Ducati 900 SS

Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Benjamin Grna
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Ducati 900 SS El Chupacabra – der Ziegensauger. Ein Märchenwesen aus dem Lateinamerikanischen hat sein neues Jagdrevier im Schwäbischen Hügelland erschlossen. Sleep with one eye open ...
Als Biker mit Leib und Seele leidet man unter vielen Gebrechen. Einige davon sind nicht zu kurieren und kommen einfach mit dem Dasein als Kradreiter, andere hingegen sind selbstverschuldet und lassen die Benzingespräche leben. Die Wahl der Umbaubasis ist so ein eigenverursachtes Leiden. Motor geil, Fahrwerk mies und umgekehrt oder ergänzt durch grenzwertige Rahmenoptik mit angeschweißten Haltelaschen, deren Zahl Legion ist. Mannigfaltige Kombinationen aus den genannten Grundzuständen hat jeder von uns in der Garage schon erlebt und wird es immer wieder erleben. Doch der Wille siegt. Das Objekt wird zum Projekt und die müssen beendet werden. Das sagt schon Onkel Hornbach im TV.

. Der Höcker scheint auf dem Rahmen zu schweben. Fein gelöst

Als Halter einer reinblütigen Italienerin von der Rasse Ducati 900 SS braucht man sich wenig Sorgen um Motor, Fahrwerk oder Rahmenschändung machen. Von den Faulen lernt man das Schaffen, scheint in Bologna bei der Montage laut über die Lautsprecheranlage skandiert worden zu sein, denn die luftgekühlten Sportbikes der 90er Jahre sind extrem clever und zugleich einfach zusammengeschraubt. Da ist nix zu viel und nix zu wenig.

Die Elektrik ist kompakt in der Verkleidung komprimiert worden, zwar etwas unübersichtlich, aber alles an einem Fleck. Aus diesem Grund zeigt sich der Gitterrohrrahmen ziemlich aufgeräumt und frei von irgendwelchen Haltern oder Blechverbrechen. Diesen Vorteil wusste auch Jens von Soulmoto in Stuttgart für sich zu nutzen und konnte sich voll und ganz auf seine Interpretation eines modernen Customizings konzentrieren.

Motogadget und Samsung Tablet vereint unter der Kanzel. Verrückt und unnütz. Toll. Merke: Eine Duc mit Trockenkupplung und sauberer Kupplungshydraulik gibts es nicht

So wurden Motor und Zylinderköpfe revidiert, mit programmierbarer Zündung und neuen Vergasern versehen, in der Basis aber unberührt gelassen. Wer die Vergasermotoren kennt, weiß, dass diese Maßnahmen die Performance im unteren Drehzahlbereich brauchbar steigern, Stichwort Loch bei 4000 Touren und Hacken bei 3000 Drehern pro Minute. Ob am Ende dann 80 PS oder deren 78 (Serie) bei 7500 Touren anliegen, ist vernachlässigbar. In der Mitte muss es knallen und drücken. Für ein optisches Tuning reicht das Weglassen der Kupplungs- und Riemenabdeckungen, das gibt dem Motor ein martialisches Gesicht. Die getapten Eigenbaukrümmer entlassen die Lebensäußerungen des 904 ccm großen Zweizylinders über einen kecken GPR-Endtopf eindrucksvoll und getüvt in die Welt.

Für ein optisches Tuning reicht das Weglassen der Kupplungs- und Riemenabdeckungen, das gibt dem Motor ein martialisches Gesicht.

Optik, Details und Kram, den kein Mensch braucht. Aus diesen drei Musen ist der Stoff zum Customizing gemacht und davon bietet die El Chupacabra genug. Lassen wir den Blick schweifen von der klassischen Halbschalenverkleidung über den originalen Tank bis zum knackigen Bürzel mit der feinen Lederauflage fürs eigene Leder. Das laminierte Heckteil scheint über dem Heckrahmen zu schweben und die Kennzeichenbeleuchtung in Form eines illuminierten Desmo-Schriftzuges lässt niemanden im Unklaren über den Antrieb der Ventile. Die Lackierung erinnert an eine Mischung aus Tarnfarben und Britishracing Green, dezent, unspektakulär, aber sehr wirkungsvoll. Der Ziegensauger muss sich ja ungesehen anschleichen können.

Eine Hürde, an der wir alle im Schrauberwahn straucheln, ist der Kupferwurm in den Eingeweiden der künftigen Schönheit. Damit hinterher alle Lampen blinken, der Motor rumpelt und die Karre uns beim Start nicht direkt abbrennt ist beim Eingriff in die Elektrik Vorsicht geboten. Soulmoto zahlte bei diesem Thema mit sehr viel Lehrgeld. Nach Murks an der Kabellage mit abschließendem Kabelbrand bearbeitet er den neuen Kabelbaum sehr intensiv, um seine Vision zu verwirklichen. Die originalen Anzeigen mussten einem Motoscope von Motogadget weichen und werden von einem, Obacht, Samsung Tablet mit allerlei Spielerei unterstützt. Wahrscheinlich auch mit Nachtsichtmodus, um die Beute besser zu finden.

Aber auch die Königsdisziplin ist individuell gelungen: Die Lenkerschalter sind entfernt und nach Möglichkeit unsichtbar in die Verkleidung verlegt worden. Die notwendigen Restknöpfe sind klein und fein in Karbonschellen am Stummel verbaut worden. Schnell, leicht und getarnt geht die Duc El Chupacabra nun auf die Pirsch, aber nicht nach Ziegen, sondern nach Vertretern japanischer Zweiradgattungen im schwäbischen Asphaltgeläuf.

Für das Fazit bleibt uns ein sehr gelungener Umbau auf einer sehr dankbaren Basis. Das unangetastete Fahrwerk ist Garant für sportlichste Fahrbarkeit mit Charakter und Seele. El Chupacabra ist auf der Jagd. Watch your back.
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Stand:20 November 2019 07:37:48/bikes/ducati+900+ss_1510.html Warning: fopen(cache/58753eb4f88688e77e38ce726746938c.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163