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Yamaha XS 650 – Cross Bobber

Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim, Marco Hermann
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Yamaha XS 650 – Cross Bobber
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Auf der CUSTOMBIKE-SHOW 2017 wurde Marco zum »Rookie Of The Year« gekrönt. Jetzt hat der junge Belgier nachgelegt und zeigt mit dieser Yamaha XS 650 seine Interpretation eines Bobbers
Fast scheint es, als wären gerade einmal ein paar Tage rum und nicht gleich ein ganzes Jahr, doch der Kalender lügt nicht. Es ist Anfang Dezember 2018, die CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen steht kurz vor Toröffnung, als unser »Rookie of the year 2017« seine neueste Schöpfung für die Bikeshow anmeldet.

War es 2017 eine Honda CB 550, die der Jungschrauber in einen blitzsauberen Roadster verwandelte, so ist es dieses Jahr eine eigene Version eines Bobbers, die Marco Hermann jetzt in Richtung Bikeshow-Flächen schiebt. Damit ist auch klar, dass der Titel vom Vorjahr kein Zufallstreffer war und das Erstlingswerk keine Eintagsfliege. Anstatt sich auszuruhen, hat der junge Belgier die zurückliegenden Monate genutzt, um sich zu sammeln und seiner Kreativität erneut freien Lauf zu lassen.

Der Starrrahmen ist bis auf den Lenkkopf und die Rahmenunterzüge eine Eigenkonstruktion

»Ich wollte diesmal einen Bobber bauen. Nach meinen Vorstellungen, mit flacher Linie, tief am Boden und mit einem sportlichen Lenker. Also keinen klassischen Bobber.« Im Internet googelt Marco nach entsprechenden Basismodellen, die er für sein Projekt nutzen könnte. Natürlich schielt er auch auf alte Harleys, doch die fallen aus »Budget-Gründen aus«, wie er unumwunden zugibt. Kein Grund in Tränen auszubrechen, denn gerade unter den japanischen Herstellern gibt es ein paar bestimmte Modelle, die sich für ein solches Vorhaben geradezu anbieten. Es verwundert daher nicht wirklich, dass die Wahl letzten Endes auf eine Yamaha XS 650 fällt, Baujahr 1978 und überwiegend im Originalzustand.

Es folgt der obligatorische Strip-down inklusive Bestandsaufnahme. Der Ist-Zustand spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da Marco sowieso alles neu aufbaut.  Um die gewünschte Linie zu erreichen, sind allerdings tiefgreifende Änderungen notwendig, die mit dem Originalrahmen so nicht machbar sind. Da Marcos Anspruch ist, so viel wie möglich selbst zu machen, scheidet ein Tauschrahmen aus – auch aus Kostengründen. Er entschließt sich, mit Hilfe einer selbstgebauten Rahmenlehre, die Konstruktion des Chassis selbst zu übernehmen. Zulassungstechnisch ist das in Belgien, anders als in Deutschland, möglich. Gleichzeitig gibt es Marco aber auch zusätzliche Freiheiten und Möglichkeiten: »Ich konnte individuell mit allen möglichen Winkeln spielen und ausprobieren, was ich wollte.«
Für den neuen Rahmen behält er jedoch den Lenkkopf samt der Unterzüge bei, auch den Radstand lässt er unverändert. Damit erreicht er die gewünschte Linie.

Marcos zweiter Streich ist genauso elegant und sauber umgesetzt wie sein Rookie-Bike, mit dem er vor über einem Jahr auf sich aufmerksam machte. Wir dürfen uns ziemlich sicher auf weitere Um-bauten freuen

Den Motor unterzieht er einer kleinen Revision. »Als ich die Yamaha bekommen habe, lief der Motor zwar, war aber an vielen Stellen undicht. Keine große Sache, da ich ihn sowieso aufmachen wollte.« Er ersetzt alle Dichtungen, die Kupplung, stellt Ventile sowie Zündung neu ein und fräst neue Gehäuse für die Luftfilter. »Das einzig Gute am Motor waren die neuen Kolben und die Zylinderdichtungen.« Der Rest ist die Aufarbeitung der Optik, um den Motor wieder strahlen zu lassen.

Dem Umbau fällt auch die Serienelektrik zum Opfer, die durch moderne Komponenten ersetzt und modifiziert wird. Durch den cleanen Look des Bikes bleibt allerdings kein Platz mehr unter dem Tank und so wandert die Elektrik in einen zylindrischen Behälter der zwischen Motor und Hinterrad platziert wird. Die Umbauteile findet Marco zu neunzig Prozent im Internet, wie er sagt. Der Rest stammt aus einem Motorradladen um die Ecke. Doch der Großteil bleibt nach wie vor Handarbeit, und genau deshalb wird das Projekt auch zum Zeitfresser. Rund dreizehn Monate verbringt Marco die Abende und Wochenenden in der Werkstatt und sinniert über Lösungen nach. »Es ist wie immer bei einem Umbau. Die vielen Details halten dich auf. Es sind die Momente, wo du wochenlang überlegst, wie du das lösen kannst. So zum Beispiel der Seitenständer. Die Auspuffrohre verlaufen unterm Motor und da war einfach kein Platz mehr. Und dann kam mir die Idee, die linke Fußraste zum Seitenständer umzugestalten. Sie erfüllt jetzt also zwei Aufgaben. All das sind so Kleinigkeiten, die man später auf den ersten Blick nicht sieht, die dich aber aufhalten und unendlich Zeit kosten.« Auch bei der Lackierung verfolgt Marco konsequent seinen Anspruch und gibt seiner XS das perfekte Lackkleid aus Chrom-Blau mit Pearl-Silber. Der Rest sind Kleinigkeiten und die Abstimmung des Motors.

Und wie sieht es mit neuen Projekten aus? »Zurzeit restauriere ich im Auftrag eine alte belgische FN von 1921. Das wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, danach wird man sehen.«

Technische Daten
Yamaha XS 650
Bj. 1978, 2018
Erbauer und Besitzer: Marco Hermann

Motor
Zweizylinder-Viertakt, sohc-Zweiventiler
653 ccm (Bohrung/Hub 75 x 74 mm)

Vergaser: Mikuni
Luftfilter: Eigenbau
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 51 PS bei 6940 /min
Drehmoment: 54 Nm bei 6000 /min

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Eigen-
konstruktion mit starrem Heck

Gabel: Yamaha-Telegabel, gekürzt
Gabelbrücken: Serie
Räder: vorn 19 Zoll, hinten 18 Zoll
Reifen: Shinko-Stollenreifen mit vorn 3,5 x 19 Zoll, hinten 4,00 x 18 Zoll
Bremsen: vorn Scheibe, hinten Trommel

Zubehör
Tank: Serie
Lenker: Eigenbau
Armaturen: Moton Mini-Switch
Sitz: Eigenbau mit Bisonleder
Heckfender: Eigenbau
Instrumente: MMB-Tacho
Scheinwerfer: LED
Rücklicht: LED-Stripes
Elektrik: modifiziert mit Axel -Joost-Steuerung
Lackierung: Chrom-Blau mit Pearl-Silber

Metrie
Leergewicht: 185 kg
Radstand: 1435 mm

Info
Instagram: @hm_motorcycles
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Stand:16 June 2019 04:49:02/bikes/cross+bobber+-+yamaha+xs+650_19121.html