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Historischer Lenker – Zu Ehren der heiligen Banane

Text: Horst Heiler  |   Bilder: Horst Heiler
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Historischer Lenker – Zu Ehren der heiligen Banane
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Die Voraussetzungen, einen echten Chopper zu bauen, sind in Holland ungemein besser als bei uns. Die Mannen vom Rogues MC nutzen das schamlos aus – wie Wicky und seine Shovel beweisen
»Choppers are alive and kicking in 2016«, gibt Wicky von den Rogues von sich. So richtig verstehen will er unseren deutschen »Save the Choppers!«-Gospel nicht. Beer, ein anderes Mitglied aus dem gleichen Club, fragt sogar »Ja sind sie denn krank, die Chopper?« und schiebt nach: »Bei uns sind sie das jedenfalls nicht!«

Aber auch die Dutchmänner beobachteten in den letzten Jahren das Verschwinden der Chopper in den Clubs. Die Szene ist fast ausschließlich auf Baggern unterwegs. Ihren eigenen Kreuzzug gegen diese Bewegung starteten die Rogues mit kleinen 2%-Stickern und Aufnähern. Diese gelten quasi als Bekenntnis, bedeuten: Nur zwei Prozent aller Motorradfahrer bauen selbst Chopper und fahren sie auch – sieh her, ich bin einer davon! Die Rogues hatten damit viele Leute angestupst. 

»Der Tank ist am Einfüllstutzen nicht hundertprozentig gelungen, aber das ist ja kein reines Showbike, damit werden Kilometer gemacht«

»Bauen und Fahren von erschwinglichen Choppern ist wieder groß im Kommen, wir lieben das!« Wicky Postma, neuer Clubvorstand und eifriger Verbreiter der Botschaft, zeigt sein Bike, das genau nach dieser Prämisse entstand. »Es ist eigentlich ein Tribute-Bike. Anstoß dazu war der Tod meines alten Bekannten Andy aus Portland in Oregon. Von ihm hatte ich vor Jahren diesen alten klassischen Lenker bekommen – geschenkt –, unter der Auflage, dass ich irgendwann einen Chopper drum herum baue.«

Andy fuhr bei den Outsiders mit. Er war außerdem ein Musikfreak, wusste alles über Musik und Musiker. Seine massive Schallplattensammlung lagerte im Clubhaus. »Er hatte sogar einige LPs des Holländers Herman Brood, dessen Musik er sehr schätzte. Andy war ein extrem freundlicher Kumpel und viele von uns Rogues mochten ihn sofort bei der ersten Begegnung.« Die Outsiders waren der erste US-amerikanische Club, der den holländischen Chopperjungs das Gefühl vermittelte, willkommen zu sein. 

Holy Banana – die heilige Banane

Build it and ride them
Andys alter Lenker war also der Anstoß. Weitere schon Jahre herumliegende oder von Clubkollegen gespendete  Parts muss­ten sich während der Bauphase an Wickys neu entstehenden Chopper einfügen oder wurden bearbeitet, bis sie passten. Wie der geschmälerte Benzintank aus zwei zurechtgeschnippelten und verschweißten Fat-Bob-Tankhälften, mit anderem Tunnel und hochgesetztem Einfüllstutzen, oder der im Radius angeglichene H-D-Fender.

Anderes entstand gleich neu: Hochgezogene Auspuffrohre, eine Sissybar, der einzigartige Handschaltungshebel. Die gelochte Sitz­einfassung sowie die Hebel der Fußrastenanlage sind dem Design von Andys Geschenk angeglichen. Den Lenker selbst verschmälerte Wicky im Bereich der Lenkerklemmung. »Wenn man genau hinsieht, kann man das auch am Rohr zwischen den Risern noch leicht erkennen. Auch der Tank ist am Einfüllstutzen nicht hundertprozentig gelungen.« Wicky deutet auf die wenigen Schwachstellen am Chopper und ergänzt, »aber das ist ja kein reines Show­bike, damit werden Kilometer gemacht, auch ohne Vorderradbremse.«

Holy Banana – die heilige Banane
 
Wenige Arbeiten hat der schraubende Präsident außer Haus gegeben: Die niederländische Firma Galvano in Wieringerwerf übernahm die Verchromung. Heike Seinen polsterte Wickys handgemachte Sitzgrundplatte, die jetzt aufklappbar und ohne zusätzliche Federn verschraubt ist. Rahmen und Blechteile lackierte der Clubkumpel »Brembo«.
Und als langjähriger Clubfreund war es für den belgischen Pinstriper »El Cheapo« eine Freude, den Chopper in ein Rogues-Tribute-Bike zu verwandeln. Nahezu alles, was El Cheapo aufpinselte, hat irgendwie auch mit Wickys Chopperclub zu tun. 1979 ist das Baujahr des Shovelhead-Motors und gleichzeitig das Gründungsjahr der Rogues. Das »CFL« auf dem Öltank? Choppers For Life, seine Lebenseinstellung.

Am Gasgriff
Leck mich am Arsch, der Lenker ist völlig frei von Hebeln! Ein bremsenloses Vorderrad: Erschre­ckend ungewohnt. Benzinzufuhr am Monsterfilter öffnen, Zündung an und ja … ankicken! Die Position des Bananenlenkers widerspricht seinem eigentlichen Pullback-Prinzip, ist hier aggressiv sportlich. Ich muss mich beugen –  nach vorn – und links die Kupplung treten. Mit links ist auch der Handschalthebel zu finden, der Erste leicht eingelegt. Der Fuß lässt die Suicide Clutch kommen … die Schleuder bewegt sich. Nächster Gang, im leichten Starrrahmen drückt der Shovel locker vorwärts. Holland ist flach. Und trotzdem: Ohne Vorderrad-Stopper verweigert meine Hand den vollen Twist am Gasgriff … 

Technische Daten
Harley-Davidson Shovel | Bj. 1994
Besitzer: Wicky Postma

Motor
V-Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler,
1207 ccm (Bohrung/Hub 87,3 x 100,8 mm)
Zylinder: H-D, unten Kühlrippen entfernt Luftfilter S&S
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: H-D Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 5500 /min
Drehmoment: 95 Nm bei 3700 /min
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h

Fahrwerk
Santee-Doppelschleifen-Starrrahmen
Gabel: H-D Dyna Glide
Räder: Sportster
Reifen: vorn Avon Speedmaster 3,25x19, hinten Shinko 5.00x16
Bremsen vorn keine, hinten FXD Dyna Clide Scheibe

Zubehör
Tank: Eigenbau
Öltank: Eigenbau
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Holy Banana Bars, geschmälert
Lenkerhalter: Harley-Davidson
Griffe: Arlen Ness Alu
Schutzblech: H-D, im Radius verkleinert
Rücklicht: Eisernes Kreuz 
Paintjob: Brembo/El Cheapo

Metrie
Leergewicht: 230 kg
Radstand: 1560 mm
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Stand:23 May 2019 08:50:36/bikes/historischer+lenker+-+zu+ehren+der+heiligen+banane_171113.html