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27.01.2017  |  Text: Benjamin Grna  |   Bilder: Benjamin Grna
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All Ride Motor Show in Prag


Ein Hauch von Brooklyn weht durch die Halle, aber nur ein kleiner. Wir sind nicht in New York, sondern in Prag – come and everything‘s gonna be all ride


Mit neuen Veranstaltungen ist es oft wie mit dem besagten Wein in alten Schläuchen. Wenn aber ein Land eher für seine Bierbraukunst als für seine Motorradkultur berühmt und berüchtigt ist, kann das Risiko eigentlich nicht so groß sein. Deshalb war es klar, wir machen uns auf zur ersten »All Ride Motor«-Show ins tschechische Prag. Eine Reise nach Osten birgt immer etwas Wildes, denn den Charme der alten Zeit haben die Länder jenseits von Oder und Neiße und die hinter dem schönen Böhmerwald noch nicht ganz verloren. Dabei ist es völlig egal, ob man mit dem Bike oder dem Auto eine Tour unternimmt. Was im Süden Europas von lieblosen Mautstation übernommen wird, erledigen in der Tschechischen Republik noch echte Wegelagerer in Uniform. Am Autobahnnetz wird dank europäischen Fördergeldern seit Jahren fleißig, aber mit mäßigem Erfolg gebaut. Ihre Vignetten und die dazugehörigen Kontrollen funktionieren dafür aber einwandfrei. Auch wenn es für Touristen überhaupt nicht erkennbar ist, auf welcher Art von Straße sie sich gerade befinden, es wird knallhart kassiert. Herzlich willkommen in der Tschechischen Republik.

Doch kommen wir zum Hauptziel unserer Reise – eine normalerweise leerstehende Lagerhalle in der tschechischen Hauptstadt. Für die »All Ride Moto Show« wurde die kurzerhand ein bisschen wohnlicher gemacht – Kunst an den Wänden ist dabei hilfreich – und für die Show umgebaut, ein paar Europaletten taten da gute Dienste. Das für die Stromversorgung notwendige Aggregat stand außerhalb der Halle und wurde gesondert bewacht, was für die individuelle Gemütlichkeit des Stadtteils spricht. Die alte Ruine in der Delnicka Straße in Prag wurde zum Kunst-Atelier, zur Werkstatt, zum Museum, zum Workshop. Ein halbes Jahr hatten die Vorbereitungen zur All Ride Moto Show gedauert. Um die 50 Motorräder wurden ausgestellt. Zum Grossteil stammen sie aus Tschechischen Customshops. Nicht Show, nicht Shine, sondern von Grund auf ehrliche Bikes mit Ecken und Kanten. 2017 soll es eine Wiederholung geben.

Die Nimbus 750 stammt aus dem Jahr 1951 von TMT Moto Tachov. Sie hatte bereits 2014 den ersten Platz in der Retro-Modified-Klasse der offiziellen Custom-Weltmeisterschaft gewonne

Kaum hatten wir uns durch den kleinen Eingang gekämpft, wurden wir von ein paar freundlichen Damen begrüßt und bekamen die kurze Erklärung, dass sie gern Euro annehmen, wobei das offizielle Zahlungsmittel in Tschechien immer noch die Krone ist. Die Autobahngebühr war teurer als gedacht, dafür schlug der Eintrittspreis nach kurzen Verhandlungen mit unschlagbaren zwei Euro zu Buche. Da konnte ja nix mehr schiefgehen. Der Geruch von alter Industriehalle, Benzin und dem guten tschechischen Kaffee ergaben eine perfekte Mischung und genauso sollte sich auch die Auswahl der Motorräder gestalten.

Da standen Weltmeister-Bikes, Lowbudget-Kisten und echte Klassiker. Für jeden Geschmack fand sich etwas in der weitläufigen und liebevoll gestalteten Halle. »Unaufgeregt« umschreibt die Stimmung und die osteuropäischen Bikes wohl am allerbesten. Während man in Westeuropa den Eindruck nicht loswird, der heilige Customgral liegt in Klicks und Likes und Show und Shine, ist hier irgendwas anders. Ob die folgende Aussage politisch korrekt ist, dürft ihr gerne diskutieren, aber für uns hatte der Stil der Motorräder einfach etwas Osteuropäisches, etwas Grundehrliches. Putin reitet gern auf seinem Pferd durch die sibirische Steppe und irgendwie kauft man es ihm ab. So ähnlich verhielt es sich mit den Bikes der All-Ride-Show. Größtenteils waren sie dreckig, benutzt und weit entfernt von perfekt – und genau das macht am Ende den Charme dieser Veranstaltung aus.

Die BMW R 100 RS, Baujahr 1978, wurde von Michala Kubiše zu einem astreinen Cafe Racer mit schicker Lampenmaske umgebaut. BMW 1.0 CLS nennt Michala seine Kreation

Natürlich, werden manche sagen, ist es nur eine weitere Bikeshow à la Brooklyn Invitational, Art & Wheels Basel oder Fuel Cleveland. Dagegen halten wir, dass die Prager Show ihr ganz eigenes Flair versprühte und mit einer gesunden Mischung an Bikes bestückt war. Deshalb empfehlen wir »All Ride« als klaren Tipp für den Herbst 2017. Nach dem Erfolg der ersten Auflage hat der Veranstalter nämlich deutlich gemacht, dass er an einer Wiederholung der Veranstaltung nicht vorbei kommt. Und wem die Anreise nur für die Show vielleicht etwas zu weit ist, der schnappt sich einfach sein Mädel und verbindet den Trip mit einem langen Wochenende in einer der schönsten Städte Osteuropas. Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen.

www.allrideshow.cz

Text: Benjamin Grna
Bilder: Benjamin Grna

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Ausgabe 6/17 erscheint am 26. Mai

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Stand:01 May 2017 00:39:32/szene/all+ride+motor-show_171.html