Motormensch: Thomas Kryschan – Das hast du jetzt davon ...

08.10.2017  |  Text: Thomas Kryschan  |   Bilder: Christian Heim
Motormensch: Thomas Kryschan – Das hast du jetzt davon ...
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Thomas Kryschan hat vor nicht mal vier Wochen seinen Job als Azubi für unseren Verlag angetreten. Er fährt einen selbst zusammengebastelten Fighter und hat auch sonst einen Plan von Motorrädern. Also norden wir den Neuen mal richtig ein. Und wie war sie so, deine erste Woche bei uns?
»Es ist Mittwochmorgen, meine erste Woche, dritter Arbeitstag. Ich komme mit dem Moped auf den Hof gerollt und parke neben einem Kollegen, der es kaum schafft abzusteigen – Hexenschuss. Schmerzverzerrt schaut er rüber und fragt: »Was machst du denn morgen?« Ich kratze die Namen der neuen Kollegen zusammen und erzähle von den Aufgaben, die sie mir gegeben haben, da werde ich schon unterbrochen: »Ja, lass das mal bleiben, ich glaube, du musst für mich auf dem Hockenheimring fahren.«

Hockenheimring? Ich sage zu, bin ja der Neue hier. Keine Ahnung, um was es geht. Werde ich schon hinkriegen. Und so stehe ich tags darauf um sieben Uhr morgens an der Rennstrecke. Es ist frisch Anfang September, viel geredet wird nicht. Auch die anderen sind mitten in der Nacht aufgestanden, um auf keinen Fall zu spät hier zu sein. In Hockenheim herrscht Rennbetrieb und wir haben gerade mal eine Stunde auf der Strecke bekommen. Ich bin nervös, stecke für die Fotos in fremden, geliehenen Klamotten inklusive zu kleinen Stiefeln und mir wurde soeben eröffnet, was ich gleich tun soll:

Zwei Customizer rücken mit ihren Drag-Bikes an. Waschechte Achtelmeile-Renner, ausschließlich für den Sprint entwickelt. Unter 150 Kilogramm leicht, eine mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum, die andere mit 1200 – beide mit NOS-Einspritzung und natürlich sauteuer. Damit sollen wir im Parallelflug für den Fotografen Rennen fahren. Am meisten Sorgen macht mir nach den Erzählungen der Kollegen der hintere, eckige Slick: »Bei Schräglage klappt der weg!« Sehr beruhigend. Ich bin mein Leben lang Landstraßen entlanggeheizt, Kurven kann ich. Aber mit so einem Gerät auf Kommando bei 5000 Umdrehungen die Kupplung fliegen lassen und geradeaus? Hab ich noch nie gemacht, meinen die das wirklich ernst?

Vierter Arbeitstag, Hockenheimring, morgens um acht: Thomas darf Sprintracer fahren – und hat es überlebt

Der Ruf zum Anschieben reißt mich aus meinen Gedanken. »Der Anlasser war zu schwer. Also bitte nicht abwürgen.« Na wunderbar. Die Kupplungsfedern sind so hart, dass ich den Hebel kaum gezogen kriege und es gibt keine Neutral-Leuchte, nur einen Drehzahlmesser. Die zweite Maschine lässt auf sich warten, unser enges Zeitfenster rinnt uns durch die Finger, der Stresspegel steigt, Telefone werden gezückt. Als der Transporter endlich auftaucht wird es hektisch. Der Fotograf sprintet in Position, die Motorräder werden startklar gemacht, an die Linie geschoben und mir wird mit einem Lächeln der polsterlose Fahrersitz angeboten. Ich zögere. Dem Eigner scheint es nichts auszumachen mich fahren zu lassen. Vielleicht ist es ganz gut, dass er nicht weiß, wie kurz ich erst dabei bin? Hektische Rufe und rudernde Arme vom Fotografen. Ich steige auf. Eine schnelle Einweisung, von der ich nicht mal die Hälfte verstehe, denn die Motoren sind schweinelaut. Erster Gang unten, Schaltautomat, Reißleine an der Zündung. Hebel, Handhabung, alles erstaunlich normal – zum Glück, denn für Rückfragen bekomme ich keine Zeit. Mit einem Schlag auf meine Schulter verschwindet der Erbauer Richtung Boxenmauer und lässt mich allein. Wird schon schiefgehen. Jetzt versau’ es nur nicht. Am rechten Streckenrand wird ein Halstuch geworfen, Gas auf, Feuer frei!

So sieht er also aus, mein vierter Arbeitstag für die CUSTOMBIKE und die ROADSTER. Ich liege bei Sonnenaufgang über dem 2,5-Liter-Tank eines Drag-Racers und jage, wie von allen guten Geistern verlassen, die Start-Ziel-Gerade des Hockenheimrings runter. Geil! Wohin geht’s morgen?
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Stand:16 December 2017 12:05:04/szene/motormensch+thomas+kryschan+-+das+hast+du+jetzt+davon+_17926.html