Harley-Davidson Shovelhead – Des Kaisers Stahlross

Text: Christian Heim  |   Bilder: Benjamin Grna
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Harley-Davidson Shovelhead – Des Kaisers Stahlross
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Schnapsideen sind gar nicht so verkehrt, erst recht wenn Jacky, Bier und Lagerfeuerstimmung im Spiel sind. Dann kommen auch mal so ungewöhnliche Bikes dabei raus, wie das »k. u. k. Zweiradsport Mopperl«
Würde man ein Klischee bemühen, würde das in etwa so lauten: »Die besten Geschichten schreibt das Leben«, oder so ähnlich. Tatsächlich entstand die Idee aus einer Bierlaune heraus, wie das manchmal so ist, wenn man mit Freunden an einem fröhlichen Abend ums Lagerfeuer sitzt, über Bikes quatscht, oder über Umbau-Ideen. Schnell entwickelt sich dann eine ganz eigene Dynamik.

Vieles davon braucht man in der Regel nicht ernst zu nehmen, oder es geht am nächsten Tag in der Katerstimmung wieder unter. Manchmal aber bleibt etwas hängen. Eine kleine Idee nur, ein Funke, der sich entzündet und die ganze Sache in die richtige Richtung treibt.



Doch die eigentliche Geschichte des »kaiserlich und königlichen« Mopperls fängt ein paar Jahre vorher an. Ernst ist auf der Suche nach einem alten Harley-Eisen. Doch ein Besichtigungstermin in Wien  entspricht nicht den Erwartungen, und so tritt Ernst ohne Motorrad wieder den Heimweg an. Der Kurzbesuch auf dem Rückweg bei einem Harley-Spezialisten bringt dann aber eine unerwartete Wendung, denn dort wartet eine komplett zerlegte und in Kisten verpackte Shovel auf ihre Wiederbelebung.

Ernst schreckt das glücklicherweise nicht ab, die Teile-Shovel wechselt den Besitzer und fristet fortan ihr Dasein auf einer Hebebühne. Der Österreicher ist unentschlossen, was er aus der Shovel machen möchte. Zunächst schwebt ihm etwas in Richtung Ice-Speedway-Racer vor, oder Hillclimber. Was Altes halt, das seinen Vorstellungen entsprechen könnte. Doch die Suche nach den geeigneten Teilen gestaltet sich schwierig. Die Eisrenner sind nicht der Urkraft der schweren, drehmomentstarken Harley-Motoren gewachsen. Sie kommen mit wesentlich weniger Pferdestärken aus.  Damit ist das Thema vom Tisch.



In der Zwischenzeit trägt Ernst unverdrossen Teile zusammen, stöbert bei Online-Auktionshäusern und durchkämmt das Netz. Ganze zwei Jahre dümpelt das Projekt ohne sichtbare Fortschritte vor sich hin. Bis zu jenem ominösen Abend mit den Kumpeln am Lagerfeuer. Nach Justierung der Geisteshaltung mit Jacky und Bier wird es kreativ, sprudeln die Ideen geradezu. In Österreich jährt sich 2016 der Todestag von Kaiser Franz Joseph zum 100. Mal. Anlass genug, einen Flattracker in Anlehnung an die pompöse Kaiserzeit zu gestalten. »Damals waren es halt die Gold beschlagenen Prunkkutschen, und ich habe versucht mir vorzustellen, wie ein Motorrad zu jener Zeit ausgesehen haben könnte«, so Ernst.

Auf alle Fälle nimmt die Shovel Gestalt an. Die Rahmenbedingungen diktieren von nun an das Aussehen. »Die Springergabel ist Pflicht, alles andere passt nicht.« Der Rahmen wird am Heck modifiziert, ein selbst entworfenes Blech eingebaut. Da Performance für Ernst durchaus eine Rolle spielt, wird der Motor bei Engljähringer Custombikes überarbeitet und auf Trab gebracht. Nach der Frischzellenkur leistet das Triebwerk über 85 PS, wie Ernst grinsend versichert.



Auch das Fahrwerk wird aufgemöbelt. Stoßdämpfer einer Yamaha XJR1200 übernehmen die Aufgabe, das Rad bei wechselnden Fahrbahnbedingungen am Boden zu halten und gleichzeitig für so etwas wie Fahrkomfort zu sorgen. Lediglich am Lenker beißt sich Ernst die Zähne aus. »Ungefähr sechs Mal habe ich die Stummel wieder abgeschnitten, neu positioniert und wieder angeschweißt, bis das mir und meiner Größe getaugt hat.«

Überhaupt ensteht das endgültige Design erst während des Aufbaus. Immer wieder steht Ernst vor der Hebebühne, hat neue Ideen, nur um sie anschließend wieder zu verwerfen. Es ist der natürliche Schaffensprozess, der den meisten nicht unbekannt sein dürfte. Nach einer reinen Bauzeit von sechs Monaten ist es soweit.



Die Typisierung beim österreichischen TÜV steht an. Ein quälend langer Gang durch die Mühlen der Bürokratie. Mehrere Vorführungen sind notwendig, bis die k. u. k. abgenommen und straßenzugelassen ist. »Danach ist mir klar geworden, dass ich nie Bikebuilder sein könnte. Dieses Theater würde mir die ganze Freude verleiden.« Egal, die Geburtswehen sind überwunden, die Shovel rennt, und wie. Nur der Komfort ist wie immer auf der Strecke geblieben. »Mehr als 100 Kilometer am Stück tun schon weh«, gibt Ernst offen zu.

Und die Zahl 28 auf der Lampenmaske? »Das ist meine Kinderglückszahl. Sie gehörte dem österreichischen Formel-1-Fahrer Gerhard Berger. Als Kind habe ich zusammen mit meinem Vater immer Formel-1-Rennen geschaut und Gerhard Berger bewundert. Deshalb habe ich sie drauf.«

Am Gasgriff
Der Kaiser hätte seine helle Freude an diesem Rennpferd gehabt. Schneller wäre wohl kaum eine Attacke geritten worden. Der Shovel-Motor bekam etwas mehr Pfeffer, das Fahrwerk moderne Komponenten … teilweise. Ja, das Ding rennt gut und geht um die Ecken

Technik
H-D Superglide Springer | Bj. 1972
Besitzer: Ernst Hallwirth

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler,
1338 ccm (Bohrung/Hub 88,8 x 108 mm)

Vergaser: S&S Super E
Luftfilter: S&S Super E
Auspuff: original Superglide
Getriebe: H-D Viergang, Kickstarter
Primärtrieb: offener Belt
Kupplung: Trockenkupplung
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: ca. 85 PS
Motortuning: Engljähringer Custombikes
Höchstgeschwindigkeit: k. A.

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, modifiziert

Gabel: CCE Springergabel
Reckung: 3-Grad
Federbeine: Yamaha XJR 1200 modifiziert
Räder: vorn 21x1,75, hinten 4.00x16 Scheibenrad
Reifen    vorn 90/90-21, hinten 130/90-16
Bremsen    vorn PM4-Kolben-Sattel, hinten Nissin 2-Kolben-Sattel

Zubehör
Tank: Sportster
Sitzbank: Bullseats
Lenker: Eigenbau-Stummellenker
Lack: Nostalgia Salzburg
Fender: H-D modifiziert
Fußrasten: Shovel-Zubehör, modifiziert

Metrie
Leergewicht: 230 kg
Radstand: k. A.
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Stand:17 July 2018 19:32:56/bikes/harley-davidson+shovelhead+-+des+kaisers+stahlross_171024.html