Yamaha XS 650 – Green as grass

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Floris Velthuis
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Yamaha XS 650 – Green as grass
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Zwischen Kühe melken und Mais ernten bleibt manchmal noch Zeit, sich einen Chopper zu bauen – die Yamaha XS 650 vom Bauernhof
In der Motorradszene ist Bram ein Neuling, ein Grünschnabel, ein »Green as Grass« also. Klar, wer 23 Jahre alt ist, kennt die alten Zeiten nur aus dem Fernsehen. Bei Bram war es ein Film, der den Stein ins Rollen bracht. Nein, es war DER Film, »Easy Riders«, Bram hat ihn gesehen, als er 14 Jahre alt war.

»Besonders den Teil mit den Drogen fand ich so gut, dass ich ihn mir immer wieder angeschaut habe«, sagt Bram, »irgendwann fand ich dann auch die Motorräder klasse.« Als erstes Bike legt sich Bram vor ein paar Jahren eine Honda Rebel zu, gerade recht für den Weg vom Bauernhof zur Schule und zurück. Ihr habt richtig gelesen, der Junge ist Landwirt.

So muss ein echter Chopper aussehen: Ein Rahmen, zwei Räder, ein Motor, Flammen auf dem Tank, sonst wenig Schnickschnack

Als wir auf dem Hof ankommen, um Brams’ Bike zu shooten, ist er gerade mit der Arbeit fertig. Der Chopper glänzt in der Sonne. Als Bram uns sieht, springt er direkt vom Traktor rauf aufs Bike, um anschließend vor uns wie ein Bekloppter durchs Feld zu heizen, nur mühsam hält er den Starrrahmen in der Spur. »Just fast! Das ist mein Ding beim Mopedfahren.« Der Kerl ist noch jung, wir verstehen ihn.

Der spätere genaue Blick aufs Bike verrät uns, wie viel es gefahren wird. Kein Schnickschnack finden wir daran, vieles ist abgenutzt, rotzig, aber – und das ist entscheidend – verdammt authentisch. Den Rahmen hat Bram von Hand mit Hammerit lackiert, zusammen mit Staub und Schlamm hat die unsaubere Lackierung sich zu einer Masse zusammengerauft, die wir wohlwollend als Patina bezeichnen können.

Und unter der versteckt sich immerhin ein recht seltenes Schmuckstück. Der starre Rahmen, den Bram zusätzlich schmälerte, stammt von »Uncle Bunt’s«. In den 80er Jahren wurde diese Rahmen, ähnlich wie in den USA die von »Jammer« oder »Amen«, vor allem in England sehr gerne und völlig legal verbaut. Auch in Deutschland, doch das war schon damals schwieriger, leider. Jungspund Bram geht mit den Relikten der alten Zeit sowieso nicht ganz so pfleglich um, wie manch anderer.



Sein Uncle Bunt trägt sichtbare, dicke Schweißnähte. »Ich schweiße mit einem sehr alten Gerät«, erklärt er fast entschuldigend, »mit dem arbeite ich auch an den Traktoren.« Über den Kauf des Rahmens für den gut erhaltenen XS-Motor, den Bram aus einem ollen Motorradwrack befreit hatte, kam er mit den Garage Maniacs – einer holländischen Schraubergemeinschaft – in Kontakt. »Von ihnen habe ich viel gelernt, und aus Filmen wie Wild Angels oder anderen Exploitation-Movies«, erzählt er. 

Als der Rahmen fertig ist, macht sich Bram auf die Suche nach weiteren Teilen. Er findet einiges rund um den Bauernhof, denn viel Geld hat der junge Kerl nicht. So fertigt er die Sitzplatte aus der Kettenabdeckung einer Landmaschine, der Fake-Öltank besteht aus einem alten Lagertank vom Hof, die Polsterarbeit macht ein lokaler Betrieb für ganz kleines Geld. Den Lenker biegt Bram selbst, es ist schon der zweite. Der erste Lenker war gebrochen – das ist gefährlich, der Junge lacht nur. Auch die Sissybar bricht, allerdings beim Bauen, nicht im Betrieb. Bram baut eine neue, die hält, vorerst. Den Sportster-Tank tunnelt der Kerl flach, den Auspuff wirbelt er einmal ums untere Rahmenrohr, die Flammenlackierung macht ein Freund – Bauernmalerei und irgendwie doch passend. Brams’ Bike ist am Ende übermütig wie er selbst. 



Irgendwann wird er ein neues Projekt starten, er wird mit den Jahren besser werden und vielleicht ein bisschen sauberer beim Bauen und vorsichtiger beim Fahren. Aber bis dahin sei dem Typ sein derzeitiger Stand gestattet, wir hätten es in dem Alter nicht anders gemacht.

Am Gasgriff
Die Yamaha verzeiht recht klaglos, dass sie vom Jungspund ordentlich getreten wird. Geheizt wird über den Acker und rund um 
den Bauernhof, lange Strecken oder Autobahnen kennt der Chopper nicht – und das ist wohl auch besser so

Was ist Uncle Bunt?
John Reed, geboren 1944 in London, ist ein extrem talentierter Designer und Motorradbauer. Vieles über Fahrwerksgeometrie und Rahmenbau hatte er von seinem Freund Fritz Egli, dem berühmten Schweizer, gelernt. Ab den 80er Jahren interessierte sich Reed mehr und mehr für Custombikes und versuchte unermüdlich einer damaligen Presse zu erklären, dass umgebaute Motorräder nicht gefährlich sind. Parallel betrieb er seinen »Uncle Bunt‘s Chop Shop« mit drei Vertretungen in England, dort wurden auch die Uncle-Bunt-Rahmen gefertigt. Custom Chrome wurde auf Reed aufmerksam und brachte ihn schließlich in die USA, wo Reed für den Aftermarkethändler arbeitete. Durch Kooperationen mit diversen Motorradherstellern schaffte es Reed maßgeblich, Custom Chrome zu einem führenden Parts-Anbieter zu machen. John Reed wurde 2001 in die AMA Motorcycle Hall of Fame aufgenommen

Uncle Bunt
 

Technik
Yamaha XS 650 | Bj. 1976
Erbauer: Bram

Motor
Zweizylinder-Viertakt, ohc-Zweiventiler, 
653 ccm (Bohrung/Hub 75 x 74 mm)

Zündung: elektronisch
Luftfilter: offen
Vergaser: Mikuni
Auspuff: Eigenbau-Dragpipe
Getriebe: Fünfgang, Kickstarter
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 6800 /min
Drehmoment: 54 Nm bei 6000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Fahrwerk
Uncle Bunt-Einschleifen-Starrrahmen, 
vier Zentimeter geschmälert

Gabel: Offroad
Räder: vorn 21“, hinten Honda
Reifen: vorn Avon Speedmaster, hinten Avon MK2
Bremsen: vorn und hinten Trommel

Zubehör
Tank: H-D Sportster getunnelt
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Eigenbau
Lampe: 70s
Fender: Egenbau
Sissybar: Eigenbau
Batteriebox: Eigenbau
Flame Job: Jeroen Scholtz

Metrie
Leergewicht: 170 kg
Radstand: 1600 mm
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Stand:16 July 2018 03:14:45/bikes/yamaha+xs+650+-+green+as+grass_18419.html