Yamaha XJ 900 - Berufsbedingt

08.02.2018  |  Text: Lothar Steinmetz  |   Bilder: Lothar Steinmetz
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Yamaha XJ 900 - Berufsbedingt
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Ein Klempner hat wahrscheinlich goldene Wasserhähne, genauso wie ein Airbrusher nicht um eine edle Lackierung herumkommt. Diese XJ 900 ist der Beweis dafür
Drei Mopeds hatte Gerd bereits in der Garage, eine 38 Jahre alte Goldwing, eine Zephyr und eine Bandit. Als berufsmäßiger Airbrusher natürlich alle mit dem Luftpinsel gepimpt. Doch es blieb der Wunsch, einmal ein Motorrad komplett umzubauen. Da Honda, Kawasaki und Suzuki schon mit ihrer Anwesenheit glänzten, musste es diesmal eine Yamaha sein. Die sollte leistungsmäßig mit den anderen mithalten können, die Wahl fiel auf eine XJ900. Außer mit Bumms punktet die auch durch kompakte Bauweise und standhaften Kardan.



Das Ziel von Gerds Umbau war ein Cafe Racer, »die sind schön filigran, weil sie den ganzen unnötigen Ballast abwerfen, außerdem gefällt mir die kleine kompakte Bauweise«, erklärt der Lackierer. Eine klare Aussage, die auch direkt erklärt, warum alles hinter dem Motor rausfliegen musste. Plastikluftfilter passen da nun gar nicht mehr hin, alles sieht schön spartanisch aus, pure Technik eben.

Gerade mal ein Lochblech bietet einen minimalistischen Sichtschutz und führt in einem daran geschweißten Kabelkanal die elektronische Anbindung unter den Sitz. Dort sind nämlich neuerdings die einzelnen E-Bausteine beheimatet. Um sie unsichtbar unterzubringen, musste der Sitz drei Zentimeter seiner Polsterung opfern, er sieht also viel bequemer aus, als er ist. Anstelle einer normalen großen Batterie liegt ein Lithium-Ionen-Exemplar hinten im Höcker. Für dessen Herstellung fertigte Gerd zunächst eine Ur-Form aus Formstyropor. Ein Kollege baute daraus eine Außenform, in die Glasfasermatten einlaminiert wurden. Die besondere Haltbarkeit garantiert Flugzeugbau-GFK.



Der Tank ist ein Spenderorgan von Suzies GS550. Um ihn zu montieren, musste der Tunnel wegen derZündspulen etwas größer gedengelt und die Aufnahmen am Rahmen gekürzt werden.
Einen großen optischen Anteil am gesamten Umbau hat außerdem natürlich die Lackierung. Bei einem Cafe Racer liegt es  nahe, das Ace Cafe als Grundsatzmotto zu nehmen, da es in direktem Zusammenhang steht. Daraus entstanden dann auch einige Wortspielereien. So zum Beispiel der Name des Bikes »The Ace«, dessen Bedeutung für die nicht Englisch sprechende Bevölkerung durch die vier Asse symbolisiert wird.

Ursprünglich wollte Gerd die XJ »The Acer« nennen. Ein Acer ist aber ein Laubbaum aus den mediterranen Gefilden dieser Welt. Das Einzige, was dieser Baum mit dem Moped gemeinsam hat, ist die Farbe der Blätter in dem hellgrünen Zierstreifen. Der Slogan »Cafe to go« darunter ist nicht ganz so eng zu sehen, die erste Idee war sogar, »Cafe to run« zu schreiben. Bei dem Grün der Lackierung handelt es sich um British Racing Green von Triumph, das auf silbernen Grund lackiert wurde. Silber als günstige Alternative zu den sonst üblichen polierten Alutanks. Die Checkered-Flags untermauern den theoretisch möglichen Renneinsatz.



Bei den Felgen setzt sich das Motto verstärkt fort. In dem geschwärzten Felgenkranz findet sich der Schriftzug des Ace Cafe London mit dem dazugehörigen Logo wieder. Die Felgenrandaufkleber plottete Gerd in der entsprechenden Rundung aus. Streifen von der Rolle werden logischerweise außen gedehnt und innen gestaucht, das kann nicht optimal sein. Auch die polierten Kanten der Felgen missfielen ihm und er hüllte sie in Silber, das ist länger haltbar als ein Klarlack auf purem Metall.

Natürlich musste es auch den passenden Helm zum Bike geben, das ist schon fast Berufsehre. Auf ihm steht genauso wie auf dem Heck »Number 4«. Die Bedeutung ist einfach, es ist das vierte angemeldete Motorrad in Gerds Garage. Und da der sich ganz schlecht von etwas trennen kann, besteht auch kaum die Gefahr, dass dieses Airbrush irgendwann geändert werden müsste.

Am Gasgriff
Schade, dass das Ace Cafe diese Yamaha nie sehen wird. Nach 120 Kilometer fällt man nämlich runter, weil der Sitz so komfortabel wie ein Dachbalken ist. Fahrtechnisch ist sie aber dank den knapp 215 Kilo Leergewicht sehr handlich, hat erstaunlich gute Serienbremsen und der Motor gilt bei guter Pflege als unkaputtbar

Technik
Yamaha XJ 900 | Bj. 1990
Erbauer: Gerd de Kock

Motor
Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor,
891 ccm (Bohrung/Hub 60,0 x 68,5 mm)

Vergaser: original, neu bedüst
Luftfilter: Moxi
Auspuff: Tapered 2“ mit Eigenbau-dB-Eatern
Sekundärtrieb: Kardan
Getriebe: Fünfgang
Leistung: 98 PS bei 9000 /min
Drehmoment: 81 Nm bei 7000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, modifiziertes Heck

Stoßdämpfer: Koni
Reifen: vorn 100/90-18, hinten 120/90-18
Bremsen: vorn Doppelscheibe, hinten Scheibe

Zubehör
Tank: Suzuki GS 550
Sitzbank: FAD Design
Lenker: Fehling Dragbar 700 mm
Lenkerhalter: LSL-Superbike-Umbausatz
Höcker: Eigenbau
Lampe: Zubehör
Rücklicht: LED Mini
Blinker: Fonzie
Paintjob: Gerd de Kock

Metrie
Leergewicht: 215 kg
Radstand: 1480 mm

Info
www.gerddekock.de
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