Triumph T140 Bonneville – Lord of Mayhem

Text: Kustomizerkurt  |   Bilder: Benjamin Grna
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Triumph T140 Bonneville – Lord of Mayhem
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»Genau so sahen die Dinger früher aus. Alle Blechteile wurden runtergeschmissen, die Klappe vom Heckfender abgenommen und kein Zierrat geduldet. dann konnte man kräftig gas geben«
Hand aufs Herz, es gehört schon eine ordentliche Portion Verrücktheit dazu, ein Motorrad einfach so zu bauen, wie es einem gerade gefällt. Nur, um es anzuschauen oder vielleicht mal für Racingzwecke einzusetzen.
Sebastian »Bassi« Heinz aus Traunstein hat schon viele Projekte »einfach so« gebaut. Gerade mal 27 Jahre alt ist der Bayer, seine Motorradsammlung beachtlich. Nahezu die gesamte Harleypalette der letzten 50 Jahre hat er schon umgebaut, da stehen Ironhead, Pan, Shovel, Buell und Twin Cam auf dem Zettel. Eine Straßenzulassung stellt er bei jedem Projekt erstmal hinten an, im Vordergrund stehen Optik und Funktion, »… ich will ohne Kompromisse bauen, wie es mir gefällt.«

Triumph T140 Bonneville – Lord of Mayhem

Die Basis des aktuellen Aufbaus bildet eine Triumph T 140 von 1974. Diese Bonnies liefen in Meriden von 1973 bis 1980 vom Band, die Motoren hatten 750 ccm, der Öltank befand sich im Rahmen (oil in frame), die späteren Modelle verfügten über eine elektronische Zündung und eine stärkere Lichtmaschine im Vergleich zu den 650ern, die bis dato gebaut wurden. Die originale Zündung ersetzt Bassi trotzdem schnell, eine klassische Joe-Hunt-Magneto soll es sein. Um ein bisschen Leistung dazu zu gewinnen, werden die Zylinder aufgebohrt, ein Mikuni-Vergaser angebaut und Kopfmodifikationen durchgeführt.

Der Optik wegen poliert Bassi den gesamten Motorblock auf Hochglanz, ebenso die Motorseitendeckel. Zeit für die Hochzeit, in der Motor und Rahmen erstmals zu einem Motorrad zusammengeführt werden. Der Rahmen stammt in diesem Fall ebenfalls aus Hinckley, von einer älteren Thunderbird mit starrem Heck. Für den richtigen alten Look sorgt außerdem die Springergabel einer 750er Harley WLA-Flathead. Verzögert wird per Trommelbremsen, vorn von Harley, hinten von Triumph, »ich muss vorausschauend fahren«, schmunzelt Bassi.

Triumph T140 Bonneville – Lord of Mayhem

Den Benzintank mopst Bassi von einer NSU, muss das Gefäß aber noch umarbeiten, damit es ordentlich zum Rahmen passt. Den Racelenker fertigt Bassi selbst, ebenso den Öltank, der aus VA-Stahl entsteht, abschließend aber lackiert wird. Überhaupt VA, ein großes Thema des Traunsteiners. Sämtliche Bügel und Halter sowie der Auspuff mit den offensichtlichen Schweißnähten sind aus dem nichtrostenden Material. Kein Wunder, dass Bassi den Werkstoff liebt, hat er doch im normalen Job täglich damit zu tun.

Der elterliche Betrieb, in dem er arbeitet, stattet Großküchen und Gastronomie aus. Beim Rest des Bikes zeigt sich Bassis Kompromisslosigkeit nochmal deutlich, er beschränkt sich wirklich nur auf das Nötigste. Auf Fender wird verzichtet, ebenso auf Beleuchtung, Hupe und dergleichen. Die Schutzblechfunktion muss jetzt vom Biltwell-Solositz übernommen werden, Fahrten bei Starkregen würde der nicht unbedingt verzeihen. Die zurückverlegte Fußrastenanlage mit Reduktionsbohrungen ist ebenfalls ein komplettes Eigengewächs, maßgeschneidert auf Bassis Körpergröße. Bei den Felgen, vorn 21, hinten 16 Zoll, setzt Bassi ausnahmsweise auf Chrom, »weil das in Verbindung mit dem Lack einfach richtig knallt.«

Triumph meets Harley: Die Springergabel stammt von einer alten Flathead, hält ein 21-Zoll-Vorderrad im Griff. Der Eigenbau-Lenker erinnert an alte Racer, wie überhaupt das gesamte Bike

Recht hat er,  die rote »Ochsenblut«-La-ckierung sticht sofort ins Auge. man denkt dabei unweigerlich an alte Indians, die vor Motodromen und in den Steilwänden auf den Jahrmärkten dieser Welt bewegt werden und dessen verwegene Reiter das Publikum mit ihren Kunststücken auf den Rollenständen anlocken. Bassi und ein paar Jungs aus dem Süden unserer Republik gehören übrigens ebenfalls zu den verwegenen Typen. Die »Lords of Mayhem« sind eine lockere Schraubergemeinschaft, die ihre Wurzeln in den USA hat. Ihr Ziel ist es einzig und allein, coole Motorräder zu bauen. Man trifft sich einmal im Jahr auf der Daytona Bikeweek zum Feiern und zum Erfahrungsaustausch, ansonsten macht jeder sein Ding. Dabei können die Lords aus der neuen Welt noch ganz schön viel von Bassi lernen.

Am Gasgriff
Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, dieses Bike wiegt nur 165 Kilo inklusive Sprit. Wir stellen uns direkt vor, wie Bassi mit der Bonnie über einen Salzsee fliegt, denn dafür stimmen die Voraussetzungen tatsächlich ganz gut

Technik
Triumph Bonneville T140 | Bj. 1974

Motor
stehender Zweizylinder-Viertakt-Paralleltwin, ohv-Zweiventiler, 
780 ccm (Bohrung/Hub 76 x 82 mm)

Zylinderkopf: bearbeitete Kanäle
Zündung: Joe-Hunt-Magneto
Vergaser: Mikuni
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: Fünfgang
Sekundärantrieb: Kette
Leistung: 65 PS bei 6500 /min
Drehmoment: 69 Nm bei 5500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h

Fahrwerk
Single-Rohrrahmen, starres Heck

Gabel: Harley-Davidson Springer
Räder: voorn 21 Zoll verchromt, hinten 16 Zoll chrom
Reifen: vorn Avon 3,0 x 21, hinten Heidenau 5,0 x 16
Bremsen: vorn Sportster-Trommel, hinten Triumph-Trommel

Zubehör
Tank: NSU
Öltank: Eigenbau
Sitzbank: Biltwell
Lenker: Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau

Metrie
Leergewicht: 165 kg
Radstand: 1650 mm
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Stand:22 November 2018 12:10:49/bikes/triumph+t140+bonneville+-+lord+of+mayhem_18705.html