Ehinger Kraftrad Speedster

Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Dirk Weyer für Ehinger Kraftrad
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Ehinger Kraftrad Speedster
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Speedster – Eine Hommage an die Vintage-Racer, der zweite Teil einer Trilogie, noch dazu gespickt mit technischen Leckereien: Die neue Knucklehead von Ehinger Kraftrad ist ein ernsthaftes Ausnahmebike

Es passiert nicht oft. Aber wenn es dann so weit ist, dann knallt es gewaltig. Nur etwa alle zwei Jahre haut Uwe Ehinger von Ehinger Kraftrad einen amtlichen Oberkracher raus. Ein Motorrad, das von vorne bis hinten anders aussieht als andere und damit das Aufsehen der gesamten Szene auf sich zieht. Für 2015 hat er die »Speedster« entwickelt, die einerseits von schlanken Grasbahnmaschinen inspiriert wurde, auf der anderen Seite als eine Hommage an die Racing-Bikes der Zwanziger- bis Vierzigerjahre zu verstehen ist.

Ganz abgesehen davon ist das schlanke Bike der pure Wahnsinn. Während ich noch rätselnd über so manches Detail staune, erklärt Uwe den theoretischen Unterbau des Projekts: »Die Speedster ist das zweite Bike einer Trilogie, die mit dem Snowracer begann, einem Hillclimber, nun ein vom Speedway inspiriertes Bike hervorgebracht hat und mit einem Salzseerenner enden wird.«


 
Klingt interessant. Noch viel interessanter aber scheint mir die Konstruktion des V-Zweizylinder-Motors zu sein. Ein traditionelles 45°-Triebwerk, das zunächst aussieht wie ein Harley-Knucklehead, bei näherer Betrachtung aber völlig anders funktioniert. »Bei manchem Konzeptbike scheint der Erbauer erst am Ende darüber nachzudenken, dass das Bike ja auch irgendeinen Motor braucht. Ich finde, ein extremes Custombike muss auch einen ausgefallenen Motor haben«, stellt Uwe klar, »für mich besteht ein Motorrad vor allem aus Motor.«

Und dieser hier, der hat es in sich. Ehinger hat am Rechner eigene Knucklehead-Zylinderköpfe entworfen, die sich mit dem 1937er Viernocken-Rumpfmotor einer Seitenventil-Harley-Davidson-U kombinieren lassen. Als weitere Besonderheit verfügen die ohv-Köpfe über einen offen laufenden Ventiltrieb. Den beträchtlichen Aufwand der Adaption belegen die aus dem vollen Aluminium gefrästen Rocker. Ein extrem schmaler 1“-Primärbelt leitet die Kraft zur Trockenkupplung am Harley-Vierganggetriebe weiter. Lohn der Mühen ist ein einzigartiger V2 mit 1200 ccm, der »an die 750er Magnum- oder die Koslow-ohv-Motoren erinnert, und der viele neue Ideen in sich vereint«, so der Hamburger.



Auch die Konzeption der übrigen Details hat Uwe zunächst mit CAD-Programmen entwickelt und dann in Kooperation mit vielen guten Leuten umgesetzt. So hat Udo Sacher von U.S. Custombikes weite Teile des Aufbaus übernommen, Bernhard Naumann – der Blechmann – aus Österreich das Bodywork umgesetzt oder Danny Schramm von Schrammwerk die Lackierung ausgeführt. »Wir sollten nicht nur immer sehnsüchtig in die USA schauen, wir können in Deutschland auch verdammt viel«, lobt Uwe seine Kooperationspartner.

Doch was genau wurde bei der Speedster eigentlich gemacht? Warum wirkt sie so ungewöhnlich, wieso ist der Rahmen so schmal? »Wir haben den Harley-Starrrahmen mit ursprünglich zwei Unterzügen auf Single Downtube geändert und außerdem hinten genarrowed«, erklärt Uwe den Grund der schlanken Erscheinung. Auch die Springergabel wurde schmaler gemacht, selbst gezeichnete Dogbones und obere Gabelbrücke aus dem Vollen gefräst.

Heckfender und modular aufgesetzter Benzintank bestehen aus Aluminium. »Auch ein Teil des Rahmens dient als Tank«, zerstreut Uwe alle Bedenken wegen eines zu geringen Tankinhaltes. Auf einen separaten Öltank kann das Bike indes verzichten, denn der glimmernde Banana-Seat bunkert den Schmierstoff in seinem Inneren. Stummellenker, Speedway-Gasgriff und kantige Startnummerntafel, auf der das Baujahr des Motors vermerkt ist – nichts an diesem Motorrad ist gewöhnlich.

Der klassische Linkert-Vergaser musste sein, der Primärbelt ist ein Zoll schmal. Die Muster der Hinterradabdeckung stammen aus der Hypnosetherapie

Auch nicht die Bereifung mit vorne 23 Zoll und hinten 22 Zoll, die direkt von der Sandbahn kommt. Verlangsamt wird die Speedster vorne über doppelte Beringer-Inboard-Bremsen mit selbst konstruierter Parallelogrammabstützung. Auch das hintere Rad verzögert per Beringer-Inboard, fällt aber vor allem durch die psychedelischen Radabdeckungen ins Auge. Dazu der Ehinger-Kraftrad-Chef: »Früher haben die Speedway-Fahrer ihre Räder mit Spiralen und anderen Eyecatchern verziert, bis dann die Sponsorenaufdrucke kamen. Wir haben ein Muster aus der Hypnosetherapie verwendet. Also besser nicht zu lange draufgucken …«

Mit diesem Ausnahmebike wurde Uwe übrigens als erster deutscher Customizer zum »Invited Builder« der Born Free in Kalifornien eingeladen. Die Veranstalter Mike Davis and Grant Peterson hatten ihn nachträglich um die Teilnahme gebeten, nachdem sie von der Speedster erfahren hatten. Denn oft passiert es nicht, dass – wo auch immer – ein solch abgefahrenes Motorrad entsteht.

www.ehingerkraftrad.com
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Stand:17 July 2018 19:22:58/bikes/ehinger+kraftrad+speedster_156.html