Abstecher – Frau Reuters Kiel

07.11.2017  |  Text: Martin Reuter  |   Bilder: Benjamin Grna
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Abstecher – Frau Reuters Kiel
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Fahr mit Männern durch ihre Stadt und du siehst Orte, die du als Tourist nicht auf dem Schirm hast. Unser Kolumnist Martin „Frau“ Reuter schmiss für uns die Shovel an – ein Abstecher zwischen Fischbrötchen und dem Kieler Kiez
Achtung: gefühlte Lesezeit ca. 387 Minuten!

Der interessierte Leser möge sich jetzt bitte mit einem Glas Cognac und einer anständigen Zigarre bequem hinsetzen und aufmerksam den folgenden Zeilen folgen. Es wird stinklangweilig, denn es geht hier um Kiel. Kiel hat motorradtechnisch so gut wie gar nichts zu bieten, so viel vorweg. Mal abgesehen von diesem Dieselmotorrad »Neander«, das hier entwickelt und gebaut wurde, aber nie in Serie ging.

Kiel an einem sonnigen August-Tag. Schöner wird es nicht

Kiel ist im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt worden, was den Stadtvätern die Chance eröffnete, eine flotte, ansprechende und moderne Stadt zu planen und zu bauen. Diese Chance haben sie komplett versemmelt, und dieses Versemmeln haben sich alle Verantwortlichen bis heute auf die Fahnen geschrieben. In Kiel ist das Versemmeln von Stadtarchitektur erfunden worden. Es wird nur noch von einer Müllhalde in Kuala Lumpur übertroffen. Kiel hat 240 000 Einwohner, von denen etwa 70 Prozent komplette Vollpfosten sind. 29 Prozent sind angenehme und aufgeschlossene Mitbürger und ein Prozent sind wirklich kluge und fleißige Menschen, die diese Welt sich drehen lassen. Vermutlich gehöre ich zu den 70 Prozent.

Frau Reuter an der Kiellinie, hier ist einer der kulinarischen Höhe­punkt der Stadt. Leckerer wird es nicht

Jedes Jahr wird Kiel von einer Katastrophe heimgesucht, die kaum zu ertragen ist. Sie wurde extra für diese 70 Prozent erfunden und wird von Brüdern dieser Volksgruppe aus anderen Städten gerne angenommen. Es ist die Kieler Woche. Diese Woche dauert zehn Tage und war eigentlich mal ein Segelsportereignis. Heute ist es ein Saufgelage ohne Ende und die eigentlichen Helden der Kieler Woche sind nicht etwa die drittklassigen Rentner-Popstars, die auf einer der vielen Musikbühnen versagen, sondern die städtischen Reinigungskräfte, die es auf wundersame Weise schaffen, das Scherben-, Urin- und Kotzemeer der Nacht verschwinden zu lassen, so dass die Stadt an jedem Kieler-Woche-Morgen in neuem Glanz erstrahlt und erneut vergewaltigt werden kann. Gesegelt wird auch, draußen auf der Außenförde, weitab des Trubels, doch das interessiert in Wirklichkeit kaum jemanden. Wer was anderes behauptet, wie etwa die Veranstalter der Kieler Woche und das halbe Rathaus, lebt in einer therapiebedürftigen Scheinwelt. Die Kieler Woche hat den gleichen kulturellen Wert wie Brechdurchfall.

On the road. Kiel bleibt aber flach, mit ohne Kurven

Und doch gibt es Gründe, die dafür sorgen, dass der kleine Martin hier nicht weg will. Sie fallen mir nur nicht auf Schlag ein. Gewiss ist es die Ostsee, die mich hier kleben lässt. Dieses leicht salzige Meer, das bis oben nach Finnland und Nordschweden reicht, dort, wo das Wasser tatsächlich süß und trinkbar ist. Die Ostsee ist prima. Im Sommer kann man mit dem Motorrad astrein an den Strand fahren und rumplantschen und Pommes essen und all sowas. Vom Stadtkern an den Strand dauert es mit dem Krad etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten.

