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BMW R 100 RS von Kingston Custom

Text: Christian Heim  |   Bilder: Motor Rausch
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BMW R 100 RS von Kingston Custom
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Die alten R-Modelle von BMW erleben seit einiger Zeit eine Renaissance. Das einstige Spießer-Motorrad ist plötzlich Kult. Stilrichtungen spielen keine Rolle, es wird gebaut, was geht. Nur eine Turbo-Aufladung hat echten Seltenheitswert. Dirk Oehlerking hat‘s getan. Seine R 100 RS glänzt mit weniger Gewicht, mehr Performance, aber vor allem mit mehr Power
Kingston Custom heißt Dirk Oehlerkings Firma, mit der er sich seit ein paar Jahren dem Aufbau schlanker, aber vor allem leistungsfähiger Bikes widmet, bei denen Performance mindestens genauso wichtig ist wie die Optik. Der ehemalige Yamaha-Händler und Deutsche Meister im Motocross beschränkt sich dabei weder auf eine bestimmte Motorradmarke noch auf eine Kategorie. Cafe Racer, Bobber, Scrambler – es ist ihm egal, solange er seine eigene Formensprache verwirklichen kann. Und so baut er, was ihm gefällt. Yamaha holt ihn in den Yard Built, den er mit einer Kingston-typischen XV950 bestreitet.

Doch ihn treibt die Suche nach neuen Herausforderungen und Projekten an. Die Idee, eine BMW im Kingston-Bonneville-Style zu bauen, wie Dirk es nennt, lässt ihn nicht mehr los, genauso wenig wie die Aufladung des Motors mittels Turbolader. Seine Recherchen bringen ihn nicht weit. Turbo-BMWs gab es mal irgendwann Anfang der 80er Jahre. Danach verschwanden sie wieder. Selbst die Japaner konnten den Turbolader bei Motorrädern nicht etablieren.

BMW R 100 RS von Kingston Custom

Auf dem Glemseck 101, dem Treffen der Cafe-Racer-Szene schlechthin, unterhält er sich mit einem Bekannten über das Projekt. Es ist 2014 und so seltsam das Leben manchmal spielt, es hält auch Überraschungen bereit. Zufällig hat sein Bekannter noch einen Zeitungsbericht von 1981, in dem eine BMW Turbo mit Bing-Vergasern für den Straßenverkehr getestet wurde. Es handelte sich um eine Stütz-BMW, die mit Aufladung ausgestattet war.

Der Artikel lässt Dirk Oehlerking nicht mehr los. Genau so eine muss er haben, er macht sich auf die Suche. Doch so klar seine Vorstellung auch sein mag, die Suche gestaltet sich schwierig. Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen sind die Dinger nicht gerade massig auf dem Motorradmarkt zu finden. Nach langem Suchen wird ihm eine BMW R 100 RS mit Stütz-Turbo-Kit angeboten. Über 32 000 Kilometer hat das bayerische Eisen auf der Uhr. Aber 100 PS sind schon mal eine Ansage, darauf lässt sich aufbauen. Er ist fassungslos vor Glück und schlägt sofort zu. Schließlich war es die einzige Maschine, die überhaupt zum Verkauf stand.



Als er die Kiste endlich in seiner Werkstatt hat, zerlegt er sie sofort. Zum einen dient es als Bestandsaufnahme über den tatsächlichen Zustand, zum anderen hält er die Neugier nicht mehr aus, will ganz genau wissen, wie und was damals beim Umbau gemacht wurde. Mit dem neu erworbenen Wissen nimmt sein Kingston-Turbo Fahrt auf. Die BMW wird komplett vermessen, alles dokumentiert. Der Aufbau kann beginnen.

Zusätzlich erwirbt er eine BMW R 100/7, die Teil seines Projektes wird. Dann geht es dem Boxermotor an den Kragen. Dirk will mehr Leistung. Die kolportierten 100 PS sind ihm zu wenig. Um die Pferde zu vermehren, entscheidet sich der Customizer für einen Lader aus einem Porsche 924 Turbo. Er reduziert die Verdichtung auf 7,5 : 1, überarbeitet die Kolben, die nun gerade einmal 500 Gramm pro Stück wiegen, und widmet sich den Zylinderköpfen, an denen er Ventile und Kanäle optimiert. Auch vor den tiefsten Eingeweiden des ehrwürdigen Boxers macht er nicht halt. Wegen zu großer Massen erleichtert er Kurbelwelle, Schwungrad und Kupplung und dreht sie anschließend ab.

