Harley-Davidson Ironhead von 68Custom

Text: Horst Heiler  |   Bilder: Benjamin Grna
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Harley-Davidson Ironhead von 68Custom
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Sich auf dem Custombike-Markt neu aufzustellen, dazu gehört neben Schraubertalent auch ein geschärftes Gespür für aktuelle und aufkommende Trends: So musste das Promobike zum Start von »68 Custom« ein Knaller werden
Oft sind die Projekte neuer Werkstätten in der Branche schlicht aufgewärmter Kaffee, schon mal dagewesen oder kopiert. Wer auf die Gewinnerbahn will, muss da schon mehr bringen und auch neue, eigene Ideen in die Waagschale werfen. Klar, zunächst mal ist der Kunde König. Sobald der sich das wünscht, bekommt er natürlich sein Ness-Café-Bike gebaut, oder gar sein ganz spezielles Walz-Gerät zugeschnitten.



Tatsächlich gibt es nämlich viele Auftraggeber, die immer noch einen großen Wert auf Markennamen legen. Als Branchenneuling darf man sowas auch kaum ablehnen. Trotzdem kann eine Firma gern zeigen, was sie über den Standard hinaus auf der Kette hat: »Für unsere neugegründete Firma haben wir im Internet nach unverbrauchter Inspiration für ein Promotionbike gesucht«, so Mario Bacher. Er und Jochen Pribik stehen hinter »68 Custom«. Die Salzburger bezeichnen sich selbst als durchgeknallt und offen für alles.

So stießen sie im Netz auf ein total abgewracktes Bike. »Wir erkannten auf den ersten Blick, dass in dem Schrott ein 45-Magnum-Motor steckte!« Und unglaublich, das Ding stand zum Verkauf. »Scheunenfund – keine Ahnung, ob der Motor läuft, gab der Verkäufer an.« Die beiden haben es gewagt und das Bike,  das – wie sich herausstellte – eigentlich aus Polen kam, in Hamburg gekauft. Wie es dahin gekommen war und ob der Motor dort so aufgebaut wurde?



Diesbezügliche Nachforschungen verliefen im Sand. Aber der Motor allein – eine absolute Besonderheit – war ja schon ein Glücksgriff, da konnte der verwanzte Rest ruhig in die Tonne. Es handelte sich nämlich um einen umgebauten 750er-SV-Harley-Davidson Motor, der, grob betrachtet, durch den Anbau von Ironhead-Sportster-Zylindern, Kolben und Köpfen auf OHV umgebaut worden war. Dieses Aggregat sollte als Highlight des Promoprojektes dienen, das die zwei Salzburger »Vencedor« (zu Deutsch: Sieger) nennen wollten.

Der Motor wurde schnellstens zerlegt und überholt. »Das Getriebe, das in unserem Scheunenfund verbaut war, wirkte auf den ersten Blick sehr exotisch, aber für uns sehr ansprechend!« Mario grinst noch heute, wenn er Leute sieht, die sich nicht erklären können, was das für ein Räderkasten ist. Rätselraten allerdings auch anfangs bei den Salzburger Schraubern: Zunächst dachte jeder an ein altes englisches Getriebe aus den dreißiger Jahren, wie es Sturmey Archer und später Burman für Norton baute.

Harley-Davidson Ironhead von 68Custom

Die Spur war heiß! »Wir fanden heraus, dass es sich um ein NSU-Nachkriegsgetriebe von den Konsul-Modellen handelt.« Walter William Moore, einst bei Norton in Lohn und Brot, hatte 1929 zur deutschen Firma NSU (heute AUDI) nach Neckarsulm gewechselt und seine Entwicklungen mitgebracht. Die Getriebe wurden damals auf metrische Maße geändert und bis auf geringe Details auch nach dem Krieg noch an den 350er und 500er Konsuls verbaut.

Mario betont in diesem Zusammenhang lapidar: »Zerlegt, gereinigt, neu gelagert, neu abgedichtet und es funktionierte. Auch die Kupplung ist von der NSU Konsul, wurde von uns aber so umgebaut, damit sie auf unsere Kiste passt.« In dem neuen Rahmen wurde dieses Vierganggetriebe viel weiter nach hinten gesetzt. Zwischen Motor und Getriebe sollte schließlich noch die Lichtmaschine eines Autos passen. Dazu war die doppelreihige Konsul-Kette zu kurz und eine längere Kette dieser Art nicht zu kriegen. Eine moderne, stabile Hinterradkette und passend gemachte Kettenblätter aus dem Zubehör wurden zum adäquaten Ersatz.

