Walzwerk Motorcycles Indian – Das Indian-Projekt

Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim
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Walzwerk Motorcycles Indian – Das Indian-Projekt
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Der eine baut Motorräder, der andere veredelt vorzugsweise amerikanische Muscle-Cars. Und beide sind Spezialisten auf ihrem Gebiet. Was liegt da näher, als die Kräfte zu bündeln und endlich mal was zusammen zu machen?
»Der Karl und ich kennen uns eigentlich schon sehr lange, aus einer Zeit, als ich noch selbst auf Ami-Cars stand und mit Corvette und Camaro unterwegs war. Seitdem laufen wir uns immer wieder auf Veranstaltungen über den Weg und haben immer lose Kontakt gehalten«, erklärt Marcus die Verbindung zum »Boss of Big Blocks« wie ihn ein selbsternannter Männersender nennt. Es ist die Leidenschaft für alles, was Räder und einen Motor hat, die die beiden verbindet. Was für ein glücklicher Umstand, dass Karl Geiger seit Januar 2018 nun auch offizieller Indian-Händler in München ist. Die Gelegenheit ist günstig und so nimmt Karl im Frühjahr Kontakt zu Marcus auf.

»Er hat mich irgendwann einmal gefragt, ob wir nicht zusammen ein Projekt machen wollen. Er baut ein Auto, ich ein Motorrad und dann präsentieren wir beides zusammen«, so Marcus über den Beginn des Projekts. Eigentlich nichts Neues für den  gestandenen Customizer. Hardcore-Fans werden sich bestimmt noch an den Namen »TuNero« erinnern. In Zusammenarbeit mit der Firma Novitec entstanden ein schwarz-böses Dragstyle-Bike und ein ebenso gestylter Ferrari F 430. Ein Projekt, an das sich Marcus heute noch gerne erinnert.

»Back to the roots« oder etwa »Hardcore reloaded«? Die Indian Scout von Marcus Walz erinnert ein wenig an den Dragstyle

»Um die Einzelheiten zu besprechen, haben wir uns getroffen und beschlossen, dass er einen Camaro LT 1 umbaut und ich eine Indian Scout Bobber.« In der Gestaltung wollen beide frei bleiben. Die Deadline für die Präsentation ist die Custombike-Show in Bad Salzuflen, die am ersten Dezemberwochenende stattfindet und bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits Vergangenheit ist. Zeit genug, könnte man meinen, doch die wenigen Monate können schneller verrinnen, als einem lieb ist. Deshalb verliert Marcus auch keine Zeit und kontaktiert Designer Nuno Capelo, um ein paar Entwürfe zu gestalten. Die Vorgabe: sportlich mit Dragstyle-Anleihen, tiefer Sitzposition und natürlich mit Stummellenker. »Sein Designvorschlag war so gut, dass wir ihn eins zu eins übernommen haben. Bis auf die Lampenmaske, die aus zeitlichen Gründen nicht mehr realisierbar war. Deshalb haben wir die originale drangelassen und leicht modifiziert.« Verschmerzbar, denn weitaus schwieriger gestaltet sich die Suche nach entsprechenden Anbauteilen, erinnert sich Marcus: »Es ist ein kleines Drama, denn auf dem Aftermarket sind kaum Teile für die Indian-Scout-Modelle verfügbar. Die wenigen, die es gibt, sind nur mit langen Wartezeiten lieferbar.« Was nichts anderes bedeutet, als das Netzwerk zu aktivieren und auf Einzelanfertigungen zu setzen. »Wenigstens bei den Rädern gab’s was. Doch die Einzigen, die einen Satz in der von mir bevorzugten, sportlichen 17-Zoll-Größe hatten, waren Custom Chrome.« Auch beim Fahrwerk setzt Marcus auf Sportlichkeit, installiert speziell angefertigte Stereo-Stoßdämpfer von Black-T am Heck und kürzt an der Gabel die Standrohre um fünf Zentimeter, bevor neue Federelemente installiert werden. Durch die Tieferlegung wirkt das Bike nun optisch flacher und länger. Vor allem aber bringen die neuen Stoßdämpfer den Heckfender so nah ans Hinterrad wie möglich. Ganze fünfzehn Millimeter Federweg sind der einzige Komfort, wie Marcus grinsend zugibt.

