Indian Chief Vintage auf dem Kriegspfad

Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Flroian Arvanitopoulos
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Indian Chief Vintage auf dem Kriegspfad
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Wenn Kinder ein Motorrad malen: schwarzer Schwurbel als Motor, vorn und hinten ein Rad. Darauf ein ungesund gebeugter Fahrer. Wenn Kay Blanke ein Motorrad malt: ein chromtriefender Motor, vorn und hinten ein Rad.Darauf ein ungesund ernährter Fahrer: ich. Louis Engina ist ein fahrender Motor mit der Gewalt einer ganzen Indianerhorde
Man nehme: Je Hand eine Konservendose mit 900 Millilitern Füllmenge, kreuze die Unterarme im 49-Grad-Winkel und führe eine kreisende Bewegung aus den Schultern aus. Dazu führen zwei weitere Hände je eine Red-Bull-Dose am oberen Umkehrpunkt auf und ab.

Was klingt wie aus einem Fitnessvideo zur Schwangerschaftsrückbildung ist sehr bildlich ausgedrückt das, was in einem echten V2 mit 1800 Kubik passiert, dessen Ventilteller die Durchmesser von Kinderhänden haben. Im konkreten Fall sind es 1811 Kubik und die gehören zum Motor einer Indian Chief. In jenes Triebwerk ist Louis-Presse-Chef Kay Blanke schon seit der Präsentation heftig verliebt und daraus soll irgendwann ein leichter Racer à la Louis entstehen.

Irgendwann ist jetzt und aus einer 357-Kilo-Indian ist Engina geworden. Wahrgemachter Leichtbautraum mit dem mächtig getunten Herz einer Schwermetallerin. Eckdaten: Wenig über 210 Kilogramm vollgetankt, 125 Mustangs  und 185 Nm an der Kupplung. Vorher: 72 PS, 132 Nm. Fragen zu Druck oder Durchzug nach dem Tuning? Ich denke nicht.

Engina fährt sich um vieles handlicher als sie im Stand wirkt. Die umfassende Diät von 357 Kilo auf knapp über 200 hat aus dem Eisenschwein einen sehr agilen Straßenrenner gemach

Für die 47 Prozent Mehrleistung sei Motorenpapst Ulf Penner mein Dank gewiss. Sein zunächst einfacher Plan, die schlappen Steuerzeiten per neuer Nockenwellen zu schärfen, soll dann nur der erste Schritt zum umfassenden Motortuning sein. Die Zylinderköpfe werden ordentlich geplant, um die Verdichtung zu erhöhen. Anschließend wird der gesamte Ventiltrieb mit Tuning-Teilen frisch für mehr Drehzahl gemacht: Durch das neue Mapping darf der dicke Twin gute 900 Touren höher drehen – bei den bewegten Massen ist das eine Ansage. Doch dem nicht genug werden die Ventilsitze in einem anderen Winkel geschliffen und die Ansaugbrücke und Einlasskanäle mit Epoxydharz für schnellere Gaswechsel umgestaltet. In Verbindung mit dem offenen Ansaugtrichter und einer ebenso offenen Auspuffanlage ist jetzt mächtig Druck im Zylinder.

Für die Diät von gut 140 Kilogramm ist größtenteils Sam Wassermann von UNO verantwortlich. Er schweißt einen gänzlich neuen Rohrrahmen und gibt dem Triebwerk so den gewünschten, prominenten Auftritt. An der Serienschwinge ändert er die Aufnahme, um ein Wilbers-Federbein direkt anzulenken. Im Frontend werkelt die Gabel einer BMW S1000 R mit einem Wilbers-Cartridge-Kit. Fest im Griff gehalten von speziell gefertigten Gabelbrücken von Alpha-Racing. Von der BMW wird auch gleich das Brembo-Bremsenpaket übernommen. In Schwinge und Gabel rotieren – wie könnte es heute anders sein – maßgefertigte Kineo-Felgen.

