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24.02.2017  |  Text: Parrey/Weber  |   Bilder: Eric Parrey

Royal Enfield: From Bombay To Goa


Normalerweise geben wir Serienmotorrädern in unserem Magazin nicht viel Platz. Es sei denn, Royal Enfield lädt unseren Fotografen Rico nach Indien ein, um die neue »Himalayan« ausführlich zu fahren – auf einem Trip von Bombay nach Goa, in einer Welt der Gegensätze


Es war ein zu verlockendes und großzügiges Angebot, das Royal Enfield, der über 100 Jahre alte Motorradhersteller, da machte. Ein paar Journalisten, das neueste Modell der Marke und eine Reise von Bombay an die Strände Goas zum größten Enfield-Markentreffen. Wir mussten einfach dabei sein, eintauchen in das Land zwischen Antike und Moderne, zwischen Kühen und Priestern, zwischen Arm und Reich.

Indien empfängt uns mit einem Verkehr, den wir so noch nie erlebt haben. Wir starten in Bombay, der pulsierenden Metropole mit fast 12 Millionen Einwohnern. Das zumindest ist die offizielle Zahl, vermutlich leben hier noch weit mehr Menschen, so genau weiß das keiner. Wir haben wenig Muse, uns genauer umzuschauen, der Zeitplan ist eng kalkuliert. Trotzdem, es reicht, um Angst zu bekommen angesichts dieser vollen und lauten Stadt. Alle sind wir geübte Motorradfahrer, aber das hier ist schon eine andere Hausnummer. Die Fahrzeuge quetschen sich hier dicht an dicht, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Doch zu viel darüber nachdenken können wir nicht, schon bekommen wir die Bikes für unsere Reise.

Nun mag für einen Nordeuropäer so eine Enfield zwar schön klassisch, aber doch zu untermotorisiert sein. Im Mutterland der Marke dagegen sind die kleinen, leichten Bikes perfekt. Im Slalomkurs durch den Verkehr Bombays erweist sich der Einzylinder als ideales Spielzeug. Selbst die Himalayan, eine Offroad-Variante der Enfield, kommt hier sauber durch. Das Motorrad ist verdammt einfach zu händeln. Das Plus an Bodenfreiheit und die Stollenräder der Himalayan tun in der City nicht weh, werden uns aber noch eine große Hilfe auf unserem Trip sein.


Royal-Enfield-Läden sind hier soziale Begegnungsstätten

Es gibt immer Neues zu entdecken in Indien vor allem eine ausgeprägte Tierwelt

Noch etwas bemerken wir auf unserer Fahrt durch die Stadt. Egal, wo wir anhalten, es bildet sich eine Menschentraube um uns. Die Inder lieben ihre Motorradmarke heiß und innig. Die Evolution von Royal Enfield in Form eines neuen Modells wird beklatscht und bejubelt. Man muss bedenken, Zweiräder bedeuten in Indien Emanzipation. Motorradfahren genießt hier keinen philosophischen Ansatz, ist kein Luxus und keine Individualität. Vielmehr ist es eine lebenswichtige Zutat für die weniger Glücklichen, ein Lebenselixier für das normale Volk, Unabhängigkeit für die große Masse derer mit wenigen finanziellen Mitteln. Wir werden es auf unserer ganzen Reise erleben, der Stolz auf die Motorräder aus Chennay ist unbändig. Für uns wird es Zeit, Bombay zu verlassen. Der Weg hinaus aus der Stadt dauert drei Stunden und gleicht einem Hinderniskurs. Wieder wissen wir das leichte, wendige Bike zu schätzen. Außerdem freuen wir uns über vernünftige Bremsen, als da diese Kuh steht – plötzlich und scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, inmitten des größten Verkehrs, der uns sowieso schon bis an die Grenzen fordert. Und dann sind wir endlich raus aus Bombay, auf der Straße nach Kolhapur, wo wir die Nacht verbringen wollen.

