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Harley-Davidson – Frisch vom Amt

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Harley-Davidson – Frisch vom Amt
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Mit dem amtlichen Segen in der Tasche direkt zum Fototermin und in unser Magazin. Wolfgang und seine Shovelhead mögen Reisen ohne große Umwege
Zwei Tatsachen fallen schwer ins Gewicht, wenn wir über Wolfgangs Harley sprechen. Zum einen ist der Österreicher Werkzeugmacher, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man einem Motorrad den eigenen Stempel individueller Handarbeit aufdrücken will. Zum anderen ist Wolfgang Member in einem Motorradclub. Nicht in einem dieser Clubs, die die ganz große Politikkeule schwingen, sondern in einem, in dem Motorrad gefahren wird. Das bedingt nicht nur ein zuverlässiges, sondern auch ein legales Bike.

»Ich will kein Bike nur zum Anschauen. Ich fahre viel, deshalb muss mein Motorrad auch zum Fahren taugen«

Und so schnappen wir uns den Mann aus der Steiermark direkt nach der Typisierung – ja, so heißt das in Österreich –, um sein Motorrad zu fotografieren. Sichtlich stolz ist der Selbstschrauber, dass er alle Beamtenhürden sauber umschifft hat, lediglich am Heck gab es leichte Mängel, der Bügel überm Fender war Anlass zu Falten im Prüfergesicht. Aber sonst alles easy für Wolfgangs Shovel. Man muss dazu wissen, dass der TÜV in Österreich fast noch eine härtere Nummer als in Deutschland ist, »Starrrahmen scheiden quasi schon mal komplett aus«, erklärt uns Wolfgang, »vor allem bei Custombikes.«

Die starren Fahrwerke sind bei Originalbikes, die von Haus aus ungefedert fahren, zulässig. Dann aber ist Customizing schwierig, nur eine originalgetreue Restaurierung möglich, um danach ein Oldtimerkennzeichen zu bekommen. »Außer natürlich du kennst jemanden, der jemanden kennt oder hast viel Geld«, sagt Wolfgang. Aber der hatte das Problem ja sowieso nicht, seine Shovel ist gefedert, was bei den vielen Ausfahrten, die er macht, auch wirklich besser ist. »Bikes nur zum Anschauen taugen mir nix«, ist die klare Ansage.

Nach unserem Geschmack ist lediglich der Lenker etwas zu hoch. Grund dafür sind die selbstgefertigten Riser. Erst bei der Montage war klar, die hätten gern auch eine Spur niedriger ausfallen dürfen

Gekauft hatte er das Bike komplett mit Rahmen, eine ziemliche Bruchbude. Er baute sie noch ohne Customaspekt neu auf und fuhr sie tausende Kilometer. Das Umbauen, das sollte trotzdem irgendwann folgen, hatte Wolfgang doch schon früher Erfahrungen damit gemacht – freilich in jüngeren Jahren noch mit Streetfightern und dergleichen. So kommt auch die Harley letztlich auf die Werkbank und erhält neben dem neuen Outfit auch eine ordentliche Motorkur. Das Gehäuse ist original Milwaukee, das Innenleben ist es nicht. Das kommt weitgehend vom Aftermarket-Giganten S&S, dazu starre Stößelstangen und Barnett-Kupplung – irgendwie klassisch, irgendwie modern.

Dazu eine lange Übersetzung für den Sekundär, denn Kenner wissen: Das taugt besser, wenn du Strecke und nicht nur den Dicken machen willst. Die 2-in-1-Auspuffanlage baut Wolfgang selbst, mit Tape umwickelt passt sie perfekt. Als Vielfahrer legt unser Schrauber aber nicht nur Wert auf einen ordentlichen Motor, sondern auch auf ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk. Dazu nimmt er feine Komponenten. Wie wärs zum Beispiel mit einer Showa-Gabel mit Öhlins-Federn –
sowas verbauen auch gerne mal die Jungs aus der Racerecke.

Harley-Davidson Shovelhead – Frisch vom Amt

Die Rundschwinge will Wolfgang behalten, verstärkt sie allerdings und verbaut im Heck Öhlins-Federbeine. Das Rad vorn ist zwar original Harley, trägt aber normalerweise eine Trommelbremse. Auch hier steht Fahrbarkeit im Fokus und Wolfgang baut das Rad für die Aufnahme einer modernen Scheibenbremse um. Hinten darf die Trommel bleiben, da reicht das. Sieht trotzdem bretthart aus, das Teil, bemerken wir beim Blick auf die minimale Sitzbank.

Wolfgang winkt ab, »die ist gar nicht so hart. Da ist manche Moosgummi-Konstruktion schlimmer.« Zwei Zentimeter Schaumstoff und vier Millimeter Leder auf der Eigenbau-Platte empfindet unser Mann dann auch durchaus als komfortabel. Zahllose Eigenbau-Halter und Streben lohnen einen weiteren genauen Blick, da hat einer richtig viel selbstgemacht.

Harley-Davidson Shovelhead – Frisch vom Amt

Auch die finale Lackierung stammt übrigens aus Wolfgangs Hand. Mittels Schablonen hat er das geflügelte Rad auf den Tankseiten vorgefertigt und anschließend aufgebracht. Ansonsten ist alles dran, was man für ein legales und cooles Bike braucht, da konnten auch die Jungs vom Amt nicht mehr anders – Stempel drauf, Abfahrt.

Am Gasgriff
Richtig böse klingt Wolfgangs Shovelhead. Und richtig gut fährt sie. Bis zu 200 km/h sind möglich, eine Reisegeschwindigkeit von 140 km/h normal für den Vielfahrer. Tausende Kilometer liegen vor Wolfgang – viel Spaß dann auch

Technische Daten
H-D FLH Shovelhead | Bj. 1970
Erbauer: Wolfgang Mayerl

Motor
S&S 96 cui-Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler,
1573 ccm (Bohrung/Hub 92,2 x 117,6 mm)

Zylinderkopf: S&S
Kurbelwelle: S&S
Nockenwelle: S&S
Zündung    Unterbrecher
Vergaser: S&S Super B
Kupplung: Barnett
Luftfilter: Eigenbau
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 90 PS bei 5700 /min
Drehmoment: 130 Nm bei 3800 /min
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Fahrwerk
H-D-Shovelhead-Schwingrahmen

Gabel: Showa
Federbeine: Öhlins
Schwinge: H-D, verstärkt
Räder: Harley
Reifen: Metzeler Marathon, vorn und hinten 130/90-16
Bremse: vorn Scheibe 300 mm, hinten Trommel

Zubehör
Tank: Sporty Kingsize, modifiziert
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Boss
Armaturen: Eigenbau
Instrumente: motogadget
Rücklicht: Bates
Fußrasten: Eigenbau
Fender: Eigenbau
Paintjob: Wolfgang Mayerl

Metrie
Leergewicht: 230 kg
Radstand: 1510 mm
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Stand:27 May 2019 13:10:09/bikes/harley-davidson+-+frisch+vom+amt_171207.html