Über den mächtigen Zylindern und  dem neuen Rohr darf sich Blechpapst Michael Naumann austoben. Mit Hammer und Sack (also den Werkzeugen) entstehen der tropfenförmige Tank, das schmalste Heck der jüngeren Geschichte und die kampfeslustige Frontmaske. Übrigens ist entsprechend der Form des Tank auch sein Volumen: Es passen nur wenige Tropfen Brennbares rein – was ich ungewollt lernen darf. Egal.

Indian Chief Vintage erbaut von Detlef Louis Werkstatt-Crew

Für die Lackierung ist erneut das Schrammwerk zuständig und Danny nimmt das Thema Indianer ernst. Nach vielen Stunden in der Kabine ziert Engina der Federschmuck eines großen Häuptlings würdig – Geronimo lässt grüßen. Leider ist beim optischen Finish der Zeitdruck deutlich zu sehen und spüren: Die Louis-Aufkleber an Tank und Maske sind aufgeklebt und nicht überlackiert. Unschön. Man wird ja auch mal meckern dürfen. Sorry, Kay.

Übrigens auch dafür, dass ich den Titan-Krümmer ordentlich hab schleifen lassen. Schon bei wenig Kurve schrabbelt das Edelrohr früh über den Asphalt. Stünde mehr Schräglagenfreiheit zur Verfügung würde Engina eine echte Kurvenräuberin werden, das Fahrwerk könnte das auch mehr als nutzbar bieten. Superagil, einfach und zielgenau lässt sie sich durch lange wie enge Kurven jagen. Zwar ist die mächtige Schwungmasse zwischen den Beinen (der Motor!) deutlich zu spüren, steht aber auch eindrucksvoll als handliches Beispiel für zentralisierte Massen. Ein herrliches Fahren. Und immer wieder dieser bestialische Druck aus dem Reaktor unter dir.  Ab 3000 U/min  prügelt der Twin derart übelst Leistung raus, dass es dazu wohl einen Waffenschein braucht. Zwar nur weitere 3000 Touren, aber die schneiden mir ein Lächeln ins Gesicht. Daran nicht ganz unschuldig: der offene Shark-Endtopf. Der haut einen Schalldruck an den leicht rieselnden Deich und im seismologischen Observatorium schlagen die Erdbebenanzeigen aus.

Legal: Nein. Machbar? Ja, für die Kleinigkeit von 60.000 Euro kann Engina gebaut werden. Ich bin dann mal im Keller Pfandflaschen suchen.
 

Technische Daten
Indian Chief Vintage
Bj. 2016
Erbauer: Detlef Louis Werkstatt-Crew

Motor
Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler, 1811 ccm (Bohrung/Hub 101 x 113 mm)

Luftfilter: offener Trichter
Zylinderköpfe: geplant und Kanäle bearbeitet
Nockenwelle: Indian-Stage-2-Kit mit Penner-Profil
Ventiltrieb: angepasst und überarbeitet
Auspuff: Trautmann-Krümmer, Shark-Endtopf
Getriebe: Sechsgang
Leistung: 125 PS bei 5200 /min
Drehmoment: 185 Nm bei 4300 /min

Fahrwerk
Stahlrohr-Rückgrat-Rahmen, Motor mittragend, gebaut von UNO Sam Wassermann

Gabel: USD-Gabel S1000 R mit Wilbers-Cartridge-Kit
Gabelbrücken: Alpha-Racing
Räder: 17“-Kineo
Bremsen: vo. S1000 R. hi. Indian Chief
Schwinge: umgearbeitete Federbeinaufnahme
Federbein: Wilbers

Zubehör
Tank: Michael Naumann
Lenker: Stummel von Gilles Tooling
Griffe: Motogadget
Sitzbank: Michael Naumann
Lampe: Koso LED-Lights
Rücklicht: Highsider-LED
Verkleidung: Michael Naumann
Blinker: Kellermann Bullet Atto
Fußrasten: Gilles Tolling

Metrie
Leergewicht: < 220 kg
Radstand: k. A.

Info
www.louis.de
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Topseller im Shop
Stand:21 August 2019 11:41:45/bikes/indian+chief+vintage+auf+dem+kriegspfad_171117.html Warning: fopen(cache/08754760c33349fcf4d13995541bf4d8.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163