Will man an das Ostufer, sind es zehn Minuten mehr. Das Übernachten an diesen Stränden ist verboten, was aber niemanden wirklich stört. Ich fahre gerne nach Heidkate, da ist ein Surfstrand hinter dem Deich. Vor dem Deich ist eine gewaltige Parkplatzwiese, die ein paar Euro Parkgebühr kostet. Wenn man dann noch sein Zelt aufschlägt, was verboten ist, und da übernachtet, kommt morgens um zehn einer von der Gemeinde und zieht von jedem Fahrzeuginhaber die schreckliche Summe von zehn Euro Strafgebühr ein. Einige verbringen so ihren ganzen Sommerurlaub vorm Deich, und der Mann von der Gemeinde ist ein sehr netter Kerl.



Im Grunde ist dies mein Lieblingsplatz an der Ostsee. Man kann von Kiel aus auch mit großen Fähren nach Oslo, Göteborg oder gar Lettland fahren. Das ist sehr lustig. Im Sommer machen das viele Motorradfahrer aus ganz Europa, weil man so recht komfortabel nach Skandinavien kommt und auf dem Schiff eine erholsame Übernachtung hat, die man am besten mit einem kleinen Besäufnis an einer der vielen Bordbars einleitet. Kiel ist außerdem nur 90 Kilometer von der dänischen Grenze entfernt – man hat also nur wenig zu fahren, wenn man so etwas wie Urlaubsgefühl empfinden möchte.

Dänemark ist wirklich ein schönes Land, die Leute da sind sehr durstig und singen gerne Lieder. Die freuen sich auch total, wenn ihr ein paar dänische Vokabeln drauf habt. Auch Englisch dürft ihr mit ihnen sprechen. Nur wenn ihr mit Deutsch reinpoltert, weil ihr glaubt, dass alle Dänen das verstehen (was beinahe stimmt), habt ihr verschissen. Da ist wahr! Wer glaubt, er hätte in Dänemark eine feine Zeit gehabt und er wäre mit seinem Deutsch astrein klargekommen, der sei an dieser Stelle nämlich darauf hingewiesen, dass jeder Däne ihn für ein Arschloch gehalten hat. Er hat es nur nicht gezeigt.

Dänisch ist neben Spanisch eine der einfachsten Sprachen der Welt, nur kann man es sehr schwer verstehen, weil die Sprache nicht gesprochen, sondern genuschelt wird. Daran muss man sich gewöhnen, dann geht die Verständigung prima. Die englische Sprache von heute ist aus dem Dänischen und dem Französischen entstanden, kein Witz. Dänen lieben alte Fahrzeuge aller Art, darum gibt es da immer was zu bestaunen. Es gibt sehr viele Oldtimermuseen und es fahren reichlich alte Autos und Motorräder rum, die es bei uns schon lange nicht mehr gibt. Die Dänen sind das glücklichste Volk der Welt heißt es. Das liegt sicher am Bier und an den Frauen. Die Däninnen sind bis zum dreißigsten Lebensjahr hinreißend schön, wenn sie eine abgeschlossene Schulausbildung haben. Danach finden Metamorphosen statt, die sowohl nach vorn als auch nach hinten losgehen können. Ich liebe die meisten Däninnen inbrünstig.

