Yamaha XV 950 von Bike Project

Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim
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Yamaha XV 950 von Bike Project
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Die XV950 ist von Haus aus ein nettes Motorrad, das gewisse Ähnlichkeiten mit den Modellen einer sogenannten Kultmarke hat. Doch welches Potenzial tatsächlich in ihr steckt, zeigt sich erst, wenn ein Spezialist wie Udo Kohse Hand anlegt
Was war das für ein Geschrei, als Yamaha vor ein paar Jahren mit der XV950, die in den Staaten schlicht »Bolt« heißt, auf den Markt kam. Die Hater schrieben sie sofort als billige Sportster-Kopie ab, womit sie ja auch nicht ganz Unrecht hatten. Doch wer auch immer einen Chopper, Bobber oder Cruiser auf den Markt bringt, kann das Rad nicht neu erfinden. Ähnlichkeiten ergeben sich manchmal auch zwangsläufig aus den Vorgaben. Wie sonst sollten Bikes aus der genannten Kategorie aussehen?

Aber wer die Yamaha deshalb aburteilt und schlecht macht, tut ihr unrecht, denn auch die XV950 besitzt richtig gutes Umbaupotenzial, wie Yamaha mit seinen »Yard Builts«, die allesamt von Customizern oder Vertragshändlern auf die Räder gestellt werden, beweist.

»Den Tank habe ich auseinandergeschnitten, verschmälert und einen neuen Tunnel sowie Sicken für die Knie geformt« so Udo zufrieden

So auch bei diesem Umbau. Zwar ist es kein offizielles Yard-Built-Bike, doch das tut der Sache keinen Abbruch. Immerhin hat sich kein Geringerer als Udo Kohse mit seiner Firma Bike Project der XV angenommen. Allerdings erst nach Auftrag durch das Motorradhaus Stocksiefen, einem Yamaha-Vertragshändler, der ebenso wie Udo im hessischen Nauheim residiert.

Der Yamaha-Händler hatte bei den Yard-Built-Verantwortlichen vorgesprochen und von Udo Kohses Kreationen erzählt, und so wollte man einfach mal sehen, was geht. Auch ohne offizielle Yard-Built-Teilnahme. Damit stand der Kooperation zwischen dem Motorradhaus Stocksiefen und Udo Kohses Bike Project nichts mehr im Wege. Dabei baut Udo vorzugsweise Harleys radikal um oder entwirft Bikes nach seinen ganz eigenen Vorstellungen. Mit japanischen Modellen hatte er bis dato nicht sonderlich viel zu tun.

Der mattbraune Lack verändert, je nach Lichteinfall, sein Aussehen und steht der Yamaha verdammt gut zu Gesicht

Der Yamaha rückt er als Erstes mit der Flex zu Leibe, trennt den kurzen Heckrahmen ab und montiert einen selbstentworfenen Heckfender, mitschwingend natürlich. Klar, dass die obligatorische Sitzpfanne dann nicht fehlen darf. Auch den rechten Seitendeckel gestaltet er neu, aus Blech, nicht aus Plastik.

Dann folgt der Tank, von dem nur noch die Oberschale übrig bleibt, und die auch schmäler als das Original. Ein neuer Tunnel wird gefertigt und Sicken für die Knie eingeschweißt. Für die passende Chopper-Optik sorgt ein Lenker von V-Team, der mit speziellen Schaltern und Tastern bestückt wird. Auch um den Scheinwerfer kümmert sich Udo und integriert einen Motogadget-Tacho sowie die Kontrollleuchten. Der Starterknopf für den Motor wandert links unter den Tank, unscheinbar und fast nicht zu sehen. Nur die Elektrik überlässt er den Stocksiefen-Männern, die die Kabel neu verlegen und dafür sorgen, dass alles so funktioniert, wie es funktionieren soll.

Yamaha hat der XV von Haus aus ein ordentliches Fahrwerk mitgegeben, an dem Udo keine Änderungen vornehmen musste. Selbst die Fußrasten setzen nicht zu früh auf. Die Knie passen fast exakt in die Aussparungen am Tank

Das Fahrwerk belässt Udo im Serienzustand. Lediglich die Reifen werden gegen Shinkos in Oldschool-Optik und mit etwas größeren Dimensionen getauscht. Der Auspuff ist ebenfalls eine Eigenkreation. Ein Standard Slip-on mit DB-Killer und einem angepassten Übergang an die Serienkrümmer. Beim Lack dagegen wird’s knifflig. Udo hat genaue Vorstellungen von der Farbe, dennoch braucht es mehrere Versuche, bis der Farbton getroffen und Zufriedenheit garantiert ist.

