Sitzbank bauen - selbstgemacht

22.07.2016  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Katharina Weber
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Sitzbank bauen - selbstgemacht
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Fertig im Katalog kann man Sitze und Sättel in unterschiedlichsten Designs, Formen und Farben kaufen. Aber weil uns Selbermachen mehr kickt, sagen wir euch, wie so ein Sattel samt Polsterung eigentlich hergestellt wird
Die Aufgabenstellung war einfach: Für einen 1000-Kilometer-Trip mit einer Starrrahmen-Harley sollte eine neue Sitzbank her. Die alte war nicht nur sehr schmal, sondern auch recht flach, weswegen unser Fahrer immer wieder nach hinten wegrutschte. Das würde auf dem geplanten Trip nach Biarritz ungemütlich werden. Wir brauchten also ein neues Möbel, idealerweise im hinteren Teil leicht nach oben gebogen, um das Abrutschen zu verhindern. Zudem soll die neue Platte etwas breiter als ihr Vorgänger sein und vernünftig gepolstert. Sicher, es gibt Jungs, die fahren auf dem puren Blech oder gönnen sich gerade mal eine Schicht Moosgummi oder dergleichen, aber ehrlich, wir müssen gerade auf langen Touren nicht mehr jeden Scheiß mitmachen und auch an unsere Wirbelsäulen denken. Ein Stück Minimalkomfort ist da Gold wert.

Beim Bau unserer Sitzschale entscheiden wir uns für eine klassische Form aus Metall, die bei den Experten der »Garage Deluxe« angefertigt wird, die Polsterung lassen wir bei »True Blue« im hessischen Groß-Gerau erledigen. Schritt für Schritt erklären wir euch nachfolgend, wie unser neuer Sitz entsteht.

1. Grundform festlegen
Zunächst müsst ihr die Grundform eurer neuen Sitzbank festlegen. Die ist nicht nur abhängig von euren eigenen Ausmaßen, sondern sollte auch zu denen des Bikes passen. Auf einem schmalen Chopper sieht eine breite Bank einfach nach nichts aus, ein Bobber dagegen kann eine ausladendere Form schon eher vertragen. Messt einfach nach, wie es euch am besten taugt und fertigt gern auch mehrerer Schablonen aus Pappe an, die die Form eures zukünftigen Sitzes zeigen. Wenn ihr euch für eine Form entschieden habt, übertragt ihr diese auf eine Aluplatte. Wir haben uns für zwei Millimeter starkes Blech entschieden. Das ist zwar etwas schwieriger zu bearbeiten, bietet aber auch einen stärkeren Halt. Auch die Haltepunkte für die Befestigung der Schrauben müsst ihr jetzt aufs Metall übertragen, da ihr nur jetzt von einem geraden Rand aus messen könnt. Da wir unseren Sitz später mit Sicken verzieren wollen, werden auch diese gleich angezeichnet.



2. Form ausschneiden
Nun schneiden wir unsere Form aus dem Metall aus. Dazu nutzen wir eine normale auf der Werkbank montierte Blechschere. Die funktioniert über reine Kraft und ist schon für unter 50 Euro erhältlich, elektrische Geräte kosten natürlich entsprechend mehr. Zur Not tut es auch eine Stichsäge. Uns reicht die Muskelkraft, ein bisschen Training schadet sowieso nie. Ist unsere Form sauber ausgeschnitten, werden die Kanten geschliffen. Hier nehmen wir erst die Schleifmaschine zu Hilfe und schleifen später mit der Hand nach. Auch das könnt ihr natürlich komplett ohne Maschine machen, dauert halt ein bisschen länger. Im nächsten Schritt werden wir den hinteren Teil unserer Sitzbank nach oben biegen, dabei ist Maschinenkraft von Vorteil. Wir nutzen das English Wheel dafür, Traditionalisten arbeiten mit Hammer und Sandsack.

3. Detailarbeit
Das English Wheel ist ein ziemlich nützliches Ding, gerade wenn ihr viele Teile aus Metall selbst herstellen wollt. Das zu bearbeitende Metallstück wird zwischen die Rollen platziert, dadurch wird das Material gestreckt und gedehnt, die Form der unteren Rolle beeinflusst die Form der Wölbung. Durch Bewegen und Stoppen wird am Ende ein gebogenes Stück Metall erreicht, wie an unserer Sitzbank zu sehen. Es geht aber auch ohne Rollenstreckmaschine: Ihr könnt euch mit einem einfachen Holzhammer und einem mit Sand gefüllten Ledersack behelfen. Kleiner Trost: Beide Methoden erfordern einige Übung.

Mit der Rollenstreckmaschine (alternativ mit Hammer und Sandsack) bringt ihr die Biegung in den Sitz

Um nun den Rand unserer Sitzbank zu definieren, wird gehämmert. Erst rundherum mittels einer Pullmax-Maschine – wie in unserem Fall – oder ihr treibt traditionell mit dem Hammer die Ränder nach unten. Danach wird das Material mit einem Gummi-hammer auf dem Amboss geglättet.
Da wir wie eingangs erwähnt unseren Sattel mit Sicken verzieren wollen, zeichnen wir diese nochmals exakt an. Sicken dienen der Stabilisierung des Materials und sehen schick aus, unbedingt notwendig sind sie aber nicht. Zumal dafür tatsächlich spezielles Gerät notwendig ist. Mittels einer Sickenmaschine werden die Sicken ins Metall gezogen.