Weniger Verkehr ist hier, aber es geht genauso sportlich zur Sache wie die Stunden zuvor. Wir lernen in einer Reihe durch die kurvigen Bergstraßen zu fahren, ohne zu sehen, was von der anderen Seite auf uns zurollt. Gleichzeitig lernen wir, was offroad hier bedeutet. Das Ausweichen auf den unbefestigten Teil der Strecke ist oft einfacher, als einen Unfall auf dem Asphalt zu riskieren. Regeln gibt es nicht für uns, nicht für die anderen. Schlechte Straßenverhältnisse, Kühe, Passanten, die einfach auf der Straße auftauchen, wieder Kühe, die Hitze und noch mehr Kühe – ein kleiner Einblick in das, was eine Fahrt durch Indien bedeutet. Wir erreichen unser Ziel spät, sind todmüde, schlafen wie Steine.


Die Rider Mania ist das wohl exotischste Event, das wir je besucht haben. Es herrscht ein unglaublich entspanntes Gefühl und die Menschen folgen alle einer Philosophie: Leben, Fahren und Royal Enfield

Roadtrips auf dem Motorrad transportieren dieses Gefühl von Freiheit, das wir uns alle wünschen, einfach am besten

Der nächste Tag ist fahrtechnisch anspruchsvoll, mehr Berge, mehr Dschungel. Das Wort »Straße« streichen wir beinahe aus unserem Wortschatz, was wir hier tun, ist Offroad-Sport. Und dann, nach einer Kurve, breitet sich eine Landschaft vor uns aus, so schön, dass es uns fast die Tränen in die Augen treibt. Der Blick zum Horizont fordert es geradezu heraus, hier muss man einmal Motorrad gefahren sein. Natürlich ist aber auch dieses Panorama garniert von indischen Überraschungen. Es sind Affen, die mitten auf der Straße sitzen, sie haben keine Angst, wir lachen uns halbtot über sie. Nach dem kurvigen Berggeschlinger landen wir unten im Tal im tiefsten Dschungel. Riesige Löcher in den Straßen, auch hier wird das Fahren zur harten Arbeit. Und dann werden wir mehr, immer mehr.

Hunderte von Bikern müssen es sein, die auf ihren Enfields auf dem Weg nach Goa sind. Wir überragen sie alle, da unten in ihren Staubwolken, unsere Bikes sind ja höher als die Durchschnitts-Royals. Am Ende des Tages erreichen wir Goa mit dem sicheren Wissen darüber, was es bedeutet, in Indien eine Enfield zu fahren. Wer bereits auf großen Harley-Events in Europa oder den USA war, wird es verstehen. Es ist nämlich exakt dasselbe. Die Menschen hier sind so enthusiastisch für ihre Marke, wie wir es selten erlebt haben. Aus allen Teilen des Landes sind sie gekommen, um ihre »Rider Mania« zu feiern. Die zwei Tage des Treffens sind erfüllt von Dirt-Track-Races, Konzerten, Rennen, Boxkämpfen, Offroad-Tests und ja, auch von Custombikes. Die namhaften Bikebuilder des Landes sind gekommen, um ihre Kreationen zu zeigen und den Enfields zu huldigen wie alle hier.

Es ist ein erstaunliches Wochenende, in jeder Hinsicht, die Bilder sprechen für sich. Wir beenden unsere Zeit in Indien mit dem Besuch der riesigen Royal-Enfield-Fabrik in Chennay. Auch hier ist alles geprägt vom großen Kontrast und Zwiespalt dieses Landes. Draußen vor den Toren betteln die Obdachlosen, drinnen werden Motorräder in modernen Fertigungshallen zusammengesetzt. Indien ist groß, in jeder Hinsicht, im Guten wie im Schlechten.

www.royal-enfield.info

Mittagstisch am Wegesrand ausserhalb Bombays
 

Text: Parrey/Weber
Bilder: Eric Parrey

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