Fukker Finale 2015 – Team Dragstar: Die K-Frage

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Fukker Finale 2015  – Team Dragstar: Die K-Frage
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BMWs K-Modelle sind inzwischen ganz schön angesagt, und eigentlich wissen wir gar nicht so genau, warum. Da stellt uns der Ulf ein Bike vor die Füße, das sich gewaschen hat – und die K75 in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt
Boxer, ja, die bauen im Moment viele. BMW ist die Basis der Stunde und gerade, wer in der Cafe Racer- und Scramblerszene wühlt, muss mindestens eine BMW im Portfolio der selbstgebauten Visitenkarten haben. Dabei ist die Sache mit den coolen Boxern gar nicht mal so schwer.

Fukker Finale – Team Dragstar: Die K-Frage

Alles wegreißen, was möglich ist, dazu ein bisschen Stilgefühl und schon habt ihr einen coolen Bajuwaren am Start. Aber mal ehrlich, der wahre Reiz liegt doch nicht bei den Lieblingskindern einer Marke, sondern bei den schwarzen Schafen, den Stiefkindern, den ungeliebten Sprösslingen. Selbst BMW hat mit seiner K-Baureihe sowas zu bieten. 1985 rauschend vorgestellt, war es zehn Jahre später schon wieder vorbei mit den Dreizylinder-Tourern, nachfolgende Ks waren vierzylindrig unterwegs. Irgendwie hatte es so kommen müssen, denn schön war so eine K75 halt einfach nicht.

Und doch, aktuell probieren sich viele daran, die alten Tourer umzubauen. Das ist der großen aktuellen Beliebtheit von BMWs in der Umbauszene geschuldet, zumal die Boxermodelle nicht mehr für kleines Geld zu haben sind. Zum anderen kann man kaum besser als mit einer K beweisen, was man so auf dem Kasten hat. Denn neben unschöner Rahmenform, wartet das Modell auch mit der ungeliebten Wasserkühlung und jeder Menge Elektrik auf – viele Herausforderungen für amtliche Schrauber. Und einer, der sich ihnen gestellt hat.

»Die Slicks fahren sich erstaunlich gut«, erzählt Ulf. Wenn man bedenkt, dass immerhin ein 200er auf der Ducati-Felge dreht, ist das bemerkenswert

Ulf hatte sich mit breiter Brust für unseren Wettbewerb der Privatschrauber beworben: »Ich kann, will und werde einen Fukker bauen«, heute schmunzelt er ein wenig, »ja, das war schon etwas großkotzig. Gerade die letzten sechs Wochen waren einfach brutal.« Klar, denn schließlich hatte der Münchner ein ehrgeiziges Projekt gewählt, trat zudem als Einzelkämpfer an und schraubte aus Rücksicht auf seine Familie nur an den Abenden unter der Woche.

Aus einer K75 wollte er einen starren Dragracer bauen, mit einem eigenen Rahmen, für den er zunächst eine Rahmenlehre anfertigen musste. Dass er im wahren Leben gelernter Industriemechaniker und Diplom-Ingenieur ist, machte die Sache zwar einfacher, aber auch Ulf musste Lehrgeld bezahlen. »Ich habe zum Beispiel meine Drehbank nochmal neu liebgewonnen«, erzählt er. Zahllose Teile entstanden auf ihr, auch solche, die die Ein- und Ausrichtung des selbstgebauten Rahmens überhaupt erst möglich machten. Aus Rohren von 35 und 50 mm Dicke war das Fahrwerk entstanden, das im Heck ungefedert ist. Hinten starr, vorn wuchtig, die Duolever-Gabel aus der BMW K1200 S ist eine massive Ansage. Dazu sorgt ein gekürztes Federbein für etwas Komfort. Gekürzt, weil die Karre von Anfang an tief liegen sollte. Auch ein möglichst dicker Hinterreifen stand auf dem Wunschzettel, ein 200er-Slick dreht jetzt auf der Ducati-Felge, »fährt sich erstaunlich gut«, versichert Ulf. 

