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04.06.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Fotos: Benjamin Grna, Dirk Behlau, Katharina Weber, Archiv
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California Custom Special - Teil 7


Als Kind findet er Bomben in Tomatenfeldern, heute würde er sie an Motorrädern verbauen. Yaniv Evan ist einer der Stars der US-Customszene, seine Story passt nach Hollywood




„Skater sind die neuen Biker“  (Yaniv Evan)

Powerplant
Melrose Avenue, mitten in Hollywood. Es ist irgendwie logisch, dass Yaniv Evans Werkstatt nicht allzuweit weg vom Walk of Fame und Beverly Hills liegt. Und wer durch das Filmviertel von Los Angeles fährt, sollte nicht verwundert sein, wenn Jogger oder Flanierer in Powerplant-Shirts den Weg kreuzen. Yanivs Firma ist schwer angesagt, der gebürtige Israeli der neue Star der Szene – und Hollywood liebt seine Stars.

Als Teenager klaute Yaniv die Autos seines Vaters, um damit illegale Rennen zu fahren. Heute ist er einer der gefragtesten Schrauber Südkaliforniens

Als Teenager klaute Yaniv die Autos seines Vaters, um damit illegale Rennen zu fahren. Heute ist er der gefragteste Schrauber Südkaliforniens

Dabei ist die Biographie des Yaniv Evan eine spannende Angelegenheit. Geboren in Israel, spielt er als Kind mit den Bomben, die er beim Toben findet. „Schade, dass ich die nicht mehr habe. Hätte ich super an ein Mopped verbauen können.“, Humor zeichnet den Schrauber aus. Als er acht Jahre alt ist, wandern die Eltern in die USA aus, Tampa in Florida ist das erste Ziel. Für die erste Zeit ok, aber lange bleiben die Evans nicht. 1988 geht es weiter nach L.A, Yanivs Vater arbeitet in der Filmbranche, der Schritt in die Westküsten-Metropole also logisch. Und während Yaniv als Steppke in Israel noch Dirtbikes durch den Kibbuz gejagt hatte, spezialisiert er sich in den Staaten auf alte Autos, eine Leidenschaft, die er vom Vater geerbt hat. Yaniv fährt Mustang, aus der Anlage dröhnen die Ramones, Blondie und Black Sabbath. Später ergänzen Shelby, Chevrolet Chevelle, Mercury und Corvette die Sammlung, repariert und getunt wird selbst, die Teile für die Autos klaut er. Yaniv ist 18 Jahre alt und hält nichts von Regeln. „Langsam habe ich aber umgedacht. Ich wußte, es ist scheiße, was ich mache. Und irgendwann fickt es dich.“, ab da fängt er an, für seine Parts zu zahlen, das Pomona Swap Meet wird zur Pilgerstätte. 

California Custom Special - Teil 7

Nach dem Schulabschluss absolviert er ein Studium zum Flugzeugmechaniker am LAX Airport, hier lernt er die Metallbearbeitung von der Pike auf. Nach dem Abschluss geht er arbeiten, bei einem der größten und bekanntesten HotRod-Builder weltweit. In Gene Winfields Werkstatt arbeitet Yaniv ohne Bezahlung. „Ich habe dort die miesesten Jobs gemacht, die Werkstatt gewischt und das Klo geputzt. Ich habe dafür nichts bekommen, aber durfte auch an den Autos arbeiten. Es war das Größte.“ Danach arbeitet er für James Bruns, ebenfalls ’ne große Nummer im Bau von HotRods. Nach acht Jahren im Autogeschäft hat er die Schnauze voll, baut sich einen Triumph-Chopper und gründet seine Firma: Powerplant. Das ist zehn Jahre her. Sein erster Auftrag ist eine 500er Triumph, er baut sie zu Hause in seiner Garage. Durch Mundpropaganda kämpft er sich durch die ersten Jahre, nimmt jeden Auftrag an, putzt Klinken. Der Erfolg stellt sich erst vor drei, vier Jahren ein, als die Oldschool-Welle rollt und Yaniv mit seinen authentischen Choppern mitreißt.

Geordnetes Chaos: Im Hintergrund wartet ein Big Twin auf seinen Umbau, im Vordergrund entsteht ein Racer auf Norton-Basis

Seit einiger Zeit nun residiert er mit seinen zwei Mechanikern in diesem grandiosen Hinterhof in der Melrose Avenue. Wände mit fetten Graffities, riesige Zahnräder am Eingang zur Werkstatt, auf den Hebebühnen nonkonforme Harley- und Triumph-Chopper, aber auch BSAs und Nortons. Der Style seiner Firma einzigartig, ein Sammelsurium aus antiken Möbeln, Motorrad-Parts und über Jahre zusammengetragenen Devotionalien. In der eigenen „Backyard-Boutique“ neben der Werkstatt verkauft Ricky, der junge Japaner, die gefragten Powerplant-Klamotten an die Hollywood-Gemeinde. „Ich bin angesagt, das nutze ich aus, klar. Aber ich bin authentisch, meine Geschichte ist echt.“, erklärt Yaniv, der in Handwerker-Schürze und abgefuckten Vans vor uns steht. Und sich auch fürs Fotoshooting nicht extra die Haare zurechtzupft oder sich in Pose schmeißt.

California Custom Special - Teil 7

Wer allerdings glaubt, dass Yaniv nur einen gerade aktuellen Hype mitnimmt, wenn er Bikes für Hollywood-Schauspieler baut oder Sängerin Pink auf einem seiner Chopper posiert, der irrt. Die Bikes von Powerplant stechen aus der Masse hervor. Reduzierte Chopper mit klassischen Springergabeln und einem Lenker, den Evans eigens für seine Umbauten entwickelt hat. Jedes Teil ist handgefertigt, die Rahmen selbstgebaut, Tanks im alten Stil, technische Detaillösungen, Motherfucker-Attitüde. Und dazu grandiose „Lackierungen“, die die Patina von 50 Jahre alten Moppeds suggerieren oder einzigartige Bare Metal-Arbeiten. Yaniv Evan hat es aus eigener Kraft und mit viel Willen und Talent geschafft – und ist vermutlich zu Recht einer der derzeit gefragtesten Customizer in Kalifornien.

www.powerplantchoppers.com

Text: Katharina Weber
Fotos:Benjamin Grna, Dirk Behlau, Katharina Weber, Archiv

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Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

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Stand:25 July 2017 20:27:44/szene/california+custom+special+-+teil+7_176.html