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Kurzerhand hatten die Edelschrauber Motor und Getriebe in einen Santee-Starrrahmen verpflanzt, der eigentlich für ein anderes Projekt geplant war. Mario, der die Arbeiten noch mal vor seinem geistigen Auge nachvollzieht, erläutert: »Alle Halterungen und Aufnahmen mussten ja neu gefertigt und angepasst werden. Dabei wurde der Rahmen komplett zersägt und wurde so lange bearbeitet, bis er unseren Erwartungen entsprach.« Der Öltank, den sie aus zwei alten Feuerlöschern entstehen ließen, bekam einen hochragenden Einfüllrüssel mit einem Flügelmutterverschluss.

Und weil die zuerst geplanten Ölschläuche nicht wirklich ein Augenschmaus waren, wurden in Handarbeit Leitungen aus Edelstahl gebogen. Dass der Benzintank jetzt auch noch solche Leitungen brauchte war klar. Bei seiner Befestigung vorn und hinten kamen wieder Messingflügelmuttern dran; ein Designelement, das sich immer wieder am Bike findet.

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Bei angesagten Umbauten kommen zurzeit überwiegend alte Springergabeln zum Einsatz. Im europäischen Raum hatte man überwiegend Girders – sprich Trapezgabeln – eingebaut. Eine solche coole Trapezgabel wurde gefunden und gekauft. Sie stammte von einer 1938er DKW SB 200, war mittels Adapter an den Santee-Lenkkopf anzupassen und … sie war leider viel zu kurz! So musste die Salzburger Crew längere Seitenteile fräsen und an das DKW Gabelbrücken-Parallelogramm anbauen.



Just in time – nach kapp drei Monaten Bauzeit – war das Bike im November zur Präsentation gerade noch fertig geworden. Auf der Biker-S-World Zweiradmesse in Salzburg sorgte die Vencedor schon am nächsten Tag für ungläubige Biker, die meinten, bisher schon alles gesehen zu haben. Mario und Jochen hatten ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Und ja, sie mussten seither mehrmals bewiesen, dass ihr »Sieger« auch fährt.


 

Technische Daten
68 Custom »Vencedor«
Bj.  2014
Erbauer: 68 Custom Salzburg

Motor
H-D-45-Magnum-Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler, 
997ccm (Bohrung/Hub 72,2 x 92,8 mm)

Zylinder: Ironhead Sportster
Kolben: Ironhead Sportster
Zylinderkopf: Ironhead Sportster
Kurbelgehäuse: Flathead
Zündung: Kontaktzündung
Ölsystem: Trockensumpf
Vergaser: H-D, 40er-CV-Vergaser
Luftfilter: Eigenbau
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: NSU-Konsul-Viergang-Handschaltung ohne Schaltratsche
Primärtrieb: offene Simplexkette, Eigenbau
Kupplung: NSU, abgeändert von Duplex- auf Simplexkette
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 50 PS bei 4800 /min
Drehmoment: k.A.

Fahrwerk
Santee-Doppelschleifen-Starrrahmen, 
komplett umgearbeitet

Gabel: Eigenbau
Gabelbrücken: DKW, mod.
Räder: Sternnaben, vo. 100/90R19 auf 2,25x19“-Felge, hi. 130/90R16 auf 3x16“-Felge
Bremsen    vo. keine, hi. mechanische Trommel

Zubehör
Tank: Peanut mit starren Benzinleitungen
Öltank: Eigenbau
Sitz: Brooks-Fahrradsattel
Lenker: 22-mm-Supersport-Lenker
Instrumente: keine
Lampe: KTM mit integriertem Zündschloss
Rücklicht: Gehäuse Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau
Schutzbleche: Penz-Heckfender, mod.
Paintjob: Nostalgica Lackstudio Salzburg

Metrie
Leergewicht: ca. 150 kg
Radstand: 1600 mm

Info
www.68custom.com
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Topseller im Shop
Stand:22 October 2019 18:15:37/bikes/68+customs+vencedor_165.html Warning: fopen(cache/09f57d73b5e14f86dabb06393679f17a.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163