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Kawasaki W650 von TGS Motorcycles

Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Benjamin Grna
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Kawasaki W650 von TGS Motorcycles
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Die W650 von TGS Motorcycles reißt mich durch die Zeit. Als Mofas Schulhof wie Bolzplatz beherrschten, der Fuchsschwanz am Gürtel baumelte und der Cowboystiefel noch Mantalette hieß. Die Kawa schreit Retro und geht auf die Reise durch die Epochen
Plötzlich waren Harleys out und Customizer schon auf dem Weg zum Amt: Kurz vor der 2010 im Kalender kam der große Bruch in der Customgemeinde und Mopeds im Stile der britischen 1960er waren plötzlich der heiße Scheiß. Auch hartgesottene Harley-Individualisten waren auf einmal Feuer und Flamme für kleine leichte Bikes, Cafe Racer gerufen. Da standen nun die Profi-Schrauber in den Hallen des heiligen V-Twin und die meisten riefen: »Dem Himmel sei’s gedankt! Endlich können wir bauen, was auch fährt.«

Na, da geht doch was mit der Weh von TGS. Leichtfüßig und wendig kann auf den Stollenreifen ums Eck geballert werden

Ruhig bleiben, so schlimm wars auch nicht. Doch  Tobias von TGS aus dem freistaatlichen Bayern, entstaubt das metrische Werkzeug. Seine früheren Restaurierungen alter Kawasaki Zs zeugten bereits von großem Können, und die noch älteren Umbauten zweitaktender Kawas zu Racern ließen aufhorchen. Seine Liebe zu Grün führt zwangsläufig in Richtung des Neo-Klassikers mit der Königswelle – Kawasaki W 650. Tobias Privatmoped steht seit 2008 auf der Liste für einen knackigen Umbau, was fehlt ist wie immer die Zeit. Das alte Lied.

Stetiger Wandel ist Kern der Heritage-Szene, selbst der Cafe Racer gerät immer mehr ins Hintertreffen, denn es wird gescrambelt was die Mopeds hergeben. Auch bei TGS, der mit seiner Interpretation die Glamourlack-Bikes mit breiter Stange hochleben lässt – möge der Fuchsschwanz ewig im Fahrtwind wehen. Nun gibt es schlechte und gute Mopeds für einen Umbau. Die W650 gehört zu Kategorie 2, sieht sie im Laden doch schon so aus, wo daheim viele ihre Kisten erstmal hinschrauben müssen. Massig offene Technik, kaum Elektro-Schnickschnack, dazu einen simplen Stahlrohrrahmen und Speichenräder ab Werk.

»Die W war kein Kundenauftrag, die habe ich für mich gebaut. Das Design stand schon seit 2008 fest, ich hatte nur keine Zeit es zu verwirklichen« so Tobias

Schrauberherz was willst du mehr? Dampf und Qualm am Rad. Stimmt. Charme und Stil außen stehen als Widerpart zur völlig fehlenden Eskalationsbereitschaft des Motors: Die W atmet geradezu asthmatisch ein und aus, daher kommt mit Änderungen an Luftfilter, Vergaser und Endtöpfen Spaß in die Geschichte. Übrigens stellt TGS die Endtöpfe selbst her und eine E-Prüfnummer haben die Dämpfer auch. Das reicht in Sachen Leistung, da die grobstolligen Gummis auch nicht ständig an der Haftungsgrenze wimmern sollen.

Die restlichen Änderungen halten sich ebenfalls in Grenzen, ein Heck mit knappem Röckchen, ein motogadget als Tacho und was das Krad sonst noch braucht, damit der Blaukittel die Plakette auf das seitlich angebrachte Kennzeichen pappt. Der Tank einer kleinen Honda passt mit minimalen Änderungen der Rahmenhalterung ohne Probleme: Customizing darf auch mal einfach sein.

