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Santee-Eigenbau – Von Null auf 845

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Santee-Eigenbau – Von Null auf 845
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Der erste Komplettumbau, zwei Jahre schrauben, unter erschwerten Bedingungen: Sigi Rödl gewinnt mit seinem Eigenbau unseren CUSTOMBIKE-Wettbewerb 2018 und erweist sich als würdiger Sieger
Dass das Motorrad mit der Startnummer 33 in unserem jährlichen Schrauberwettbewerb ein Wörtchen mitreden würde, war schnell klar. Von Beginn der Voting-Phase an lag der Starrrahmen-Eigenbau durchgehend in den Top Fünf der Lesergunst, an den meisten Tagen sogar ganz vorn – und am Ende eben auch. Als wir Erbauer Sigi schließlich nach Auszählung aller Stimmen telefonisch über seinen Sieg informieren, sind Freude und Stolz hörbar groß. Und wir freuen uns mit. Nicht nur, weil sein Bike ein gutes ist, sondern auch, weil der Mensch dahinter uns überzeugt, wir die Story seines Umbaus mögen und er damit einen echten Schraubertyp wie du und ich repräsentiert.

Der Gooseneck-Starrrahmen kommt von Santee aus den USA, die Springergabel aus Würzburg von W&W

Seit er achtzehn Jahre alt ist, fährt Sigi Motorrad, am liebsten im Enduro- und Crossbereich, viele Bikes hat er besessen. Und trotzdem ist da der langgehegte Wunsch nach einem echten Custombike. Der wird allerdings immer mal wieder auf Eis gelegt – Heirat, Kinder, Hausbau, viele kennen die Gründe, die die Erfüllung eines Traums nach hinten verschieben. Untätig ist Sigi trotzdem nicht, er wälzt Magazine wie unseres, holt sich Anregungen, sammelt Ideen. Und dann ist die Zeit gekommen, endlich loszulegen. »Am Anfang wollte ich mir ein fertiges Bike kaufen und umbauen«, erzählt der Mann aus dem bayrischen Katzdorf. »Aber dann habe ich mal zusammengerechnet und kam schnell drauf, dass ich für die Kohle auch komplett selbst bauen könnte.« Sein Wunsch nach einer Harley im Starrrahmen beginnt pragmatisch – mit dem Kauf von Werkzeugen. »Ich hatte ja gar kein zölliges Werkzeug«, erklärt Sigi, dessen erster Komplettumbau gleichzeitig den Einstieg in die Harleyszene bedeutet. Das zweite Problem ist ein zeitliches, denn da ist eine Familie mit zwei Kindern sowie der Vollzeitjob als Werkstattleiter in einer Autowerkstatt. Geschraubt wird also nur am Abend oder am Wochenende, vorab, zwei Jahre braucht Sigi so für seinen Umbau. On top kommen logistische Schwierigkeiten, Sigi besitzt keine passende Werkstatt oder Garage für sein Projekt. Also wird kurzerhand der Dachboden seines Hauses zweckentfremdet, »der Postbote hat jedes Mal gestöhnt, vor allem in der Anfangsphase, als ich doch einiges an Teilen bestellt habe«, schmunzelt der 41-Jährige.

Alle Arbeiten am Motorrad spricht Sigi im Vorfeld mit seinem TÜV-Prüfer ab, mehrmals ist dieser in der Umbauphase beim Schrauber zu Gast

Trotzdem, von keinem dieser Probleme lässt sich Sigi von seinem Vorhaben abbringen, andere schließt er im Vorfeld aus. So zum Beispiel die Sache mit der Zulassung, denn für ihn ist klar: »Ich baue ein Motorrad, das ich legal fahren werde. Gerade darin besteht doch die Kunst, gute Optik und trotzdem auch Spaß damit haben.« Er bespricht jegliche Änderungen und Modifikationen an seinem Umbau jeweils im Vorfeld mit dem TÜV-Prüfer. Der Prüfer selbst ist oft auf Sigis Dachboden, um auch wirklich alles genau zu überwachen. »Das mag zuweilen etwas stressig sein, aber es hat mir sehr geholfen. So gab es erst gar keine umsonst gemachten Arbeiten oder unsinnige Lösungen«, erklärt der Schrauber, der sich auch von anderen Seiten gerne Tipps einholte. Von einem Harley-Schrauber aus dem Nachbarort, bei dem er auch viele seiner Teile bestellt, bekommt er konkrete Ratschläge, wie er seinen Umbau angehen und einzelne Probleme lösen kann. Zeichnungen und Ähnliches seines Projektes macht er im Vorfeld nicht, eine klare Vorstellung hat er dagegen im Kopf, »und dann hab ich einfach losgelegt«, erklärt er rückblickend.

