Moto Guzzi Le Mans – Aachener Printe

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Volker Rost
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Moto Guzzi Le Mans – Aachener Printe
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Hartmut Taborsky gilt als alter Hase unter den Moto-Guzzi-Tunern. CUSTOMBIKE hat eine sorgfältig präparierte 1100er Le Mans rund um seine Heimat Aachen getrieben. Seine alte Heimat …
Klassische Moto-Guzzi-Motorräder sind beliebte Tuningobjekte. Nicht ohne Grund existieren in Deutschland diverse Spezialisten, die sich der Leistungssteigerung, der Fahrwerksoptimierung und der optischen Individualisierung der luftgekühlten V2-Sportler aus Mandello del Lario verschrieben haben. Einer, der sich besonders tief in die Materie der bewegten Massen und schwingenden Gassäulen eingearbeitet hat, ist Hartmut Taborsky. Ein alter Hase, der seine Firma HTMoto seit 33 Jahren in Aachen betreibt. Hartmut hat bereits in den Neunzigern ein Motormanagement und einen Monocoque-Rahmen entwickelt und sich mit gründlichem Motortuning Lorbeeren verdient. HTMoto-Kreationen genießen einen hervorragenden Ruf.

Schlank und zeitlos schön präsentiert sich die pastellgrüne Le Mans, die gleichermaßen für Straße und Rundkurs taugt

Wir bei CUSTOMBIKE erinnern uns nur zu gerne an einen Fahrtest Anfang 2004, als wir mit einer Guzzi mit Hossak-Gabel und Kette statt Kardan durchs deutsch-belgische Grenzgebiet gestreunt sind. Auch der Motor unseres Bobber-Projektbikes von 2006 entstand in Aachen –  und schnurrt noch immer beeindruckend kraftvoll und zuverlässig. 

Knapp zehn Jahre später ist es einfach einmal wieder Zeit, eine HTMoto-Guzzi anzutesten. Hartmut hatte uns von einer Le Mans I erzählt, die er mit einem bearbeiteten V11-Motor bestückt hatte und die er mit liebevoller Detailarbeit zu einem tauglichen Classic-Racer für Straße und Rundstrecke optimiert hatte. Also ab zum Eifel-Nordrand. 

V11-Motor im Tonti-Rahmen
Im Grunde sieht die HTMoto-Le-Mans so aus, wie ein klassischer Guzzi-Racer eben auszusehen hat. Nur eben in Pastellgrün. Die formschöne Verkleidung im Rickman-Stil stammt von der ebenfalls in Aachen beheimateten Firma Sebypoli. Auch Sitzbank und Schutzbleche steuert der Kunststoffspezialist bei. Die schlanken Teile sind schon einmal die halbe Miete, verleihen sie dem Sportbike doch eine zeitlose Linie, die durch BKG-Stummellenker und die zurückverlegte Agostini-Rastenanlage unterstrichen wird. »Ich habe die Rasten allerdings höhergelegt, jetzt setzt in Schräglage nichts mehr auf«, so Hartmut. Besitzer Jupp hatte außerdem seine alte Wildlederjacke, die er bereits als Achtzehnjähriger getragen hattte, geopfert und sie zum Sitzbankbezug umbasteln lassen. 

»Der Begeisterung über den kraftvollen Motor und den dumpfen Sound setzt das Wissen um die TÜV-Konformität des Umbaus die Krone auf«

Den zweiten Teil der Faszination Guzzi-Sportler verdankt die Le Mans den technischen Modifikationen aus dem Hause HTMoto. Moderne 18-Zoll-Reifen auf Flachschulterfelgen konnten dank Schwingenumbau und außermittig eingespeichtem Hinterrad verbaut werden. Jupp setzt seine Guzzi zu großen Teilen auf der Rennstrecke ein, daher bevorzugt er eine harte Abstimmung der Federkomponenten. Hinzu kommt, dass er in voller Montur rund 140 Kilo auf die Waage bringt, was zusätzliche Federhärte erfordert. Das bedeutet für meinen Ausritt durchs Aachener Hinterland, dass an Komfort nicht zu denken ist. Vor allem die hinteren Wilbers-Federbeine sind auf ihren Besitzer abgestimmt, nicht jedoch auf einen 85-Kilo-Fahrer auf geflickten Nebenstraßen. »Das lässt sich mit zwei Handgriffen ändern«, tröstet mich Hartmut und zeigt auf die Verstellmöglichkeiten der Stoßdämpfer. 