Kawasaki W650 von TGS Motorcycles

Deutlich mehr Zeit investiert Tobias in das Fahrwerk: von Haus aus schwammig, unterdämpft, ohne Progression. Im Heck arbeiten nun YSS-Beine aus der Z-Serie, die in Federbasis und Zugstufe einstellbar sind. Die dünne 39-mm-Gabel vorn kriegt ein kleines Feder-Öl-Workout, stemmt sich nun stärker gegen die Straße. Leicht durchgesteckt darf so lecker ums Eck gepfeffert werden. Trotzdem immer wieder verwunderlich, dass Serienfahrwerke so labbrig sind. Es muss ja nicht gleich Öhlins sein, liebe Hersteller, selbst Kayaba-Serien-Parts können vernünftig abgestimmt werden – Suzukis neue SV 650 ist da ein Paradebeispiel.

Zurück zur W 650 und dem fesselnden Paintjob von STM Design. Nach Tobias Vorgaben pinseln die Mannen einen Stilmix auf das Blech, der zwischen H1, CB 750 und moderner Airbrush-Kunst pendelt – und den Beweis erbringt, dass Glitterlack niemals out war. Details sind das Salz in der Customküche und die W 650 ist fein abgeschmeckt –  Sterneniveau.

Boaah ey, dieser Lenker. Woher kommt der? Er sieht zwar nach Zubehör aus, aber Kawa hat tatsächlich so eine Segelstange bei den ersten Baujahren der W verwendet. Nice

Man mag es dem Customizer mit seinen struppigen Haaren, dem unterirdischen Helm und der Jeanskutte für Halbstarke auf den ersten Blick nicht ansehen, aber im Finish spielt er ganz vorn mit. Was wir von einem Mechanikermeister auch erwarten! So fließt die große Erfahrung aus seinen abgefahrenen Harley-Umbauten in die Kleinigkeiten der W ein. Unter dem Kleid versteckt sich die wirkliche Arbeit. Eine neue Elektrik lässt das Zündschloss unter den Tank wandern und versorgt das Miniscope mit Signalen. Die Miniblinker hinten versteckt er kurz hinter den Augen der Stoßdämpfer und das LED-Rücklicht verschwindet im eingeschweißten Bogen des Bürzels.

Wir müssen uns das mal vorstellen: Ein Customizer von der Qualität eines Tobias Guckel, der bekannt wurde durch heftige und perfekte Harley-Umbauten, baut sich privat eine W 650 auf. Ohne tiefgreifende Schnitte in die Materie kitzelt er die wahre Klasse des Retro-Eimers mit ungeahntem Schmiss heraus, er deklassiert den Rest der W-Szene fast schon.  Wo ist der Like-Button, wenn man ihn braucht?

Wunderschöne Lackarbeit genießen, mit der diffus schimmernden, aufgehenden Sonne Japans, die je nach Blinkwinkel stärker und schwächer scheint. Das Motiv findet sich auf dem Frontfender wieder
 

Technische Daten
Kawasaki W 650
Bj. 2000
Erbauer: Tobias Guckel/ TGS Motorcycles

Motor
Vierzylinder-Viertakt, ohc-Vierventiler, 676 ccm (Bohrung/Hub 72x83 mm)

Vergaser: Original mit angepasser Bedüsung 
Luftfilter: K&N-Einzelfilter
Auspuff: Serien-Krümmer mit TGS-Töpfen
Sonstiges: Abdeckung der Königwelle gelocht 
Leistung: 50 PS bei 7000 /min
Drehmoment: 56 Nm bei 5500 /min

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, modifiziert

Gabel: Serie überarbeitet
Federbein: YSS-Stereofederbein 
Räder: Serie mit Continental-TKC-80-Reifen
Bremsen: vo. Scheibe, hi. Trommel

Zubehör
Tank: Honda 
Sitzbank: Kapfhammer/TGS
Schutzblech: Eigenbau, dient auch als Stabi
Blinker: Bulls-Eye vorn, Mini LED hinten

Metrie
Leergewicht: 160 kg
Radstand: 1450 mm

Info
www.tgs-motorcycles.de
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Topseller im Shop
Stand:20 July 2019 18:13:30/bikes/kawasaki+w650_165.html Warning: fopen(cache/ad7000100b605f0a1efd946f49854a46.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163