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Customizing History - BSA A 65

Text: Katharina Weber  |   Fotos: Benjamin Grna
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Customizing History - BSA A 65
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Custombikes, die vor Jahrzehnten gebaut wurden und heute noch auf deutschen Straßen unterwegs sind: Ein Ausflug mit den alten Recken und ihren Bikes, wie die BSA A 65 von Heinz
Profi, wie ihn alle nennen, erinnert sich gut an ein Gespräch, das er in den 1990er-Jahren in Sturgis mit einem amerikanischen Customizer führte. Sie unterhielten sich über die vielen bildschönen Chopper, die Ende der 60er- Anfang der 70-Jahre in den USA entstanden waren und die schon damals völlig von der Bildfläche verschwunden waren. Der Ami-Schrauber sagte dabei einen Satz, der sich ins Gedächtnis des Deutschen brannte: »Die Kunst ist es nicht, die Maschinen zu bauen, sondern sie zu erhalten.«


Wie das damals so war: Das Bild stammt aus dem Jahr 1979. Gerade hatte Profi zwei Lehrlingsgehälter geopfert, um seiner BSA den Tank einer Rocket 3 America zu verpassen. Die Sissybar war ebenfalls schon montiert – und bis zu Apehanger und violetter Lackierung sollte es auch kaum mehr als ein weiteres Jahr dauern. Dann nämlich, im Frühjahr 1980, erhielt die Engländerin das Outfit, das sie noch heute zur Schau trägt – mit ein wenig mehr Patina versteht sich

Zum Zeitpunkt dieses Gespräches besaß Profi seine BSA A 65T schon knapp 20 Jahre, voll umgebaut sowieso, in einem Stil, der Mitte der 90er komplett out war und auch heute bei weitem nicht den Massengeschmack trifft. Trotzdem ist sich der Herzblut-Biker treu geblieben. Und nicht nur er. Als wir unseren Fotografen schicken, den »Oldtimer-Chopper«, wie Profi die BSA liebevoll nennt, zu fotografieren, erschließt sich ihm bei seiner Ankunft eine neue, alte Welt. Sechs Männer sind zusammengekommen, sie fahren Motorräder aus einer anderen Zeit, allesamt Chopper. Selbstverständlich, und das schon seit Jahren. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben, an diesem Tag, irgendwann 2013. Und obwohl alle Bikes ein Porträt wert wären, greifen wir uns Profis BSA raus, um sie hier genauer zu präsentieren.

Ein Custombike aus einer anderen Ära: Für 1000 Mark hatte Profi seine BSA 1976 gekauft. Der endgültige Umbau mit der violetten und mit Blattgold versehenen Lackierung erfolgte 1980. Seitdem wurde bis auf Kleinigkeiten nichts geändert

1976 hatte er das Motorrad für 1000 D-Mark gekauft, damals war es erst vier Jahre alt, aber schon ziemlich runtergewirtschaftet. »Der Motor war zuverlässig, die Elektrik nicht«, erzählt Profi, »nicht umsonst wurde die Firma Lucas damals in England gerne Prince of Darkness genannt. Ich erinnere mich an eine Nacht in der Wildnis, morgens um drei war mir der Kabelbaum verglüht«. Die Elektrik legte der Selbstschrauber in einer der Umbauphasen des Bikes Ende der 70er-Jahre schließlich komplett neu. Seitdem läuft das. Dass Profi Chopperfan war und ist, ist außerdem unübersehbar. Als Jugendlicher schon hatte er sich mit den Freunden die raren »Street Chopper«-Magazine an deutschen Tanken abgegriffen. »Ich wäre lediglich gerne noch zehn Jahre früher geboren, dann hätte ich den Chopperboom Ende der 60er-Jahre noch intensiver, auch auf dem Mopped, miterleben können«, erzählt der heute 56-Jährige. »So musste ich den Idolen mitfahrend im Auto und auf Mofas hinterherjagen. Es war sensationell, es ließ mich nie wieder los«, erzählt Profi, der die komplette Chopperära in Deutschland miterlebte, selbst Mitglied in einem größeren MC war.

BSA A 65

1977 versuchte er das erste Mal, seine  BSA umzubauen, die Lackierung nach Vorbild der John-Player Lotus-Rennwagen, damals schon mit Blattgold als Effekt. Der ernsthafte Umbau der Engländerin kam aber erst 1979. Da baute er den Tank der »Rocket 3 America« auf sein Bike. »Mir standen dabei die Tränen in den Augen. 600 Mark, zwei Lehrlingsgehälter, hatte das Gefäß gekostet, eine Welt. Aber ich musste diesen Tank haben«, erinnert sich Profi. 1980 schließlich die finale Version der BSA. Damals wurde das Bike bis zur letzten Schraube zerlegt und in Brillant-Effekt-Violett und mit viel Chrom wieder aufgebaut. Sissybar, Fußrasten, Apehanger und Riser hatte er selbst gebaut.

BSA A 65

Der Zweizylinder-Motor ist komplett verchromt, die Matchless-Auspufftüten spucken Tradition auf den Asphalt. Profis BSA hätte in genau den Magazinen porträtiert werden können, die er früher als Junge verschlang. Über die Jahre hat das Bike Patina angesetzt, ganz klar. Sie ist auch nicht das einzige Bike in Profis Werkstatt. Aber wenn er den englischen Twin bewegt und zusammen mit den alten Recken auf BMWs, XS und weiteren BSAs unterwegs ist, dann ist es, als kickten sie eine Zeitmaschine an. Dann ist die Erinnerung da, an die gute alte Chopper-Ära in Deutschland, als die Karren wild waren und die Männer noch jung. Als Rockerclubs die Custom-Richtung vorgaben, auf den Treffenwiesen rebelliert und gefeiert wurde. Als BMWs zu Choppern wurden und eine eigene Harley ein großer Traum war. Damals, vor über 30 Jahren in Deutschland.

Am Gasgriff 
Seit über 30 Jahren fährt Heinz sein Motorrad. Immer mal wieder kleine Änderungen und regelmäßiger Service reichen aus, der getunte Twin dreht willig hoch und kommt auch mit hohen Drehzahlen zurecht. Bremsen und Fahrwerk sind freilich Stand 1972. Macht aber nichts, denn auch alte Recken fahren irgendwann ruhiger

Motor
Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
840 ccm (Bohrung/Hub 79 x 85 mm)

Kurbelwelle: Norton
Kolben: Triumph
Vergaser: Amal
Zündung: Boyer Bransden
Ölkühler: Harley
Auspuff: Matchless-Schalldämpfer
Getriebe: Viergang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 60 PS bei 6500 /min
Drehmoment: 76 Nm bei 5000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen Stahlrohrrahmen
Gabel: BSA, verlängert
Riser: Eigenbau
Stoßdämpfer: Koni
Räder. vorn 3,25-19, hinten 5,00-16
Bremsen vorn Simplex-Halbnaben-Trommel, hinten VW-Trommel hydraulisch

Zubehör
Tank: BSA Rocket 3
Lenker: Eigenbau-Apehanger
Sitzbank: Eigenbau
Sissybar: Eigenbau
Scheinwerfer: Hella
Fußrasten: Eigenbau, vorverlegt
Lack: Brillant-Violett mit Blattgold

Metrie
Leergewicht: 190 kg
Radstand: 1430 mm 
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Stand:27 May 2019 13:34:07/bikes/customizing+history+-+bsa+a+65_17918.html