Am Motor hingegen muss nichts geändert werden. Ein V11-Motor im »Tonti«-Rahmen, das ergibt eine aufregende Kombination, so wusste ich aus Erfahrung. Weil Hartmut darüber hinaus den Ventiltrieb überarbeitete, die Kurbelwelle feinwuchtete, die Kupplung erleichterte und eine eigens entwickelte Nockenwelle, Trichter und seine 2-in-2-Auspuffanlage montierte, war ich durchaus neugierig auf das Fahrerlebnis. Der Klang des 1100ers betört schon einmal die Sinne. Beim Warmfahren fasziniert mich der sanfte Druck aus dem Drehzahlkeller. Keine Frage, dieser Sportmotor muss nicht zwingend ausgequetscht werden. Warm geht der V2 gierig ans Gas, dreht flockig aus und gibt sich auch im Teillastbereich lammfromm. Offensichtlich ist Harmut hier eine besonders gute Abstimmung gelungen. »Die programmierbare 3D-Doppelzündung ließe sich zusätzlich mit einem Drosselklappenpoti kombinieren, dann wird der Motorlauf noch besser«, sinniert der Tuner. Ich zucke ungläubig mit den Achseln, ist der V11-Motor doch jetzt schon verdammt nahe am Optimum.

Moto Guzzi Le Mans – Aachener Printe

»Nicht mit der Brechstange«, hatte Hartmut als Fahrstil empfohlen. Also nutze ich das satte Drehmoment des Motors und schwinge euphorisiert am Kloster Kornelimünster vorbei. Rund und dabei ziemlich flott. »Als ich bei der Rückkehr meine Begeisterung über den Kraftmotor und den dumpfen Sound kaum verbergen kann, kontert Hartmut gelassen: »Ist übrigens alles TÜV-konform.«
Jeder, bei dem der Funke jetzt übergesprungen ist, muss jetzt ganz stark sein.

Hartmut betreibt seine Tuningschmiede seit 1982. Aber irgendwann ist nun einmal Schluss. Also kehrt der 61-Jährige seinem Wohn- und Arbeitsort Aachen den Rücken und freut sich auf eine sonnige Zukunft. Ein-, zweimal im Jahr kehrt er allerdings zurück, die Werkstatt wird vorerst nicht aufgelöst. Hartmut lächelt: »Vielleicht mache ich ja noch mal einen Motor, nur so zum Spaß. Und nur wenn ich ganz große Lust dazu habe.«

Moto Guzzi Le Mans – Aachener PrinteZweite Meinung
»Es ist wie früher – nur viel, viel besser. Hartmut hat einen Guzzi-Cafe-Racer auf die Räder gestellt, der mich an meine Le-Mans-2-Racerjahre erinnert. In »der guten, alten Zeit« schwelgend hat mich Hartmuts Guzzi in die technische Gegenwart katapultiert. Der modifizierte V11-Motor hat so viel hemmungslose Kraft, drückt im mittleren Drehzahlbereich, wo es am meisten Spaß macht und legt obenrum noch mal eine ordentliche Portion Leistung drauf. Dabei läuft der charakterstarke V2 bemerkenswert geschmeidig rund und hängt derart willig am Gas, dass ich nur wegen des leergefahrenen Tanks wieder vor Hartmuts Werkstatt angehalten habe. Chapeau, Hartmut!«

CUSTOMBIKE Kurzwertung
+ Ein Traum von einem V-Zwei-Motor. Mustergültiges Drehmoment, 
  viel Charakter, satter Punch
+ stabiles Fahrwerk,   Schräglagenfreiheit ohne Grenzen
+ klassische Cafe-Racer-Sitzposition, nostalgisch über den Tank gespannt, 
  dabei erstaunlich bequem
+ perfekter Klassiksportler. So eine Guzzi ist ausgewogener als 
  eine Sportster, gefühlsechter als eine Thruxton – und überhaupt …

– Fahrwerksabstimmung für Fahrer ab 120 Kilo bretthart, aber leicht abzuändern

Technik

Motor
V11-V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1064 ccm (Bohrung/Hub 92 x 80 mm)

Ventiltrieb: HTMoto
Nockenwelle: HTMoto 9°
Kurbelwelle: feingewuchtet, erleichtert
Vergaser: Dell‘Orto 40
Luftfilter: Trichter
Zündung: HTMoto-3D-Doppelzündung
Ölkühler: Setrap
Auspuff: HTMoto
Kupplung: V11, erleichtert
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: 95 PS bei 7800 /min
Drehmoment: 100 Nm bei 6000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, gekürztes Rahmenheck
Gabel: Tele mit FAC-Dämpfern
Schwinge: HTMoto
Federbeine: Wilbers
Räder: Excel-Felgen vorne 2,5 x 18“ mit 120/80-18, hinten 3,5 x 18“ mit 140/70-18
Bremsen: vorn und hinten Brembo-Scheiben

Zubehör
Tank: HTMoto Arthuro
Lenker: BKG-Stummel
Sitzbank: Sebypoli
Verkleidung: Sebypoli
Schutzbleche: Sebypoli
Fußrasten: Agostini modif.
Instrumente: motogadget
Scheinwerfer: H1 P&W
Blinker: Kellermann

Metrie
Leergewicht: 205 kg
Radstand: 1490 mm
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Stand:21 October 2018 03:29:54/bikes/moto+guzzi+le+mans+-+aachener+printe_18420.html