Die Bing-Vergaser erweitert Dirk von 40 auf 41 Millimeter und modifiziert, als Konzession an den Turbolader, die Benzinpumpe. Unterm Strich brennt das Triebwerk nun 126 PS bei 8500 Umdrehungen ab. Der Ladedruck beträgt dabei moderate 1,25 bar. Gleichzeitig drückt der Boxer fette 112 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Genug für schnelle Starts, und darauf kommt es Dirk letztlich an.

Danach nimmt er sich dem Look der BMW an. Schließlich soll die BMW im typischen Kingston-Retro-Style glänzen. Rückblickend bestand die größte Herausforderung darin, die komplette Technik unter der Motorabdeckung verschwinden zu lassen. BMW-Kenner wissen, wie wenig Platz für solche Aktionen zur Verfügung steht. Um die Bayerin aufs Wesentliche zu reduzieren, müssen Schläuche, Leitungen und Kabel verschwinden. Doch auch der Anlasser, Teile der Elektrik, die Benzinpumpe, der Druckregler für Luft und Benzin sowie weitere Teile, das alles soll ebenfalls unter die Abdeckung. Eine knifflige wie undankbare Arbeit.



Der leichtere Teil ist der Rahmen, den er nach seinen Vorstellungen umbaut. Als Frontend dient ihm eine selbstkonstruierte 36-mm-Tele-Springergabel mit manueller Federvorspannung. Auch die Höckersitzbank mit dem Lederüberzug baut er selbst. Tarozzi-Fußrasten und Lenkerstummel von Fehling komplettieren den schlanken Auftritt. Die Stereofederbeine am Heck sind ebenfalls Eigenkonstruktionen, mit Teilen von Fahrwerksspezialist Sachs. Lohn für die viele Detailarbeit sind unfassbar leichte 156 Kilogramm Fahrzeuggewicht. Vollgetankt wohlgemerkt.

BMW R 100 RS von Kingston Custom

Und das ist ein fettes Statement, denn das Leistungsgewicht liegt nun bei knapp über 1,2 Kilo, die jedes PS beschleunigen muss. Gute Voraussetzungen für einen Sprinter, denn nichts anderes will Dirk Oehlerking mit der BMW machen. Darauf hat er hingearbeitet. Straßenzulassung? Braucht er nicht. Seine Turbo-BMW soll möglichst schnell gerade ausfahren und die Gegner verbrennen. Der erste Auftritt beim Sprintrennen am Glemseck im letzten Jahr war vielversprechend.

Der BMW-Turbo-Salt-Racer von Kingston Custom rennt erwartungsgemäß gut. Dieses Jahr will Dirk wieder sprinten, nicht nur am Glemseck. Vielleicht sehen wir ihn ja in Bonneville wieder. Auf den Salzseen liegen noch ein paar Rekorde, die darauf warten, geknackt zu werden.

Technische Daten
BMW R 100 RS
Bj. unbekannt
Erbauer: Dirk Oehlerking/ Kingston Custom

Motor
Viertakt-Zweizylinder-Boxermotor, Zweiventiler, 980 ccm (Bohrung/Hub 94,0 x 70,6 mm)

Turbolader: Porsche 924
Ladedruck: 1,25 bar bei 8500 U/min
Vergaser: Bing
Auspuff: Sebring
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: 126 PS bei 8500 /min
Drehmoment: 112 Nm

Zubehör
Stahlrohrrahmen, modifiziertes Heck

Gabel: Kingston Custom Telespringer
Federbeine: Kingston Custom
Räder: vo. 19-Zoll-Drahtspeichen, hi. 18-Zoll-Drahtspeichen hinten
Reifen: vo. 3.25 H 19, hi. 4.00 H 18 hinten
Tank Kingston Custom, acht Liter

Metrie
Gewicht vollgetankt 156 kg

Info
www.kingston-custom.de
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Stand:16 June 2019 04:39:10/bikes/bmw+r+100+rs_162.html