Die hintere Ritzelbremse stammt vom schwedischen Oldschool-Spezialisten Tolleverrät das eigene Baujahr

Zu seinen Vorstellungen gehören be- stimmte Teile, die er auf jeden Fall verwenden will. Der Gooseneck-Starrrahmen von Santee in Verbindung mit einem dicken 113-cui-Harleyklon von S&S, eine Springergabel, Big-Spoke-Räder oder der immer wieder schöne Cole-Foster-Tank – nur einige der Teile, die Sigi verwendet. Bloßes Dranschrauben gibt es bei ihm trotzdem nicht. Sämtliche Buchsen, Achsen und Abstandshalter dreht und fräst er eigenhändig. Auch Fender, Öltank, die gelaserte Beltabdeckung oder der Batteriehalter entstehen im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Dach von Sigis Eigenheim. Mit viel Geschmack und Geschick setzt er so aus Kaufteilen und Eigenbauten sein Traummotorrad zusammen, »schlussendlich habe ich mich beim Bau leiten lassen, eines kam zum anderen und am Ende zu dem Ergebnis, das ihr jetzt seht.« Ein Finish in Braun und Elfenbeinweiß beendet 24 Monate Schrauberglück. Damit unendliches Fahrglück folgt, müssen nur noch zwei Hürden genommen werden. Zum einen muss das fertige Bike irgendwie runter vom Dachboden. Zum Glück hat ein Freund von Sigi ein Abschleppunternehmen. Er hilft aus und befördert das fertige Motorrad per Kran aus dem Haus ans Licht. Die zweite Hürde, die Zulassung, nimmt Sigi aufgrund seiner Bemühungen auch beinahe im Vorbeigehen. Da er bei der Kombination aus Zubehörmotor und -rahmen als Fahrzeughersteller im Brief stehen wird, wäre ein passender Name noch schön. Und weil »Katzdorf Cycles« irgendwie nicht ganz geil klingt, wird daraus schnell »Cat Village Choppers«. Unter diesem Namen darf Sigis Kiste auf die Straße und direkt in unseren Wettbewerb. 845 Punkte gibt es von unseren Lesern für den Eigenbau – verdienter Sieg, ganz herzlichen Glückwunsch!

Santee-Eigenbau – Von Null auf 845

Sieger dürfen alles, auch ausführlich Danke sagen. Sigi, du hast das Wort:
»Riesengroßer Dank an meine Frau Sonja, meinen Sohn Yannick und meine Tochter Christina, die so viel Geduld mit mir hatten. Danke auch an Markus, Stefan, Christian, Rafael von Dirty Finger Paint, Gerd, Fritz von Fritz HD Cycles, Peter von B-Town-Cycles, André Rieth von den Bavarian Guards fürs zur Verfügung stellen der Fotolocation und alle, die ich vergessen habe …«


 

Technische Daten
Santee-Eigenbau
Bj. 2016
Erbauer: Siegfried Rödl

Motor
S&S-V-Zweizylinder-Viertaktmotor,
ohv-Zweiventiler,
1852 ccm (Bohrung/Hub 101,6 x 114,3 mm)

Zündung: S&S IST
Vergaser: S&S Super G
Luftfilter: S&S Teardrop
Motorhalter: Runaway Choppers
Auspuff: Kodlin Radical
Getriebe: Ultima Sechsgang
Primärtrieb: Ultima Belt, offen
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 105 PS bei 5600 /min
Drehmoment: 140 Nm bei 4000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Fahrwerk
Santee-Gooseneck-Starrrahmen

Gabel: W&W Classic Springer
Räder: Big Spoke, vo. 2,25 x 21, hi. 5,5 x 18
Reifen: Metzeler Marathon, vo. 90/90-21, hi. 180/55-18
Bremsen: vo. Performance Machine, hi. Tolle-Ritzelbremse

Zubehör
Tank: Cole Foster
Öltank: Eigenbau
Sitzbank: Leder-Solosattel
Lenker: W&W inkl. Gabelbrücke
Armaturen: Kustom Tech Classic Line
Elektrik: motogadget m-unit Racetronics-Taster
Lampe: Custom Chrome
Rücklicht: Kellermann-Bullet
Blinker: motogadget m-blaze
Fender: Eigenbau
Fußrasten: US-Bike-Parts
Lack: VW-Braun-Metallic, Elfenbeinweiß
Pinstripes: Dirty Finger Pain

Metrie
Leergewicht: 280 kg
Radstand: 1650 mm
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Stand:21 March 2019 02:26:50/bikes/santee-eigenbau+-+von+null+auf+845_181030.html