»Die Auspuffanlage kommt gut: Der Sound ist knackig und kernig. Ich habe mich sehr gefreut, als ich ihn das erste Mal hören konnte«

Neue Erkentnisse für neue Projekte
Für den Aufbau musste der Münchner außerdem seine Schweißkenntnisse neu auffrischen. Da der Rahmen lackfrei geblieben ist, zeigt er auch deutlich, dass dieser Punkt gut funktioniert hat, die Schweißnähte sind sauber gezogen. Dazu setzte Ulf alte Techniken aus Lehrbüchern um. Den Heckfender – seinen ersten überhaupt – trieb er klassisch mit Sandsack und Hammer in Form. Viele weitere Details an der »Dragstarr« könnten wir euch aufzählen, aber der Platz reicht dafür einfach nicht.

Und überhaupt, Ulf ist im Kopf schon wieder am Tüfteln. Sieben BMW-K-Modelle stehen noch in seiner Werkstatt, aus ihnen sollen völlig unterschiedliche Custombikes entstehen, »so fünf Jahre Zeit habe ich dafür mal eingeplant.« Die Erkenntnisse aus der Fukker-Nummer könnten dabei hilfreich sein. Da wäre zum einen die Einsicht, dass es doch hier und da Freunde braucht, die helfen können – gerade wenn die Zeit knapp ist. So konnte Ulf die sonnengelbe Lackierung von Tank und Gabel am Schluss nicht mehr ganz allein durchziehen, sondern holte sich Hilfe. Auch bei anderen Teilen ließ er Freunde nochmal prüfend drüber schauen, bevor montiert wurde. Und noch was hat er gelernt: »Das Leben ist zu kurz für schlechtes Werkzeug.« 
Im Detail
Als die K100 im Jahr 1983 vorgestellt wurde, klang alles so einfach. Der K-Motor sollte ein Baukasten-Motor werden, denn für Baukastensysteme war BMW ja berühmt: Einfach ein Loch weniger in den Motorblock bohren, und schon läuft die K auch als Dreizylinder und heißt dann einfach K75. Es wurde so einfach nicht, denn die Hubzapfen der Kurbelwelle mussten um je 120° versetzt werden. Und vor allem benötigte der unrund laufende Motor Ausgleichsgewichte, die BMW immerhin sinnig an der untenliegenden Abtriebswelle platzieren konnte, die auch die Kühlwasserpumpe antreibt.

Das Original. Kaum zu glauben, was Ulf aus der K75 gezaubert hat

Schließlich bekam die K75 auch noch eine höhere Verdichtung, um auf die geforderten 75 PS zu kommen. Damit gewann BMW tatsächlich eine weitere Zielgruppe der Fahrer, die es etwas leichter und quirliger haben wollten. Die wurden von 1985 bis 1995 bedient, die vollverkleidete Tourenversion lief sogar bis 1997 vom Band.
Technik
BMW »Dragstarr« | Bj. 2015
Erbauer: Ulf Musekamp

Motor
Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, dohc-Zweiventiler, 
740 ccm (Bohrung/Hub 67 x 70 mm)

Vergaser: Saugrohreinspritzung
Luftsammler: Eigenbau
Luftfilter: K&N
Kupplung: Serie mit EIgenbau-Hydraulik
Auspuff: originaler Krümmer, BMW-S100R-Dämpfer
Sekundärtrieb: Kardan
Getriebe: Fünfgang
Leistung: 75 PS bei 6750 /min
Drehmoment: 68 Nm bei 6750 /min
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h

Fahrwerk
Eigenbau-Rohrrahmen

Schwinge: R1200C, gekürzt
Federbeine: vorn Wilbers, hinten starr
Gabel: K1200S-Duolever
Räder: Ducati, vorn 3,5 x 17, hinten 6,0 x 17
Reifen: Dunlop Slicks, vorn 120/70-17, hinten 200/55-17
Bremsen: vorn Braking Scheibe 320 mm, hinten Braking Scheibe 276 mm

Zubehör
Tank: H-D Sportster, externe Bosch-Kraftstoffpumpe
Tankdeckel: R1100R
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Ducati Multistrada, modifiziert
Lenkerhalter: Eigenbau
Armaturen: Magura/Brembo
Fender: Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau

Metrie
Leergewicht: 190 kg
Radstand: 1630 mm
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Stand:23 June 2018 04:36:19/bikes/fukker+finale+2015++-+team+dragstar+die+k-frage_18129.html