Als ich die VX950 das erste Mal sehe, bin ehrlich gesagt fasziniert. Diese Linie, diese schlanke Silhouette, einfach nur schön. Ich schleiche um das Motorrad, sauge die Details auf und kann es nicht fassen, dass das eine Yamaha sein soll. Noch dazu sieht das Moped auf der Nicht-Auspuffseite sogar besser aus, und das kann ich nicht von vielen Bikes sagen.

Den voluminösen Serienluftfilter hat Udo durch einen offenen K&N-Filter ersetzt. Das sieht einfach besser aus.

Udo muss meine Fragen beantworten, bis ihm der Kopf raucht, dann fordere ich den Schlüssel ein, will wissen, wie sich sein Masterpiece fährt. Tief sitzen, hoch greifen, so muss das. Lediglich die Shinko-Pneus erzeugen bei mir eine leichte Abneigung. Das Profil und die Bauart sind weit entfernt von modernen Gummis. Doch Udo zerstreut meine Bedenken. »Die fahren sich schon noch rund. Mach dir keine Gedanken wegen der Profilkanten, das geht besser als du denkst.« Nach dem Start bollert der V2 tiefgrummelnd vor sich hin.

Der erste Gang flutscht sauber rein, ein Zug am Kabel – und weg. Über das Triebwerk gibt es nix zu meckern. Die 52 Pferde sind völlig ausreichend, zumal der Motor respektable 80 Newtonmeter an die Kurbelwelle stemmt. Und auch die Reifen belehren mich eines Besseren. Sicher, Hightech ist anders, aber sie funktionieren in den Kurven ordentlich und geben mir nicht das Gefühl gleich abzuschmieren. Überhaupt macht die Karre ab dem ersten Meter unglaublichen Spaß. Draufsitzen und sofort wohlfühlen, anders kann man es nicht beschreiben.

Yamaha XV 950 von Bike Project

Auch die Fußrasten setzen nicht sofort auf, wenn die Yamaha mal ein wenig in Schräglage muss. Es ist einfach ein Genuss mit diesem Teil dahin zu pötteln, und es stellt sich wieder die ewig gleiche Frage, wie viel Motorrad man eigentlich braucht, um glücklich zu werden? Nicht viel. Aber es muss gut funktionieren, dann ist die Welt in Ordnung.

Die Runde ist kurz, wird mir aber im Gedächtnis bleiben. Und zum Schluss gibt’s auch noch eine gute Nachricht. Die Yamaha steht zum Verkauf und kann bei  Stocksiefen besichtigt und wohl auch gefahren werden. Einziges Problem dürfte der Preis werden. So ein Umbau mit vielen Individual-Parts kostet. Udo veranschlagt knapp über 13.000 Euro für Parts, Beschichtung, Lackierung und natürlich die Arbeitszeit. Dazu kommt der Fahrzeugpreis. Sicher kein Schnäppchen, aber jeden Euro wert. 
 

Technische Daten

Yamaha XV 950 ABS, Baujahr 2016
Erbauer: Udo Kohse/Bike Project

Motor
Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, dohc-Vierventiler,942 ccm, (Bohrung/Hub 85,0 x 83,0 mm)

Auspuff: Bike Project Turn out mit DB-Killer
Luftfilter: K&N 
Sekundärantrieb: Riemen
Getriebe: Fünfgang
Leistung: 52,1 PS bei 5500 /min
Drehmoment: 79,5 Nm bei 3000 /min
Höchstgeschwindigkeit    keine Angaben

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Gabel: 41-mm-Telegabel
Schwinge: Zweiarmschwinge modifiziert
Räder: vorn 4.00 x 19 Zoll, hinten 5.00 x 16 Zoll
Reifen: vorn 4.00 x 19, hinten 5.00 x 16
Bremsen: vorn u. hinten Scheibe

Zubehör
Tank: Bike Project
Lenker: V-Team
Lampe: Bike Project
Elektrik: Motorradhaus Stocksiefen
Rücklicht: Bike Project
Instrumente: motogadget
Armaturen: KustomTech/Bike Project
Kennzeichenhalter: Bike Project
Sitz: Bike Project
Lack: Bike Project

Metrie
Leergewicht: 251 kg
Radstand: 1570 mm

Info
www.bike-project.com
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Stand:17 December 2018 20:15:00/bikes/yamaha+xv950_165.html