Harley-Davidson EL Panhead - Building a Chopper

Text: Horst Heiler  |   Bilder: Benjamin Grna
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Harley-Davidson EL Panhead - Building a Chopper
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Arie VanSchyndel baute einen Chopper, der nach Einfühlungsvermögen verlangt. Wir blicken auf die Anfänge des Chopperbaus zurück
Sie gelten als die Altmeister des Customizing: Barry Cooney, Arlen Ness, Dave Perewitz oder Donnie Smith.
Objektiv betrachtet wurde die alte Riege allerdings abgelöst, hat die amerikanische Custombike-Elite gewechselt. Eindeutig! Und diese neue Generation ist anders ausgerichtet – seit einiger Zeit auch sehr stark rückwärtsblickend. Ihre Ideen für Neuaufbauten und Restaurierungen von Choppern finden sie in alten Magazinen. 

1967 entwarf der Zeichner David Mann diesen Chopper auf einem Bild, beinahe 50 Jahre später wird das Motorrad wirklich gebaut, eine besondere Geschichte

Nur, was war das damals überhaupt, ein Chopper? Wie weit hatte in dieser Zeit ein Sickle vom Serienzustand abgeändert zu sein? Welche Kaufteile waren damals angebaut und vor allem, wo kamen die her? Was war in den Anfangszeiten verrückt genug, was zu viel des Guten? Und der entscheidende Punkt: Was war schön? Das alles sind Fragen, mit denen sich frühe Chopperbauer herumzuschlagen hatten. Heute sind wir in unserer Ansicht geprägt. Von einer Auswahl tausender »schön« gebauter Chopper, abgebildet auf Postern, gezeigt in Bikeshows und natürlich in Zeitschriften. Das formt ein Idealbild! Doch wie sahen diese ersten Chopper damals aus, als sie noch nicht definiert dem Diktat von Proportionierung und Linienführung unterlagen? Das hier vorgestellte Bike wurde Anfang bis Mitte der sechziger Jahre im letzten Jahrhundert entworfen. Ob der Chopper jemals in dieser Art real existierte weiß keiner. Eines aber ist sicher: Was ihr auf den vorliegenden Seiten seht, ist kein Survivor – kein Überlebender aus der Urzeit. Dieser Chopper ist nach dem alten Vorbild ganz neu aufgebaut. 

Alle Rohr und Fittinge mussten überarbeitet werden. Rahmen und Gabel sind geschmälert, die Gabel zusätzlich im vorgegebenen Stil gebogen

Arie VanSchyndel heißt der Erbauer. Nie gehört? Nun, dieser Arie ist ein 37-jähriger Kalifornier, dort szenebekannt und Betreiber der Werkstatt V.E.E. MFG in Nord San Diego. Und er baute dieses Exemplar eines Retrochoppers nach einem alten Poster des Künstlers David Mann. Arie hat eine Vorliebe für das Alte, schon mit seinem ersten Motorrad, einer 1967er Triumph, orientierte er sich an der Historie. Beruflich entwickelte sich Arie in achtzehn Jahren zum Spezialisten in Sachen Überrollkäfige für Sport- und Rennwagen und bei der Anfertigung von Federungssystemen für den Rennsport. So ganz nebenbei wurde seine Firma im Norden San Diegos für Chopperfans zum Anlaufpunkt für Rahmenänderungen und handgefertigter Lenker. Und weil seine Arbeiten bei der New-Breed Chopper-Society als gut angesehen sind, bekam er eine offizielle Einladung zur Born Free Show.

Retrochopper und Bobjobs sind das Thema von Born Free – mit geringen Ausnahmen, denn die bestätigen die Regel. Arie dachte nicht im Traum daran, diese Regel zu brechen. Eher noch daran, sie zu zementieren. Er stellte sich für seinen Beitrag die Belebung eines Meilensteins vor. Einen aus seiner Vorbildsammlung: »Ich habe dieses Poster immer gemocht. Weil … ja, weil das Bike so unkonventionell schien! So absurd, fast lächerlich aussehend, dass niemand jemals auch nur daran denken würde, es bauen zu wollen«. Also genau das Richtige für den Schrauber mit dem Faible für frühere Zeiten. 

Aris Chopper – Harley-Davidson Panhead

»Ich habe ich mit kaum mehr als einem 1950er EL-Panhead-Motor begonnen«,  Schwungscheiben für mehr Kolbenhub und ein verkrumpelter H-D-Wishbone-Rahmen lagen auch noch bei Arie rum. Arie ließ den Motor bei Bob Moreland überarbeiten. Der baute ihm einen Monster-Panhead auf. Zu der schon vorhandenen 114,3-mm- Stroker-Kurbelwelle kamen noch Zylinder und Kolben mit einem Durchmesser von 92 mm und Billy-McCahill-Zylinderköpfe von der revitalisierten Firma STD. Auf Arie selbst kamen massive Arbeiten am Rahmen zu. »Alle Rohre und Fittings waren in irgendeiner Form zu überarbeiten. Den Lenkkopfwinkel behielt ich bei 30 Grad, aber den Lenkkopf selbst setzte ich zweieinhalb Zoll höher«. Der Rahmen ist nun im Sitzbereich verschmälert, beide Aufnahmen der Hinterachse etwas verfeinert und ins Flügeldesign aufgenommen.

