Harley-Davidson Panhead auf Stollen

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Volker Rost
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Harley-Davidson Panhead auf Stollen
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Hillclimber brauchen einen langen Radstand, knappe Fender und grobe Stollenreifen – auch wenn sie nie den Asphalt verlassen. Wir zeigen die Verwandlung einer Harley-Davidson Panhead in solch ein brutales Stollengerät
Als Christian seine Panhead im Sommer 2008 bei einem Harley-Händler kaufte, hatte diese keinerlei Ähnlichkeit mit dem Bike, das zwei Jahre später daraus entstehen sollte. Der gruselige 80er Jahre-Chopper kam mit Santee-Rahmen, Mustang-Tank und jeder Menge Chrom daher. Warum er den Bastelhaufen dennoch kaufte? Nun, das  originale Getriebe ließ sich sauber schalten, Kurbelwelle und Köpfe waren vor absehbarer Zeit von Bernd Kramer überholt worden.

Als Basis für ein Projekt sollte das und der günstige Preis genügen. »Sofort nach dem Kauf habe ich das Krad zerlegt und alles zu Geld gemacht, was ich nicht brauchen konnte«, erinnert sich der 40 jährige an den erfreulichen Geldsegen. So blieben letztlich nur Motor, Getriebe, Öltank, Primär und die Radnaben von dem Panhead-Chopper übrig.

Knackig schön: Das Umwickeln der Krümmer dient Optik und Hitzeschutz

Nun begann für Christian die Suche nach einem originalen und nicht modifiziertem H-D-Straightleg-Rahmen. Als dieser bei einem Händler im Ruhrgebiet gefunden war, konnte der Aufbau beginnen: »Um jegliche Probleme bei späterer Zulassung von vornrein auszuschließen, habe ich den Rahmen vor Abholung über den Händler typisieren und damit die spätere EZ 1955 bestätigen lassen.« Sämtliche Eckdaten des Projektes hatte der Niedersachse in diesem Stadium bereits abgeklärt.

Vorbild waren die frühen Hillclimber, die in den USA über einen langen Zeitraum populär waren. Als Renngeräte für den steilen Hangaufstieg waren damals abgespeckte Motorräder aus heimischer Fertigung beliebt. Ähnlich den Bobbern fanden an den V-Twins Gewichtssparmaßnahmen statt, weiterhin wurden oftmals Ketten um das Hinterrad gewickelt, um die Traktion zu verbessern und der Heckfender stand weit vom Rad ab. Dennoch wollte Christian, dass seine Panhead auch klar als solche erkennbar bleiben sollte.

Harley-Davidson Panhead auf Stollen

Möglichst viele Originalteile fanden so Verwendung. »Lediglich beim Eigenbau-Fender, bei der vorderen Duplex-Trommelbremse, der vorderen Bremsarmatur von einer Ural und den Felgenringen bin ich von diesem Leitsatz abgewichen«, beschreibt der Maschinenbau-Techniker seine Vorgehensweise. Der Jockey-Shifter ist zwar auch nicht original, wurde aber so auch schon in der guten alten Zeit verbaut.« Und dann sind da noch die Continental TKC 80-Reifen – mit grobstolligem Geländeprofil, verhältnismäßig voluminös und im heute üblichen 17 Zoll-Durchmesser. Vorn wie hinten hat Christian Hinterreifen verbaut, 130 und 150 Millimeter breit. Mit ihrer brutalen Optik sind sie hauptverantwortlich für den rustikalen Look des klassischen US-Bikes.

Original? Nein, aber die Panhead soll klar als solche erkennbar bleiben

Die Lackierung hatte der Schrauber aus Sehnde bereits früh schon vor Augen: »Scallops sind wie Pinstripes seit Beginn der American Custom Culture bekannt, und Vorläufer der Flammenlackierungen«, beschreibt er die Entscheidung für das Lackdesign. Auf den Schriftzug der Company hat Christian bewusst verzichtet. Den Rahmen modifizierte er durch wenige Halter, die er durch Hart-Löten fixierte: »Das gleiche Verfahren, dass auch die Company früher genutzt hat: Es erzeugt deutlich weniger Hitze als Schweißen, was bei alten Rahmen schon mal ein Verziehen oder eine Änderung des Materialgefüges bewirken kann.« Öltank, Rahmen und Teile des Motors ließ er schwarz pulverbeschichten. Das Getriebe wurde mit einem neuen Ausrücklager und neuer Kickerwelle versehen und abgedichtet.

Harley-Davidson Panhead auf Stollen

Beim Motor musste dann leider doch mehr gemacht werden als erwartet. »Nachdem Nockenwelle, Hydros und Stoßstangen erneuert waren, stellte sich letztlich das Gehäuse als Totalschaden heraus. Hier muss wohl irgendwann mal das hintere Pleuel das Licht der Sonne erblickt haben«, ärgert sich Christian, »Bei der nicht fachmännischen Reparatur, bei der das Gehäuse geschweißt werden musste, wurde die innere Struktur des Gehäuses nicht berücksichtigt, die eigentlich das Öl von der rotierenden Kurbelwelle streifen soll.«

Also drückte der Schmierstoff aus der Gehäuseentlüftung. Abhilfe versprach nur ein neues Motorgehäuse. Irgendwie dämlich, aber letztendlich auch egal. Denn Christian hat sich mit der Hillclimb-Pan sein ultimatives Traumbike neben Schweden-Chopper, Cafe Racer-Single und Flattrack-Sporty gestellt. Und dem steht ein zerdeppertes Motorgehäuse dann auch nicht im Wege.

Technische Daten

Modell: Harley-Davidson FL
Baujahr: 1955

Motor: V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1207 ccm (Bohrung/Hub 87 x 101,6 mm)
Gehäuse: STD
Zylinderköpfe: modif. Milwaukee Iron Shop
Vergaser: S&S Super B
Auspuff: 2-in-2
Getriebe: Viergang mit Jockey-Shifter
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 5500/min
Drehmoment: 95 Nm bei 3700/min
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h

Rahmen: H-D-Straightleg-Rahmen, Doppelschleifen-Stahlrohr
Gabel: H-D Springer
Reifen: vorn 130/70-17, hinten 150/80-17
Bremsen: vorn Duplex-Trommel

Tank: H-D 3,5 Gallonen
Fender: Eigenbau
Scheinwerfer: Bates
Sitz: Solosattel
Fußrasten: Trittbretter
Kennzeichenhalter: seitlich

Leergewicht: 260 kg
Radstand: 1540 mm
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Stand:17 December 2018 20:46:50/bikes/harley-davidson+panhead+auf+stollen_174.html