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03.06.2017  |  Text: Katahrina Weber  |   Fotos: Benjamin Grna, Dirk Behlau, Katharina Weber, Archiv
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California Custom Special - Teil 6


Filmemacher, Skateboard-Designer, Fotograf, Blogger – Mark Vanschyndel hat einiges zu bieten. Unter dem Label Two Wheel Terrors baut er außerdem rotzige Motorräder




„Make some shit, put some time into it. It is what you build … have fun with it, that‘s what matters“ H/H

Honda Havoc
Mark und Arie Vanschyndel sind keine Unbekannten in der HotRod- und Customszene. Die Brüder zeichnen als Produzenten für die Insider-Movies „HotRod Havoc“ und „Two Wheel Terrors“ verantwortlich. Lustige, bunte Streifen mit einzigartigen Typen, harter Musik und nonkonformen Zwei- und Vierrädern. In San Marcos, etwa 80 Meilen südlich von Los Angeles, betreiben sie außerdem einen kleinen Shop mit angrenzender Werkstatt. Auch die Skateboards der BlackDeck Company werden von hier aus um die Welt geschickt. Multitasking im „Just do anything“-Stil, immer rebellisch, immer eine Spur härter. Und vor allem ohne Respekt.

Make some shit, put some time into it. It is what you build, have fun with it, that‘s what matters

So zögert Mark auch beim Klassiker Honda CB 400 Four nicht, dem Umbau den eigenen zwanglosen Stempel aufzudrücken: „Hab Spaß mit den Dingen, das ist es was zählt.“, erklärt er. Was, zugegeben, bei den laxen gesetzlichen Vorgaben  für ältere Bikes in Kalifornien ein Leichtes ist. So kann sich Mark den Verzicht auf eine Vorderbremse an seiner Hardtail-Honda schonmal locker leisten. Und er steht damit nicht allein. Vielen Motorrädern in SoCal reicht eine Bremse völlig, im Falle der CB die Trommel, seinerzeit im Prospekt als mechanische Innenbackenbremse beschrieben. Der Anker greift im 18-Zoll-Hinterrad. Mark wählte übrigens bewusst vorne und hinten die gleichen Radgrößen: „Hatte ich nämlich beide noch hier liegen.“, grinst er.

Ein schmales Krad, dass dem Vierzylinder jede Menge Platz bietet und den Blick auf alte Motortechnik zum Genuss macht

Beim Tank entschied er sich wie viele Umbauer für den Harley Sportster-Behälter, der funktioniert auf nahezu jedem Krad. Und sitzt beim Two Wheel Terror-Custom deutlich tiefer als bei der Serienhonda aus den 70ern. Der Grund dafür ist einfach. Zwar behielt Mark den original Rahmen bei, schnitt ihn aber auf Sitzbankhöhe ab und verschweißte ein neues Heck, starr selbstverständlich. Und eben näher am kalifornischen Asphalt als beim Basisbike. Bei den weiteren optischen Änderungen stand schließlich Bruder Arie zur Seite. Er verbaute den Solosattel, dengelte ein hinteres Schutzblech, bastelte aus einem Rohr den Lenker und versah diesen mit Minimal-Armaturen. Und ihre Autoleidenschaft lassen die Vanschyndel-Brüder zumindest kurz aufblitzen, als sie das Rücklicht eines Chevrolet für die Honda zweckentfremden und am Rahmendreieck verbacken.

California Custom Special - Teil 6

Eine Frontlampe gibt es übrigens auch, rund und bobberig, allerbeste Flohmarkt-Ware. Blinker, Spiegel, Frontfender und ähnliche Feinheiten werden dagegen niemals den Weg ans Bike finden. „Braucht doch kein Mensch“, erklärt Marky. Und so befasst er sich mit Themen wie Motor und Elektrik auch nicht. „Das ist alles soweit original. Nur der Klang, der ging überhaupt nicht.“ Also weg mit dem Auspuff und stattdessen dünne Metallrohre, die den Sound des Reihenvierers dröhnen. Anders als bei der klassischen Basis laufen die Röhren des 2 in 4 parallel. Aber ehrlich, die auf der rechten Seite aufgefächerten Krümmer des Originals vermisst bei diesem Rigid-Rüpel keiner. 
Und noch etwas ist am Ende des Umbaus ganz im Stile der „Two Wheel Terror“-Brüder. „Um Gottes Willen keinen Lack oder Chrom, alles pures Metall“. Nur auf die Batterie noch schnell das eigene Hotrod Havoc-Logo gesprüht, ready for go!

Fazit
Hardtail-Vierzylinder sind inzwischen der Trend der Hinterhof-Customizer in den USA, gerne mit Hondas Klassiker CB als Basis.
„Bei der ersten Ausfahrt mit der Honda versuchten die Bullen, mich zu schnappen. Sie standen mir an der Kreuzung gegenüber. Bevor sie ihren kompletten U-Turn geschafft hatten, war ich über alle Berge. Sie konnten mich nicht mehr einholen.“

Technische Daten
Honda CB 400F Super Sport | Bj. 1975
Erbauer: Two Wheel Terrors

Motor
Vierzylinder-Viertakt, sohc-Zweiventiler, 408 ccm (Bohrung / Hub 51 x 50 mm)

Vergaser: Keihin
Luftfilter: K&N
Auspuff: TWT
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 37 PS bei 8500 /min
Drehmoment: 31,4 Nm bei 7500 /min
Höchstgeschwindigkeit: 158 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, starres Heck

Gabel: Honda CB-Tele
Räder: vorn und hinten 4.50-18 
Bremsen: hinten Trommel, vorne ohne 

Zubehör
Tank: H-D Sportster
Lenker: TWT
Sitzbank: TWT
Armaturen: TWT
Fender: TWT
Elektrik: Boling Brother
Rücklicht: Chevrolet

Metrie
Leergewicht: 180 kg
Radstand: 1450 mm

Text: Katahrina Weber
Fotos:Benjamin Grna, Dirk Behlau, Katharina Weber, Archiv

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Stand:25 July 2017 20:29:04/szene/california+custom+special+-+teil+6_176.html