Kreuzfahrtschiffe und Fähren – im Kieler Hafen ankern die ganz dicken Pötte. Wenn man Glück hat, kommt der Wind vom Meer und dann riecht er ganz apart nach altem Fischkutter und Schiffsdiesel

Doch zurück zu meinem Kiel. Diese bekackte Stadt hat eine Fußgängerzone, die Holstenstraße, in der sich überwiegend Schuhgeschäfte und Ein-Euro-Läden befinden. Diese Zone ist so attraktiv wie Herpes am Sack. Nur ganz hinten, hinter der Nikolaikirche, da ist die Dänische Straße (schon wieder die Dänen). Da gibt es einen kleinen Plattenladen, ein tolles Geschäft für britische Herrenmoden und einen der letzten unabhängigen Buchläden. In diesem kleinen Sträßchen kauf ich gerne ein. Und dann führt noch eine Straße vom Zentrum an den Kanal, das ist die Holtenauer Straße. Da haben sich im ersten Viertel die Läden angesiedelt, die die oben genannte Fußgängerzone scheiße finden. Auch da kann man schön bummeln.

Wenn man mit dem Fahrrad die Holtenauer durchfährt bis zum Nord-Ostsee-Kanal, kann man das Fahrrad mit auf eine winzige Fähre nehmen, die Adler 1, und die bringt einen kostenlos zum anderen Kanalufer. Mit dem Motorrad müsste man über eine der Kanalbrücken fahren. Von denen gefällt mir die Levensauer Hochbrücke am besten, sie ist uralt und aus Stahl. In ihren beiden Brückenpfosten leben Fledermäuse. Das ist sozusagen mein Tor zum Norden. Das Kieler Umland ist landschaftlich ganz schön, darum sind hier auch viele Jungs mit Motorrädern unterwegs. Man kann sehr elegant von Kiel bis Fehmarn fahren und dort von Puttgarden mit der Fähre nach Dänemark übersetzen. Fährt man von Kiel nach links, also nach Westen, kommt man an die Nordsee. Aber da ist es überwiegend windig. Ich halte es da nie lange aus.



Fährt man nach Süden, kommt man nach Hamburg. Natürlich haben wir eine Autobahn, die A7. Aber die ist mittlerweile so vollgeschissen mit irgendwelchen Spackenautofahrern, die mit viel zu viel PS unterm Arsch jedem zeigen wollen, wo der Frosch die Locken hat. Oder mit LKWs, die irgendwelche bekackten Tulpen aus Amsterdam ankarren. Ich fahr da nicht mehr lang. Ich nehm die Bundesstraßen oder noch lieber Landstraßen. Davon haben wir hier jede Menge und da kann man auch astrein rumgurken und im Landgasthof ein Senfei essen oder sowas. Ich glaub, wenn ich den Rest meines Lebens nur die kleineren Landstraßen abgrasen würde, hätte ich ausreichend Entspannung auf zwei Rädern. Ich müsste dann gar nicht mehr verreisen.

Aber Kiel selbst bietet, wie eingangs erwähnt, nichts für Motorradfahrer. Einziges Highlight ist die Kiellinie, das ist ein Teil der linken Seite des Fördeufers. Da kann man seinen Misthaufen abstellen und ein Fischbrötchen essen. Es gibt da nämlich eine kleine Fischbude, die außergewöhnlich gute Fischbrötchen verkauft. Kulinarisch einer der Höhepunkte in unserer Stadt. Und wir haben noch das Schifffahrtsmuseum, das ist ganz spannend zu besuchen. Es liegt direkt gegenüber vom Puff, und daran angeschlossen ist ein putziges kleines Restaurant namens »Alter Mann«. Da kann man prima neben seinem Motorrad sitzen und ein Brot mit Heringssalat essen.

In Kiel gibt’s viele Studenten und somit auch Kneipen. Frau Reuter hatte auch mal eine – die Palenke. Sein Freund Burk­hard übernahm die Kneipe als Reuter sich um sein Erbgut kümmern musste

Ich bin auf dem Kieler Ostufer groß geworden, da leben die ganzen Arbeiter­fritzen. Damals waren die Howaldtwerke noch riesig, es gab da massig Bierautomaten auf dem Werksgelände, es wurde gedengelt und geschweißt und die Schiffe liefen wie am Fließband aus den Docks und alle hatten sich lieb. Heute gibts da kein Bier mehr und lieb haben ist out. Auf dem Ostufer haben mir die großen Jungs gerne mal auf die Fresse gehauen, das gehörte damals dazu. In meiner Klasse, die aus Sitzenbleibern zusammengewürfelt wurde, waren auch ein paar wilde Kerle. Die haben mir dann gezeigt, was man machen muss, wenn einer einen hauen will. Das hat gut funktioniert und darum bin ich dem Ostufer heute noch heimlich verbunden.

