Fahrtest: BMW Bobber-R80

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Frank Kletschkus
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Fahrtest: BMW Bobber-R80
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Box-Klub - was macht den Reiz einer klassischen Zweiventil-BMW aus? CUSTOMBIKE hat die Bobber-R80 von BoxerConcept einem klärenden Fahrtest unterzogen
Ganz offensichtlich befinden wir uns in einer Renaissance der alten Boxer-BMWs. Jung und Alt kramen ihre Zweiventiler aus dem Keller und erfreuen sich an … ja, an was eigentlich? Fragt man sich ernsthaft, was eine alte Boxer-BMW so faszinierend macht, dann kommt man schnell auf deren einfachen, logischen Aufbau. Ganz sicher trägt die allzeit sicht- und spürbare Robustheit einen entscheidenden Teil zur Beliebtheit der bayerischen Alleskönner bei. Diese Aura des Unzerstörbaren, wenn der Boxermotor dumpf brummt, die Federelemente sanft wiegen und der Ständer einrastet wie der Handschuhkastendeckel eines Heckflossen-Mercedes.

Und dennoch fühlt sich ein Zweiventilboxer an wie ein klassisches Motorrad. Simpel, ohne Elektronik, fast wie ein Oldtimer. Keine Frage, diese Mischung aus stabil und Vintage ist reizvoll. Normalerweise erkauft man sich diesen Genuss jedoch mit der spießig-biederen Ausstrahlung, die eine BMW der späteren 70er- und 80er-Jahre nunmal umweht. Es sei denn, fachkundige Umbauer legen Hand an und verwandeln selbst Bauernmodelle in ansehnliche Custombikes.

Minimalistisch: Der Arbeitsplatz erinnert an ein Zwanzigerjahre-Eisen

Neu im Geschäft ist BoxerConcept in Hamburg. Obwohl, Schrauber Rudi feilt schon seit den Siebzigerjahren professionell an individuellen Harleys und sein Partner Thomas ist seit eh und je den klassischen Motorrädern verfallen, etwa Indian, Guzzi, CB 750. Nun also BMW. Die beiden haben drei Grundtypen entwickelt, die sie zu Preisen ab rund 12.000 Euro anbieten. Das Scrambler-Modell »Sahara« als Ein- oder Zweisitzer, der Cafe Racer »Bonneville«  und auch der Bobber, den wir hier und heute einem Fahrtest unterziehen wollen, basieren auf den BMW-R80- und R100-Typen mit der Monolever genannten Einarmschwinge.

Diese Modelle gelten als ausgereift, sehr stabil und harmonisch. Aber wirklich schön, das sind sie ab Werk eben nicht. Kein Problem, dachten sich Rudi und Thomas, und begannen mit der Gestaltung des Bobbers. Sie zogen traditionelle 4,50-18-Firestone-Reifen auf die serienmäßigen Gussfelgen, entfernten das Rahmenheck, legten Gabel sowie Federbein um vier Zentimeter tiefer und drehten die Tauchrohre um. Damit verschwinden nicht nur die Brembo-Bremssättel hinter die Gabel, auch verkürzt sich der Radstand, was für eine wendigere Auslegung dieses typischen Stadtbikes sorgt.

Jede Menge Motor: Deutlich ist zu erkennen, wie die charakteristische Einbaulage des Boxers die schlanke Linie durchbricht

Den plumpen Originaltank ersetzten die BoxerConcept-Macher durch einen alten Zündapp DB 200-Tank, alternativ geht auch der hübsche Behälter einer Suzuki GN 250. Sämtliche Anbauteile durchliefen einen Schrumpfungsprozess, Bates-Scheinwerfer, Solosattel, /5-Ventildeckel und knapper Fender ersetzen die Serienteile. Winzige Blinker, ein Lenker von LSL und ein seitlicher Kennzeichenhalter ergänzen den minimalistischen Coktail. Da auch die zahmen BMW-Töpfe einer 2-in-1-Auspuffanlage weichen mussten, klingt die R80 regelrecht rotzig. Tiefes Ansaugschlürfen aus den offenen Trichtern stimmt in diesen bassigen Chor ein.

Kompakt wirkt sie, die Concept-R80, geradezu klein. Wie eine 250er hebt sie sich vom Seitenständer in die Gerade, kaum 700 Millimeter hoch kauere ich über der Fahrbahn. Wenig Drehzahl reicht zum Anfahren, und vom ersten Meter an bin ich überrascht über die Leichtfüßigkeit der BMW. Lediglich die weit abstehenden Zylinder durchbrechen den Eindruck vom kleinen Motorrad. Da die charakteristischen Beulen rechts und links des Motorgehäuses aber weder in Kurven aufsetzen, eigentlich nicht einmal viel breiter sind als der Vierzylinderblock einer CB1100 und außerdem so sympathisch die Füße wärmen, freunde ich mich schnell mit ihnen an. Zumal der sanfte Druck aus 50 Pferden zwar nicht atemberaubend, aber eben auch nicht müde herüberkommt.

die beiden abstehenden Zylinder setzten nicht auf und wärmen die füsse sympathisch

Aufgrund der kurzen Federelemente rollt die bayerische Hamburgerin trocken ab, sensible Gemüter würden den Komfort schlicht »knallhart« nennen. Doch die zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Ballonreifen filtern so einige Unzulänglichkeiten aus der Fahrbahnoberfläche schlicht weg. Gemeinsam mit den zupackenden Brembo-Bremsen verführt die einst so brave BMW vor allem in der Stadt und im näheren Umland zu einem flotten Strich. Ach ja, das Beste: Sie sieht dabei aus wie ein Oldtimer und ist zuverlässig wie eh und je.
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Stand:22 November 2018 12:11:00/bikes/fahrtest+bmw+bobber-r80_151.html?preview=CUSTOMBIKE22015