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Harley-Davidson FXST Powercruiser von Suicidal Choppers

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Harley-Davidson FXST Powercruiser von Suicidal Choppers
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Atze im Glück: Sein Motorrad ist fett, richtig fett. Das liegt zum einen am Ultima-Monstermotor, zum anderen an der flachen Rennoptik. Echt Suicidal eben …
Es gehört Fingerspitzengefühl dazu, ein Motorrad wie dieses hier zu bauen, und noch mehr, es zu fahren. Es ist ein Monster in allen Bereichen und es kann dich umbringen. Auf der Viertelmeile, klar, da hast du eine Auslaufzone. Auf Serpentinen in den Alpen, da hast du sie nicht. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Atze wandelt, eben weil sein Bike eine Fahrmaschine ist, die er auf Achse schon bis nach Südfrankreich bewegt hat.

»Bei jedem Bike tut dir irgendwann der Arsch weh, bei diesem noch ein ganzes Stück mehr«, erzählt er. Vorverlegte Fußrasten, weil Mid-Controls aufgrund des breiten Primärs nirgendwo unterzubringen sind, dazu ein Stummellenker. Das ist nicht bequem und auf langen Strecken eine Qual. Aber Atze fährt, weil es eben schon immer so war. »Seit ich Moped fahren kann, tue ich es. Und immer waren meine Karren getunt und umgebaut.« Hardliner eben, mit wenig Kompromissbereitschaft.

Eine 11,3 hat Atze auf der Viertelmeile aus dem Ultima gepresst. Auch 230 km/h auf der Autobahn sind kein Problem. »Niemand anderer kann meine Karre fahren«, sagt der Besitzer. Auch dank des Kurzhubgasgriffs ist das Ding einfach mörderisch

Mit fetten Motoren kennt sich der Kurpfälzer aus, erst von S&S und RevTech, irgendwann das Monster, der Ultima. Atze war mit den anderen Harley-Klonen aus den USA nicht ganz zufrieden, hatte außerdem schlechte Erfahrungen mit einem privat gekauften V2 gemacht. »Späne im Motorraum, ich war stinksauer«, erzählt er.

Im Netz stößt er auf die Motoren von Ultima. In Europa sind die kaum bekannt, auch weil die Zulassung nicht so einfach ist. Rüberholen scheidet aus, aber irgendwann findet Atze einen im deutschen Internet-Auktionshaus. Er telefoniert mit dem Verkäufer, droht ihm Übles an, wenn der Motor nicht in allen Belangen sauber sein sollte. Dann fährt er zur vereinbarten Adresse, das Navigationsgerät endet vorm Clubhaus eines Einprozenter-MCs, der Verkäufer entpuppt sich als Zweimeter-Mann mit tätowiertem Schädel. Atze grinst, »manchmal gehört Glück dazu, meine Drohung hatte keine Folgen und der Motor war in bestem Zustand mitsamt allen Papieren.«

Die  vorverlegte Rastenanlage ist ein klares Komfort-Minus, Mid-Controls waren aber aufgrund der Auspuffanlage und Atzes Körpergröße keine Option

Zu Hause steht der Rahmen fürs Projekt schon bereit, eine Harley-Softail hatte ihn spendiert. Große Änderungen sind für die Aufnahme des Zweiliter-V2 nicht nötig, er passt wie die Wurst in die Pelle. Schritt für Schritt nehmen Atze und seine Freunde sich das Bike nun vor. Getriebe, Anlasser, der Umbau des Sekundärtriebs auf Kette, hydraulische Kupplung – alles, was so ein Bike stärker macht, wird nach und nach vollendet.

Dazu ergeben sich beim Bauen die optischen Komponenten. »Zum Beispiel die Heck-Sitzbank-Kombi, die war so nie geplant«, beschreibt es Atze. Aber nach und nach wurde daraus eine Art Monocoque. Die Rücklicht-Blinker-Kombi ist ins Heck eingelassen. Und das Hinterteil ist so gebaut, dass Atze nicht so leicht runterfallen kann. Klingt komisch, aber macht Sinn bei einem Custombike, das locker über 200 geht.

Harley-Davidson FXST Powercruiser von Suicidal Choppers

So eine Leistung braucht natürlich auch sportliches Beiwerk. Frontend von einer MV Agusta, Sechskolbenzangen im Vorderrad, Hitzeschutz am Auspuff sind solche Parts. Außerdem sind ein paar Goodies mit an Bord, der Kurzhubgasgriff zum Beispiel oder der innenliegende Lenkanschlag im Stummel. Dazu legt Atze Wert auf eine flache Linie und Gewichtseinsparung, wenn möglich.

So wird der Cole-Foster-Tank demnächst durch einen aus Alu ersetzt. Der ist leichter und fasst ein bisschen mehr Sprit. »Alle hundert Kilometer tanken, das kann schon nerven«, meint Atze. Schlimmer noch sind die gelegentlichen Pannen, aber auch sie gehören dazu. »Anlasser, Lichtmaschine, Regler – alles war schon mal kaputt, wurde repariert oder ersetzt«, wer Motorräder fordert, muss das akzeptieren. Als Belohnung gibt es Spaß – auf dem Dragstrip und der Landstraße.

Das seitliche Kennzeichen nicht breiter als der Belt. Damit sieht das Bike auch beim Blick von hinten harmonisch aus. Am Frontend gönnte er sich feinste Sportware von MV Agusta, schließlich muss der Bock einiges aushalten können
 

Technische Daten
Harley-Davidson FXST
Bj. 1988
Erbauer Atze/ Suicidal Choppers

Motor
Ultima 127-cui-Zweizylinder-Viertaktmotor, 
2080 ccm (Bohrung/Hub 107,8 x 114 mm)

Vergaser: Mikuni HSR 45
Luftfilter: Ultima mit K&N-Filter
Auspuff: Krümmer Eigenbau, Hitzebleche
Getriebe: Rev-Tech-Sechsgang
Primärtrieb: BDL mit Stützplatte
Kupplung: BDL, umgebaut auf hydraulisch
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: ca. 140 PS
Drehmoment: ca. 190 Nm
Höchstgeschwindigkeit: ca. 240 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Gabel: MV Agusta USD
Gabelbrücken: MV Agusta/Worschde Bernd
Schwinge: original, mod.
Räder: vo. MV Agusta 3x17, hi. Stocker 7x17
Reifen: Metzeler, vo. 120/70-17, hi. 190/50-17
Bremsen: vo. MV-Agusta-Sechskolben, hi. Scheibe

Zubehör
Tank: Cole Foster m. Pop-Up-Deckel
Sitzbank: Moosgummi-Eigenbau
Lenker: ABM Stummel, verstellbar
Instrumente: Acewell elektronisch
Lampe: Zubehör
Rücklicht: Rücklicht-Blinker-Kombi im Heck
Kennzeichen: seitlich, selbstleuchtend
Schutzbleche: vo. MV Agusta, hi. Blechpatscher
Elektrik: made by Gerdsche
Paintjob: Atze/Bernd

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1660 mm
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Stand:16 June 2019 05:03:13/bikes/harley-davidson+fxst_163.html