Nun bin ich auf dem Westufer, wo es etwas gesitteter zugeht. Da sind auch richtige Villenviertel mit Blick aufs Wasser zu finden. Und hier ist auch die Universität, die ein weiterer Grund für meine Liebe zu Kiel ist. Denn die Uni lockt alljährlich Studenten nach Kiel. Das sind junge, lustige Leute, die das Kneipenbild prägen und mit denen man jede Menge Spaß haben kann. Die Studenten halten Kiel frisch, da bin ich mir sicher. Die und der Wind, den es hier oft gibt. Wenn man Glück hat, kommt der Wind vom Meer und dann riecht er ganz apart nach altem Fischkutter und Schiffsdiesel. Wenn ich ein Parfüm entwickeln sollte, würde es genau so riechen – alter Diesel und Seetang. Wegen der Studenten haben wir auch reichlich Studentenkneipen in der Nähe. Ich hatte auch mal eine – die Palenke. Als aber mein Sohn zur Welt kam und eine züchtigende Hand brauchte, hat mein Freund Burkhard die Kneipe übernommen. Er macht das heute noch, was mich mit stiller Freude erfüllt. Ich liebe die Palenke, sie ist wie ein Wohnzimmer, nur schmutziger.

Burkhards Plattenladen Aftermath, er hat von Frau Reuter auch die Palenke übernommen

Burkhard hat auch noch einen Plattenladen, da kann man sich Munition für seinen Plattenspieler kaufen, was jetzt wieder zunehmend Anklang findet. Plattenspieler sind wieder im Kommen. Hippie und Köppke, meine beiden ältesten Freunde, kaufen ihre Platten auch bei Burkhard und trinken fast jedes Bier bei ihm in der Kneipe. Aber es gibt noch viele andere lustige Kneipen. Die Pinasse zum Beispiel ist eine echte Seefahrerkneipe. Da hab ich mal viel Spaß gehabt. In solchen Kneipen muss man sich immer etwas zusammenreißen, sonst kriegt man von den alten Säcken da drinnen glatt eine gescheuert. Sind nicht zu unterschätzen, die alten Sealords.

Ich bin auch gerne im Club 68, das ist die Kneipe, die deutschlandweit durch diese Werner-Comic-Figur berühmt geworden ist. In Wirklichkeit ist es aber eine Künstler­kneipe, in der man prima essen kann. Ich hab da mal ein paar Jahre hinter dem Tresen gearbeitet und hatte eine wirklich schöne Zeit. Nun sitze ich lieber vorm Tresen, das ist auch besser für die Figur. Eine Empfehlung für Motorradfahrer ist der Laden auf alle Fälle nicht. Es gibt wohl gar keine Motorradkneipe hier in Kiel. Ist mir zumindest nicht bewusst. Es gibt ja nicht mal Motorradläden. Oder zumindest nur ein paar angesiedelt am Stadtrand.

Bei Speedmonsters werden alle amerikanischen Eisen verarztet, vom kleinen Autsch-Pflaster bis zur großen Schönheits-OP ist alles möglich

Ich fahre gerne zu Speedmonsters, die sitzen auf dem Ostufer, im hinteren Viertel. Alles, was ich nicht kann, können die. Und genau solche Leute brauche ich. Darum hab ich damals auch geheiratet. Meine Frau kann alles, was ich nicht kann und umgekehrt. Unser Sohn hat das hälftig geerbt. Der kann gar nix. Außer Gitarre spielen. Und das hat ihm ein Friedhofsgärtner beigebracht. Bei Speedmonsters kann man auch immer schön Kundenfahrzeuge bestaunen.