Natürlich bekam der angeschweißte und verzinnte Benzintank die Flügel seines Vorbilds verpasst. Was ehemals als ein Fragment einer H-D-VL-Springergabel zu Arie kam, wurde verschmälert, verlängert und im vorgegebenen Stil gebogen. »Und die Fußrasten?«, fragt ihn Ben, unser Fotograf. Arie, der sich an die Zeichnungsvorlage hielt, erwidert: »Habe ich weggelassen, die Kerle hatten ja früher – in mancher Hinsicht – wirklich nur das Nötigste angebaut …« 

Aris Chopper – Harley-Davidson Panhead

Auch beim Apehanger, den Risern, der Sissybar und der unpassend scheinenden, frei im Raum endenden Sitzbank hielt sich VanSchyndel an die Vorgaben des Posters. Irgendwie hat das Bike so etwas gewollt »Zerrupftes«, wirkt wie ein blutiger Geier, der sich aufbäumend mit seinen Artgenossen um Beute zankt … war es nicht genau das, was Dave Mann schon in seiner Zeichnung darstellen wollte? Die Macher der 24. Yokohama Mooneyes Hot Rod Custom Show 2015 jedenfalls fanden den Chopper so gut, dass sie Arie eine Einladung für Dezember zusteckten. Für VanSchyndel bedeutet das: Die nächste Stufe zur Ruhmeshalle der Customizer ist genommen.

Am Gasgriff
Ein Kunstwerk fährt man nicht, man schaut es an. Arie wolllte zeigen, was geht, und keinen streetlegal Chopper bauen – nicht mehr, aber gewiss auch nicht weniger

»Ich habe dieses Poster immer gemocht. Das Bike darauf schien so unkonventionell, so absurd und lächerlich, dass da nie einer daran denken würde, es zu bauen.«

Zur Geschichte
David Mann ist der wohl bekannteste Künstler der Chopperkultur. David selbst fuhr auch Chopper. Die meisten seiner Kreationen baute er jedoch Monat für Monat mit Bleistift und Pinsel auf Papier. Dave starb 2004, seine Zeichnungen sind unvergessen und prägend. Seine Zeichnung »Building a Chopper« entstand, als er noch am Anfang seiner Zeichnerkarriere war. In seinen frühen Arbeiten  die als Poster von Ed »Big Daddy« Roth vertrieben wurden, malte er nicht selten die Bikes der Chopperpioniere vom El Forasteros MC. Dave war da seit 1965 Mitglied … irgendwann wollte der Club nicht länger, dass er ihren Namen in seine Zeichnungen einbrachte. So wurden sie eben umbenannt, wie beispielsweise zum MC Road Vultures – dem Straßengeier MC

Technik
Harley-Davidson EL Panhead | Bj. 1950
Erbauer: Arie vanSchyndel / V.E.E. MFG

Motor
V-Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler, 
1523 ccm (Bohrung/Hub 114,3 x 92 mm)

Zylinderköpfe: S.T.D Spezialanfertigung
Nockenwelle: Andrews
Vergaser: S&S L
Auspuff: V.E.E. MFG 
Getriebe: H-D Viergang
Primärtrieb: Kette
Primärdeckel: Imperial
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 85 PS bei 5600 /min
Drehmoment: 98 Nm bei 3100 /min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 170 km/h

Fahrwerk
H-D- Wishbone-Starrrahmen, modifiziert, 30° Lenkkopfwinkel

Gabel: V.E.E. MFG, 43 cm verlängert
Räder: vorn 21“ Dunlop-Felge, hinten Hochschulter-Alufelge 2,5 x 19“ mit Harley-Davidson-Sternnabe
Reifen: vorn Firestone 2,75 x 21“, hitnen Avon Trackracer 4,0 x 19“
Bremsen: vorn keine, verripte Spool-Radnabe, hinten Harley-Davidson mechanisch

Zubehör
Tank: Harley, angeschweißt, verzinnt
Öltank: H-D, geschmälert
Sitzbank: V.E.E. MFG/Rex Upholstery
Lenker: V.E.E. MFG, 22 mm
Lampe: doppelte Mini-Bates
Rücklicht: Lucas
Sissybar: V.E.E. MFG
Fender: Lowbrow, mod.
Kennzeichenhalter: V.E.E. MFG
Lackierung: Scott Craig

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1700 mm

Info
www.veemfg.bigcartel.com
 
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Stand:17 July 2018 19:25:57/bikes/harley-davidson+el+panhead+-+building+a+chopper_18705.html