Fehlen noch die Schrauben, die die Sitzbank später auf dem Bike halten. Hier gibt es nur eine Lösung: anschweißen. Falls ihr selbst nicht schweißen könnt, wird euch sicherlich ein Kumpel helfen. Dazu sind die ja schließlich da. Die Schrauben fixieren wir mit einer Grimpzange an den vorher angezeichneten Punkten und schweißen sie an. Abkühlen lassen, nochmal drüberwischen, fertig ist unsere Sitzplatte. Mit der gehts ab zu unserer famosen Schneiderin, Clare von Stitch. Sie hat sich bereit erklärt, die Polsterung zu übernehmen.

4. Vorarbeit
Auch vorm Polstern liegt das Zeichnen, grob wird die Form der Sitzbank auf Pappe übertragen. Als Polsterung unseres Sitzes dient handelsüblicher Verbund-Schaumstoff, der ist recht fest und haltbar. Von der Papierform werden die Umrisse der Platte auf den Schaumstoff, den wir schon vorher in die ungefähre Form des Sitzes geschnitten haben, übertragen. An den Seiten könnt ihr einen Rand überstehen lassen, genau geschnitten wird später. Die Sitzplatte wird nochmals gereinigt, danach wird zum ersten Mal an diesem Tag geklebt. Alleskleber aus der Sprühflasche auf die Oberfläche der Sitzplatte sprayen und diese dann fest mit den Händen auf den Schaumstoff drücken. Wenn alles gut durchgetrocknet ist, zeichnet ihr mittels eurer Schablone die Umrandungen des Sitzes auf den Schaumstoff ab. Nun könnt ihr den überstehenden Schaumstoff abschneiden. Kleiner Tipp: So ein elektrisches Küchenmesser ist schon eine feine Sache. 

Der Schaumstoff ist fertig ausgeschnitten, jetzt geht’s an die Nähmaschine

5. Das Nähen
Wir haben uns für unsere Sitzbank für einen klassischen schwarzen Lederbezug entschieden. Natürlich sind alle anderen Materialien, Stickereien, Intarsien und sonstige Spielereien ebenfalls möglich, aber hier passt das so am besten. Für den Lederbezug schneiden wir uns einmal die grobe Sitzbankfläche vor. Clare schneidet noch einen weiteren Lederstreifen, der den Sitz später an den Seiten ummantelt. Die Ledersitzfläche verklebt sie mit einem dünneren Stück Schaumstoff, der als Träger zwischen Leder und Verbundstoff dient und zusätzlich polstert. Da wir unseren Sitz in einem Rautenmuster halten wollen, muss auch dafür die Vorarbeit gemacht werden. Die Rauten werden genau bemessen und auf den Schaumstoff-Leder-Verbund übertragen. Nun geht’s an die Nähmaschine. Die ist wirklich nötig, eventuell habt ihr jemanden, der diesen Part für euch übernehmen kann. Wenn nicht, bleibt nur der Weg zum Sattler.

Das Absteppen mit einem Muster sieht gut aus und verhindert ein Verrutschen des Bezugs

Schaumstoff und Leder werden durch Zusammennähen nun endgültig miteinander verbunden, das gewünschte Rautenmuster ebenfalls eingenäht. Überstehende Fäden abschneiden und euer Bezug ist zumindest halb fertig. Nun kommt der kniffelige Teil. Der zuvor geschnittene Rand muss mit der Oberseite der fertigen Sitzfläche vernäht werden. Damit dieser Rand später besser über die Platte gestülpt werden kann, werden mit einer Schere kleine Einschnitte rund um die Sitzfläche gemacht, alles umstülpen und ihr habt eine schöne Mütze für euren Sitz. Um die Sitzbank gegen mögliche Feuchtgkeit zu schützen, wird auf den inneren Nähten außerdem doppelseitiges Klebeband zum Abdichten angebracht. Nun den Bezug mittels Heißluft anwärmen, um das Leder geschmeidig zu machen und wir können an die finale Arbeit gehen.

6. Beziehen
Unser Sattel wird geklebt. Zwar bieten sich auch anderen Möglichkeiten wie Nieten an, aber für uns passt die Klebetechnik. Die Sitzbank wird auf der Metallseite mit dem Kleber eingestrichen, dann lässt man das Ganze trocknen. Nun können wir die Hülle Schritt für Schritt über die Sitzbank ziehen. Das ist etwas Fummelarbeit und benötigt durchaus Kraft, aber mit etwas Übung bekommt ihr das easy hin. Alles gut an der Unterseite festkleben, überstehende Lederteile mit der Schere abschneiden und den Rest gut andrücken. Auch das Leder um die Schrauben wird natürlich noch entfernt. Außerdem entscheiden wir uns, noch ein zweites Stück Leder auf die Unterseite zu kleben, um keine Metallflächen offen zu haben. Das muss nicht zwingend sein, sondern ist was für Ästhetiker. In der Regel sieht man die Sitzbank ja von unten nicht. 

Dann kann die fertige Hülle über den Sitz gezogen werden.

Unser neuer Sitz, den wir auf den Modellnamen »Biarritz« getauft haben, hat die über tausend Kilometer an die Westküste Frankreichs übrigens prima weggesteckt. Auch die Wirbelsäule des Fahrers ist heil geblieben. Da lohnt sich das Handwerken doch.

et voilà – fertig!

Infos
Handgemachte Sitzbänke auf Kundenwunsch gibt es bei:
Garage Deluxe
info@garage-deluxe.net

Klassische oder individuelle Polsterungen bekommt ihr hier:
True Blue, Clare von Stitch
info@trueblue666.com
www.trueblue666.com
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Stand:23 November 2017 08:33:45/technik/sitzbank_167.html