dem Gedanken, sie zu verkaufen. Aber, es kommt anders – und Joes Tochter ist daran nicht ganz unschuldig.

Angeschafft wurde die Yamaha bereits 1999 und direkt zum Dragstyler umgebaut. Bequem war das nicht – erst knapp zwanzig Jahre später sollte sich das ändern

Es ist ein ewiges Gequengel, mit dem die Jüngste ihren Vater nervt, sie will unbedingt einen Netflix-Anschluss. Irgendwann gibt Joe nach – und hängt prompt selbst vorm Bildschirm. Die amerikanische Fernsehserie »Sons of Anarchy« ist der Grund, und vor allem die Bikes darin. »Die fand ich eigentlich zum Kotzen«, sagt Joe, »diese Dynas mit steilen Gabeln, ewig langen Risern, Dragbars, fragwürdigen Lampenmasken und der hohen Sitzposition – wie Pferde auf dem Kinderkarussell.« Und doch, irgendwas fasziniert, Würgereiz und Coolness-Faktor halten sich bei Joe die Waage. »Das muss doch irgendwie besser gehen.« Und so wird der Gedanke an einen Bagger ebenso verworfen, wie der, die Yamaha zu verkaufen. Die Eckdaten sind schnell festgelegt: Um die gewünschte Lümmelhaltung zu ermöglichen, soll ein Mini-Apehanger her, dazu ein Solositz, Lampenmaske und mitschwingender Heckfender. »Fand ich früher richtig scheiße, genauso wie Apehanger übrigens auch, aber Geschmack ändert sich wohl mit der Zeit«, erklärt Joe.

Zunächst zerlegt er die komplette Gabel, baut Lenker, Armaturen, Halterungen, Abdeckungen und mehr ab und frönt seiner Leidenschaft für schwarze Farbe. Am Ende werden fast vierzig Teile schwarz gepulvert und über zehn schwarz lackiert. Auch die Anpassungen von Halterungen für die Harleymaske, den Scheinwerfer, den No-Name-Sitz, den Kennzeichenhalter und anderes verschlingt einiges an Zeit. Zum Glück ist Kumpel Friedl zur Stelle, er hat schon für Joes frühere Bikes diverse Laserzuschnitte angefertigt. Die gesamte Elektrik kommt raus und wird neu in den Mini-Ape verlegt. Um die Front zusätzlich von unnötigem Zierrat zu befreien und zwei im Fahrtwind baumelnde Züge einzusparen, wird der Gas-Rückholzug weggelassen und der Choke von der linken Lenkerarmatur zum Luftfilter nach unten verlegt. Wieder sind ein paar Tage weg. »Man glaubt kaum, wie viel Zeit man für Kleinigkeiten investieren kann«, Joes anvisierte Bauzeit von einem Monat ist da längst überschritten. »Scheinwerfer nicht zu hoch, nicht zu tief, nicht zu weit hinten oder vorn, jede mögliche Montageposition von hinten gucken, von vorn gucken, von schräg gucken, von unten gucken. Die bessere Hälfte fragen, was sie davon hält und den Hund beobachten, wie der guckt«, Joe muss selbst lachen.

Yamaha XVS 1100 – Mehr Schwarz

Ebenfalls einiges an Zeit fließt in den Heckumbau. Die alten Struts werden abgeflext und neue, kleine direkt auf der Schwinge angeschweißt. Damit der Fender sich perfekt ans Rad anschmiegt ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Daraus resultierende notwendige Teillackierungen an der Schwinge und Rahmen erledigt Joe in einem semiprofessionellen Selbstversuch. Den Fender selbst fertigt er aus einem CCE-Rohling. Unterhalb des Sitzes befindet sich eine Unmenge an Technik wie Kraftstofffilter, Zündbox, Kabelbäume und dergleichen, die ordentlich abgedeckt werden muss. Zu diesem Zweck schafft Joe eine Kydex-Platte an. Dieser thermoplastische Kunststoff wird auch zum Bau von Messerscheiden und Waffenholstern verwendet und ist extrem kratzfest. Die Platte wird in Form geschnitten und mit einem Heißluftföhn eingepasst.

Tatsächlich kommt Joe am Ende seinem Ziel verdammt nahe. »Ich wollte das Bike so aufbauen, dass man nicht sofort sieht, was serienmäßig ist und was alles umgebaut wurde. Keines der Teile sollte sich besonders hervorheben, sondern einfach nur harmonisch und clean wirken, als ob es schon immer so gewesen ist.« Am Ende ist er mit seinem Ergebnis zufrieden – und die Yamaha hat ihr Dasein als reines Putzobjekt endgültig hinter sich.

Technische Daten
Yamaha XVS 1100
Bj. 1999
Erbauer: Joe Gahleitner

Motor
Zweizylinder-Viertaktmotor, sohc-Vierventiler, 1063 ccm (Bohrung/Hub 95 x 75 mm)

Vergaser: Mikuni BSR 37/2
Luftfilter: Küryakyn Hypercharger
Auspuff: Falcon Double Groove
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: 62 PS bei 5750 /min
Drehmoment: 85 Nm bei 2500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h

Fahrwerk
Gabel: Tele m. progressiven Federn
Gabelbrücke: JoS
Federung: Zentralfederbein
Räder: Alu-Guss mit vo. 3 x 16, hi. 4,5 x 15
Reifen: vo. Metzeler 130/90-16, hi. Avon AV72 Cobra 200/70-15
Bremsen: vo. Doppelscheibe, hi. Scheibe

Zubehör
Tank: Yamaha
Sitzbank: Zubehör
Lenker: V-Team Mini-Ape
Griffe: Vintage
Lampenmaske: Harley-Davidson
Scheinwerfer: LED
Rücklicht: LED universal
Blinker: motogadget m-blaze
Fender: Eigenbau
Fußrasten: Falcon

Metrie
Leergewicht: 250 kg
Radstand: 1640 mm
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Stand:21 October 2018 03:56:14/bikes/yamaha+xvs+1100+-+mehr+schwarz_18914.html