Die Black-T-Stoßdämpfer sind eine Sonderanfertigung mit gerade mal fünfzehn Millimetern Federweg. Komfort? Braucht kein Mensch

Beim Bodywork kommt ausschließlich Metall zum Einsatz. Heckfender, Sitzbank, Frontfender, Tank – alles Einzelanfertigungen. Selbst die Stummellenker sind nicht von der Stange. »Zum Glück hat uns ABM welche anfertigen können.  Kopfzerbrechen hat uns auch die Fußbremse bereitet.« Da die Scout Bobber über eine vorverlegte Fußrastenanlage verfügt, Marcus aber eine mittig platzierte installieren will, muss die Fußbremspumpe weichen. Doch wohin damit, bei dem ganzen Platzmangel? »Da haben wir uns echt lange den Kopf zerbrochen. Letztlich haben wir einen speziellen Adapter angefertigt und konnten so den originalen Bremszylinder beibehalten und  wie vorgesehen Midshifts montieren.«

Um das Bike clean zu halten, sind Änderungen an der Elektrik unumgänglich. »Aber da haben wir wieder das CAN-Bus-Thema. So einfach geht das nicht. Doch letzten Endes haben wir alles in Verbindung mit Motogadget-Komponenten hinbekommen.«

Ein heißes Thema bei jedem Umbau bleibt wie immer der Auspuff. Die dicke Serienanlage ist keine Option. Da Marcus schon lange eine Partnerschaft mit den italienischen Auspuffspezialisten von SC-Project pflegt, fährt er extra nach Mailand, um seinen Entwurf umsetzen zu lassen. »Das war für mich als Rennfahrer und Motorsport-Fan schon etwas Besonderes. Schließlich baut SC-Project Auspuffanlagen für die MotoGP und Moto2. Das sind absolute Profis. Die haben meinen Entwurf in rund drei Tagen komplett aus Titan umgesetzt. Die ganze Anlage inklusive einem Superbike-WM-Endschalldämpfer wiegt gerade einmal 1,8 Kilogramm.« Gegenüber dem zwanzig Kilogramm schweren Serienmonster ein echter Gewichtsvorteil.

Flache Linie, tiefe Sitzposition und ein dominanter Hinterreifen: Die Indian Scout Bobber hat definitiv Umbau-Potenzial

»Zulassungsfähigkeit stand übrigens nicht im Vordergrund. Auch ist die Anlage nicht so laut, wie man meinen könnte. Aber sie klingt richtig gut und mit einem dB-Eater und Katalysator könnte man sogar über eine Zulassung nachdenken«, greift Marcus weiteren Fragen vor.
Das Grande Finale bildet die Lackierung. Hier haben sich Karl und Marcus entschieden für Motorrad und Auto jeweils den gleichen Farbton zu verwenden. Marcus bevorzugt ein kräftiges Blau in Verbindung mit Metalflakes. »Eigentlich wollte ich das klassische Indian-Rot nehmen. Aber in jedem Fall sollte die Scout nach dem Umbau auch noch als Indian erkennbar sein. Deshalb auch die weißen Seitenteile mit dem Indian-Logo am Tank.« Umgesetzt hat das alles Lackkünstler Chiko, auf den Marcus bei solchen Projekten gerne zurückgreift.

Natürlich hatte sich während der Umbauphase auch der Mutterkonzern Indian eingeklinkt. »Doch die haben uns in allem freie Hand gelassen«, betont Marcus. »Übrigens, wenn mehr Zeit geblieben wäre, hätten wir das Bike noch cleaner gestaltet und auch ein paar Performance-Parts mehr eingebaut. Ich hätte gerne noch eine Upside-down-Gabel ins Frontend gesteckt. Vielleicht beim nächsten Mal.«
 

Technische Daten
Walzwerk Motorcycles Indian
Bj. 2018
Erbauer: Walzwerk Motorcycles
Besitzer: Karl Geiger, Marcus Walz

Original
Die Umbaubasis bildet eine Indian Scout Bobber und die ist alles andere, nur nicht sportlich.

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt-Motor,
dohc-Vierventiler
1131 ccm (Bohrung/Hub 99 x 73,6 mm)

Kraftstoffaufbereitung: Einspritzung
Luftfilter: Zubehör
Auspuffkrümmer: SC-Project Einzelanfertigung aus Titan
Endschalldämpfer: SC-Project Superbike-WM-Dämpfer
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Leistung: 95 PS bei 8000 /min
Drehmoment: 97 Nm bei 5600 /min

Fahrwerk
Aluminium-Verbundrahmen

Gabel: 41-mm-Tele, Standrohre um 50 Millimeter gekürzt
Gabelfedern: Black-T, progressiv
Gabelbrücken: Serie, überfräst und gecleant
Federbein: Black-T, Einzelanfertigung
Räder: Custom Chrome, vo. 3,5 x 17 Zoll, hi. 6,0 x 17 Zoll
Reifen: Metzeler RaceTec K3, vo. 120/70 ZR 17, hi. 200/55 ZR 17
Bremsen: vorn und hinten Scheibe

Zubehör
Tank: Neuanfertigung
Lenker: ABM-Stummellenker
Armaturen: ABM
Instrument: Motogadget
Schutzbleche: WalzWerk Motorcycles
Sitz: WalzWerk Motorcycles
Fußrasten: ABM
Elektrik: WalzWerk Motorcycles
Lackierung: Chikos Pinstriping

Metrie
Leergewicht: k. A.
Radstand: 1562 mm

Info
www.walzwerk-motorcycles.de
www.geigercars.de
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Stand:17 December 2018 20:01:38/bikes/walzwerk+motorcycles+indian+-+das+indian-projekt_181203.html