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Triumph Thruxton Ryan Reynolds

Text: Christian Heim  |   Bilder: Alexander Martino
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Triumph Thruxton Ryan Reynolds
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Hollywood-Größen werden in der Regel erst zur Legende, wenn sie tot sind. Dann werden sie überhöht und als nichtmenschlich dargestellt. Dabei sind sie zu Lebzeiten auch nur gewöhnliche Menschen mit ganz normalen Interessen
Ryan Reynolds ist Schauspieler und ein Motorradverrückter, der nichts lieber tut, als in seiner Freizeit, oder wann immer es ihm möglich ist, mit seiner Triumph Bonneville durch die Gegend zu ballern und den Kopf freizufahren. Individualität spielt für ihn dabei genauso eine Rolle wie für die meisten von uns. Deshalb steht er auch auf umgebaute Kisten, frei nach seinem Geschmack. Selber schrauben, ja das wär’s. Aber da Zeit gerade für einen Hollywood-Star ein begrenztes Gut ist und nicht unendlich zur Verfügung steht, hat er für den Umbau seiner 2014er Triumph Thruxton 900 den kalifornischen Customizer Dustin Kott beauftragt.



Dustin ist schon lange im Geschäft und seine Cafe Racer mit den außergewöhnlichen Proportionen sind inzwischen auch außerhalb der Szene bekannt und respektiert. Nun sind Triumph-Umbauten nicht gerade das Tagesgeschäft von Kott Motorcycles, was Dustin aber nicht davon abgehalten hat, den Auftrag anzunehmen. »Am Ende ging es doch nur darum, die klaren Linien und ästhetischen Proportionen der Maschine an Ryans Anforderungen und Vorstellungen anzupassen«, meint Dustin, »aber auch darum, das ungenutzte Potenzial, das in der Thruxton schlummert, freizusetzen.« Am Anfang jedes neuen Projektes steht für Dustin die persönliche Probefahrt mit der Maschine, um ein Gefühl zu bekommen, mit was er es da genau zu tun hat. »Danach war mir klar, in welche Richtung ich gehen musste. Die Maschine ist technisch in Ordnung, da muss nichts groß geändert werden. Aber ich wollte das Fahrverhalten in den Vordergrund rücken, den Fahrer mehr einbinden, ihn mehr fordern und zum Teil des Ganzen machen.« Für Dustins Empfinden mangelt es der Thruxton an einer durchgehenden Linie vom Lenkkopf bis zum Heck. Der Übergang zwischen Tank und Heck wirkt wie eine Mulde und stört den Kalifornier mit seiner eigenwilligen Vorstellung eines klassischen Cafe Racers. Der Entschluss, das Heck zu modifizieren, ist schnell gefasst, die Optik mit einfachen Mitteln zu korrigieren. Durch die Neukonstruktion mit Sitzbank und Höcker schafft Kott zusätzlich Platz, um Kabelbaum, Steuergerät, Sicherungskasten, Einspritzanlage und die kleine Lithium-Batterie aus dem Sichtfeld verschwinden zu lassen. Für ein passendes LED-Rücklicht findet er auch noch ein Plätzchen. Bleibt nur noch die serienmäßige, im Tank integrierte Benzinpumpe, für die eine Lösung her muss. Gedanklich hatte sich Dustin schon längst auf einen alten Japaner-Tank festgelegt, und da muss die Spritpumpe wieder rein. Als Spender soll eine Yamaha XS1100 herhalten. »Mir war schon klar, dass eingefleischte Brit-Bike-Fans das als Beleidigung ansehen würden. Ein Japsen-Tank auf einem britischen Motorrad? Doch mein Handeln ist nun mal von einer gewissen ästhetischen Freiheit geprägt, die ich mir auch einfach nehme«, räumt Kott ein. »Letztlich hat es aber auch ein besseres Verhältnis zwischen Tankhöhe und oberer Gabelbrücke erlaubt und zu einem fülligeren Eindruck am Frontend geführt.« Und der XS-Tank hat tatsächlich genügend Platz, um die ungeliebte Benzinpumpe darin unterzubringen. Selbst das Zündschloss kann im frei gewordenen Raum zwischen Rahmenoberzug und Tank verbaut werden. Somit wirkt das Bike sehr clean und aufgeräumt.



Neben all der Optik lässt Dustin nie das Handling des Bikes außer Acht, schließlich soll der britische Cafe-Racer-Spirit erhalten bleiben. Ein Paar High-Performance-Stoßdämpfer von Hagon und gut grippende Avon-Reifen sorgen für optimalen Fahrbahnkontakt. Für die sportliche Sitzposition entwirft er eine neue Fußrastenanlage, die er an den hinteren Rahmenzügen montiert. Die Stummellenker, die zusammen mit den Originalarmaturen direkt an den Gabelholmen fixiert werden, sind natürlich obligatorisch. Da geht kein Weg dran vorbei. Um dem Motor mehr Performance und Leistung abzuringen, wird das Steuergerät neu gemapped, die Serienauspuffanlage gegen eine 2-in-1 von Arrow mit Eigenbaukrümmern getauscht. »Das Teil klingt echt brutal im oberen Drehzahlbereich«, gibt Dustin grinsend zu. Zudem fliegt die Airbox raus und macht Platz für zwei polierte Ansaugtrichter. Dustins handwerkliche Kunst durchdringt am Ende das ganze Bike. Offensichtliche Details wechseln sich mit unscheinbaren ab, wie neue Motorhalterungen oder das innere Schutzblech, das die Elektrik unter der Sitzbank vor aufwirbelnder Nässe und Schmutz schützt. Um die neuen Parts dem Look der gebürsteten Originalgehäuse anzupassen, verpasst Dustin ihnen ebenfalls gebürstete Oberflächen aus Nickel oder Aluminium. Schließlich soll alles wie aus einem Guss wirken. Bei der Lackierung setzt er auf einen dezenten Farbton namens »Brandy Wine«, feine Pinstripes sorgen für entsprechende Kontraste. Nur eine Kleinigkeit sucht man an Ryans neuem Bike vergeblich: einen Tacho. Stattdessen prangt der Unsterblichkeitsspruch »Live fast« auf dem Scheinwerfergehäuse. Ein typisches und sympathisches Kott-Detail, das Dustin gerne bei seinen Umbauten irgendwo unterbringt, und das das Lebensmotto sowie die Einstellung der Cafe Racer kurz und knackig zusammenfasst.



Unterm Strich scheint Ryan Reynolds bei der Wahl seiner Drehbücher und Bikebuilder das gleiche talentierte Händchen zu haben. Ob es ihn unsterblich macht? Wer weiß. Zumindest dürfte die Kott-Thruxton dem Motorradfreak beim nächsten Ausritt ganz schnell einen klaren, frei gefahrenen Kopf bescheren. Und das fühlt sich zumindest ein bisschen wie unsterblich an.


 
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Stand:26 April 2019 08:23:00/bikes/triumph+thruxton_164.html