BMW R 45 / R 100 S – Sweet Little Thing

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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BMW R 45 / R 100 S – Sweet Little Thing
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Mechanisch einwandfrei, optisch stimmig, Christians BMW ist ein wahrlich sauberes Gerät. Da muss sich am Ende sogar der bayerische TÜV geschlagen geben
Dass die Motorradtreffen in den letzten Jahren regelrecht mit BMW-Umbauten überschüttet wurden, ist kein Geheimnis. Allerdings, viele der Bikes ähneln sich und oft machten wir die Beobachtung, dass zum Teil auf Krampf gebaut wird, was dem Besitzer am Ende nicht so recht passen will. Wie die berühmten Affen auf den Schleifsteinen sehen sie dann aus, die stolzen Besitzer von Scramblern und Cafe Racern auf Basis der Bajuwaren-Boxer mit den hohen Sitzpositionen. An lange Fahrten nicht zu denken. Christian aus dem bayerischen Amerang geht seinen Umbau anders an, stimmiger soll er werden und auf seine Größe von 1,65 Meter angepasst. Da scheidet ein hoher, sportlicher Umbau fast schon von allein aus. Dazu ist das Budget für den Umbau nicht allzu hoch gesteckt, aber immerhin, das Können, das ist vorhanden.

Ein Motortausch sorgt für passende Leistung, der Boxer aus einer R 100 S wandert in den Rahmen der R 45

Christian ist gelernter Kfz-Mechaniker, auch wenn er in diesem Beruf schon länger nicht mehr arbeitet. Vor zwei, drei Jahren packt ihn die Schrauberei aber doch wieder, denn was man fertig kaufen kann, gefällt ihm selten. Also selbst machen, rein privat baut er mit einem Freund in der gemeinsamen »Horsegarage«, einem ehemaligen Pferdestall, Motorräder um. Mit BMWs hat er bereits Erfahrung, mehrere liefen schon durch seine Hände, ein Faktor, der auch beim aktuellen Umbau helfen soll. »Die alten Boxer sind ja immer gleich, einfache Technik, das beherrsche ich. Dazu kann ich für manche Dinge Schablonen von früheren Umbauten nutzen«, erklärt er. Als Basis ersteht er eine R 45 mit Motorschaden, kein Problem, an der Leistung möchte er sowieso drehen. Zunächst probiert er es mit einem 850-Kubik-Kit, ein Zufall hält aber eine noch bessere Möglichkeit parat. »Ich konnte aufgrund einer Projektaufgabe günstig einen Motor aus einer R 100 S erstehen, da war der Tausch schnell beschlossene Sache.« Viel machen muss er am Aggregat nicht, der Boxer wird überholt, das Gehäuse eisgestrahlt und anschließend schwarz lackiert.

Das Motorgehäuse eisgestrahlt und schwarz lackiert, die Oberflächen geschliffen und klar lackiert

Um die gewünschte kompakte Optik samt niedriger Sitzposition zu erreichen, muss Christian zwangsläufig Änderungen am Fahrwerk vornehmen. Der Heckrahmen wird entfernt, die Anlenkung der Cross-Stoßdämpfer direkt an den Zentralrahmen gelegt. Die notwendige neue Aufnahme für den Sattel konstruiert der Bayer selbst. Auf die BMW-Alufelgen gibt es 18-Zoll-Firestones. Um das Gesamtbild im Gleichgewicht zu halten, ist auch an der Front Arbeit nötig, die Gabel muss ein paar Zentimeter tiefer. Dazu hegt Christian eine Vorliebe für die massiven Gabelcover von Harley-Davidson, »sowas gibt der Front gleich eine völlig neue Optik«, sprichts und baut sich selbst die wuchtigen Abdeckungen. Zwischen den Holmen scheint der Klarglas-Scheinwerfer im Eigenbau-Gehäuse. Die stimmige Gesamtlinie rundet der Tank einer Honda CB 250 perfekt ab.

BMW R 45 / R 100 S – Sweet Little Thing

Besondere Arbeit machen wie so oft die vielen kleinen Details. »Die Knöpfe der motogadget-Intrumente in den Lenker zu bauen war schon echt übel«, gesteht Christian, »da habe ich drei Tage lang nur geflucht.« Schlimmer noch erwischt es ihn mit den Griffen. Die dreht und schleift er aus Alu selbst, überzieht sie mit Leder. »Hätte man an sich auch so kaufen können und viel Arbeit gespart. Aber hey, das macht doch Customizing aus, oder?«  Auch Kennzeichenhalter, Tachoaufnahme und Schutzbleche baut er selbst. Um die rohe Optik zu erhalten, wird das Bike nicht lackiert, sondern die Oberflächen »nur« geschliffen und klar gepulvert. Punktuelle Messingdetails und Linierungen vollenden das Gesamtbild. Dass das ohne das Zutun von fähigen Leuten nicht funktioniert hätte, weiß Christian, sein Dank ist seinen Mitstreitern Thomas, Alex und Robert sicher.  

BMW R 45 / R 100 S – Sweet Little Thing

Mitsamt Motorrad und einem dicken Ordner voll mit Gutachten, Bescheinigungen und sonstigem Papierkram macht sich Christian auf den Weg zur Prüfstelle. Die hat nur wenig zu meckern, ein paar leichte Nacharbeiten sind nötig, dann gibt es die ersehnte Zulassung. Dass sich die Umbaukosten durch viel Eigenleistung und nach dem Verkauf von Originalteilen auf überschaubare dreieinhalb Tausend Euro belaufen, macht die Sache zusätzlich rund.
 

Technische Daten
BMW R 45 / R 100 S
Bj. 1978
Erbauer: Christian Zacherl

Motor
BMW-Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor,
ohv-Zweiventiler,
980 ccm (Bohrung/Hub 94 x 70,6 ccm)

Luftfilter: K&N
Vergaser: Bing
Auspuff: Krümmer Eigenbau, Trumpet-Töpfe
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: 70 PS bei 7250 /min
Drehmoment: 76 Nm bei 5500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrahmen, modifiziert

Gabel: original, gekürzt
Gabelcover: Eigenbau
Federbeine: Hagon Cross
Räder: BMW, vo. 3.5 x 18, hi. 4.5 x 18
Reifen: vo. und hi. Firestone
Bremsen: vo. Scheibe, hi. Trommel

Zubehör
Tank: Honda CB 250
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: BMW R 45
Griffe: Eigenbau
Instrumente: motogadget tiny
Lampe: Klarglas in Eigenbau-Gehäuse
Rücklicht Highsider: LED
Schutzbleche: Eigenbau
Fußrasten: Serie mit Retro-Gummis
Lackierung: klargepulvert, Linierung Chiko
Gravur: Tankemblem Carsten Estermann

Metrie
Leergewicht: 170 kg
Radstand: 1520 mm
 
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Stand:22 September 2018 13:00:16/bikes/bmw+r+45++r+100+s+-+sweet+little+thing_18618.html