BMW Departed – Umbau von Custom Works Zon

Text: Katharina Weber  |   Bilder: Hermann Köpf
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BMW Departed – Umbau von Custom Works Zon
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Ein Custombike ist immer einzigartig.Wenn aber ein komplett neuer, noch nie vorher gezeigter Motor zwischen den Rahmenrohren blinzelt, dann wird noch eine Schippe draufgelegt. Das Werk von »Custom Works Zon« vereint japanisches Handwerk mit deutscher Ingenieurskunst – und lässt am Ende nur ein paar Fragen offen
Eine sorgsam ausgewählte Gruppe von Journalisten, vor allem aus dem Custombereich, die HotRod- und Customshow in Yokohama als stimmiger Rahmen, der Prototyp eines neuen Motors verbaut in einem One-of-a-kind-Custombike – BMW hat einen für die Firma ungewöhnlichen Weg gewählt, ein Zukunftskonzept zu präsentieren. Dabei gab es das Gerücht eines neuen Motors, der in die Hände eines japanischen Customizers gegeben wurde, schon länger. Anfang Dezember 2018 bestätigen sie sich für uns eindrucksvoll, als wir in Yokohama vor einem Motorrad stehen, das den sicher nicht ganz zufällig gewählten Namen »Departed« trägt und als Kernstück einen Motor präsentiert, den wir so noch nicht gesehen haben, auch wenn er an frühere BMW-Dekaden erinnert.
Da wären zum Beispiel die oberhalb der Zylinder in verchromten Schutzrohren verlaufenden Stößelstangen, die deutlich an die Boxermotoren erinnern, die bei BMW bis Ende der 60er Jahre gebaut wurden, dazu die Kraftübertragung ans Hinterrad per Kardanwelle und eine komplette äußere Retro-Geometrie. Wer sich außerdem mit der Nomenklatur von BMW auskennt, macht im Namen des Prototyps noch mehr aus. »R18«, das deutet auf ein Motorvolumen von 1800 Kubik hin – damit ist dieser luft-/ölgekühlte Boxer der größte, den BMW je gebaut hat. Lediglich die Dell’Orto-Vergaser sind ein Zugeständnis an das Custombike, in einem Serienmodell müssten diese durch eine Einspritzanlage ersetzt werden.

Pokalregen in Yokohama: Neben diversen anderen Preisen gab es für Yoshikazu Ueda und Yuichi Yoshizawa auch den wichtigsten aller Titel – Best of Show

Mehr allerdings gibt BMW zum neuen Motor noch nicht preis, und vor allem die Kollegen der Serienmotorradpresse haben bereits angefangen, zu spekulieren, in welcher Modellfamilie der »R18« am Ende landen wird. »Wir sind im Bau des Motors schon sehr weit, er hat mehrere Prüfstandsläufe hinter sich«, erklärt uns Matthias Runde, Diplom-Ingenieur bei BMW Motorrad. So ist in unseren Augen die wahrscheinlichste Version die, dass der Motor seine offizielle Serienreife noch in diesem Jahr feiern wird, höchstwahrscheinlich in einem Retro-Cruiser-Modell, das auch den schon lange von BMW anvisierten US-Markt angemessen bedienen kann. Und nicht zuletzt die immer stärker impulsgebende Customszene. Denn es ist ein Novum in der Geschichte von BMW, dass ein neuer Motor als Erstes in ein Custombike verbaut wird. Die Präsentation ausgerechnet in Yokohama setzt diesem ungewöhnlichen Vorgehen die Krone auf, »wir wollten einfach wissen, wie die Szene tickt, was wir ihr bieten können und wie sie das Konzept annimmt«, so hören wir von BMW Motorrad. Und damit überlassen wir alle Spekulationen über BMWs neuesten Streich anderen und wenden uns dem zu, was uns interessiert: Einem Custombike, das nicht nur durch seinen Antrieb betört.

Es ist wahrlich eine unglaubliche Arbeit, die Yuichi Yoshizawa und Yoshikazu Ueda von »Custom Works Zon« vollbracht haben. Sie, die renommierten Handwerker aus der Präfektur Shiga, zögerten nicht lange, als BMW an sie herantrat, ein Motorrad um den neuen »R18«-Motor zu schmieden – auch wenn die Zeit denkbar knapp war. »Aber Ehre und Herausforderung, solch ein Projekt zu realisieren, waren einfach zu groß«, erklärt Yoshizawa. Diese Herausforderung bestand vor allem aus zwei Komponenten. Zum einen war da der Zeitfaktor. Im Juli hatten die Customizer den Motor bekommen, gerade mal vier Monate blieben zum Bau des Motorrades. Zum anderen gab es logischerweise keinerlei Erfahrungswerte mit dem Motor. Yoshizawa und Ueda wussten lediglich um die Aufhängepunkte des Motors, mehr nicht. Es gleicht einer Meisterleistung, mit diesem kleinen Startkapital ein solches Bike zu bauen. Japanisch akribisch gingen sie die Sache an.

BMW Departed – Umbau von Custom Works Zon

Um den Motor standesgemäß in Szene zu setzen, entschieden sie sich, ihn als tragendes Element zu verwenden. Immer wieder hörten wir von den Journalisten in Yokohama, wie brutal fett der Boxer sei. Ja, das stimmt, aber er bezieht sein brutal dickes Erscheinungsbild eben auch aus dem unglaublich schlanken Custombike, in das er verbaut wurde. Die Stahlrohr-Hinterradschwinge wurde mit versteckter Monofederung am eigens gefertigten Gitterrohrrahmen befestigt. Der großvolumige Boxer hängt in dieser aufwendig gefertigten Rahmenkonstruktion, der Tank ist in den Rahmen eingepasst. Doch damit ist es nicht getan.

Neben der kompletten Fertigung von Rahmen und Schwinge, entstand auch die aus dem Vollen gefräste Trapezgabel in Eigenregie, ebenso wie die schmalen Räder, mit moderaten 21 Zoll vorn und übergroßen 26 Zoll hinten, bestückt mit schmalen Reifen. Dazu gesellt sich aufwendiges Handwerk in allen Bereichen. Die Frontverkleidung des Bikes ist ebenso wie die schmale Heck-Sitzbank-Kombination aus Blechen handgedengelt. Der Lederbezug Letzterer wurde handvernäht, ein Blick unter die Sitzbank verrät, wie ernst die japanischen Handwerker auch diese Arbeit nahmen. Dazu wird auch bei kleinsten Details wie den BMW-Emblemen Wert auf Handwerk und Einzigartigkeit gelegt – so, wie es tatsächlich vor allem japanische Customizer immer wieder zelebrieren. Eine Tradition, die auch den BMW-Ingenieuren mehr als nur gefallen dürfte. Denn trotz des großen Hinterrades erinnert die Silhouette der »Departed« verdächtig an die Rekordmaschine, mit der einst Ernst Henne über die Rennstrecken jagte. Ein Retro-Racer mit einem Retro-Boxer, vielleicht das schönste Geschenk, das BMW Motorrad sich selbst machen konnte. Gekrönt wurde es in Yokohama völlig verdient mit dem Titel »Best of Show«.

cw-zon.com
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Stand:17 February 2019 15:50:58/bikes/bmw+departed+-+umbau+von+custom+works+zon_19121.html