Einige sind ganz toll und andere sind so scheiße, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Und wer in Kiel eine Schraube braucht, der fährt zu Schoppe. Alle fahren zu Schoppe. Schoppe ist für einen Schrauber so wichtig wie atmen und Bier. Ich könnte da täglich drei Mal aufschlagen, aber vermutlich sind sie schon genervt, wenn ich nur einmal die Woche da bin. Oft komm ich auch nur wegen einer Schraube vorbei, während die Handwerker links und rechts von mir 500er und 1000er Kartons kaufen. Aber durch Schoppe behalte ich einen Überblick, was für uns Bastelfritzen interessant sein könnte.



Wir haben hier auch ein Rotlichtviertel. Allerdings ist es recht klein und einer Landeshauptstadt kaum würdig, aber immerhin ist es da. Früher haben wir uns hier oft rumgetrieben, wenn unsere »Normalkneipen« zugemacht hatten. Hier am Puff, direkt an der Förde gelegen, kann man ohne Pause versumpfen. Am äußersten rechten Ende ist das Käpt’n Flint von Heidi, da arbeiten nur Mädels, die alle sehr nett sind. Es ist eine echte Kiezkneipe, die von allerlei Nachtschwärmern aufgesucht wird. Das Ambiente ist unschlagbar und Heidi ist eine echte Seele, der man nur nicht auf die Eierstöcke gehen sollte, sonst wird man an den Ohren aus dem Laden gezogen. Am linken Ende liegt die Kaskade.

Hier steht Boris hinterm Tresen. Auch er ist mittlerweile eine Kieler Instanz in Sachen Nachtleben. Ich kenne ihn seit über 25 Jahren und frage mich immer, wie er es so lange am Kiez aushalten kann, mit so viel angesoffenen Feierabendtrinkern und Schnapsdrosseln. Aber er ist eben ein Fels in der Brandung. Wenn draußen der dritte Weltkrieg tobt, könnte man sich unter anderem hier ziemlich sicher fühlen. Nichtsdestotrotz gilt wie auf allen Kiezen: Immer schön den Ball flach halten, sonst hat man schnell ’ne verbogene Nase. Ich bin damals öfter mal mit meinem Bruder in stark angesoffenem Zustand am Puff gestrandet und hab die Schnauze zu weit aufgerissen, was stets zu nicht filmreifen Prügeleien geführt hat. Wir Reuters sind eben großmäulige Klugscheißer. Aber nun bin ich alt und gesetzt und in ein paar Jahren werden Heidi oder Boris mir die Hand halten, damit der Schnaps auch da ankommt, wo er hin soll.



Die ganzen Fährgäste, die aus Skandinavien hier ankommen, um die Stadt zu erkunden und sich mit Bierdosen zu versorgen, werden übrigens allesamt vorgewarnt, dass sie um Gottes willen den Kiez meiden und ganz schnell in die Shuttlebusse steigen sollen, die sie direkt in einen »Einkaufspark« am Stadtrand bringen. Den armen Seelen entgeht somit das Beste von unserer Stadt. Kulturell ist Kiel natürlich ein Desaster. Während in meiner Jugend noch Zappa und Santana in der Ostseehalle auftraten, sind es nun Andrea Berg oder Hansi Hinterseer, die sich ein Stelldichein geben.

Mittlerweile heißt die Halle großmäulig »Sparkassen-Arena« und lockt überwiegend Dumpfbacken zum Mitschunkeln ein. Mein letztes Highlight war James Last. Ich hab mir gedacht, den will ich noch sehen, bevor er tot umfällt. Ich glaube, ich war der Jüngste im Publikum. Und ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, eine so große Halle mit dem Geruch von alten Thrombosestrümpfen zu füllen. Aber es geht, ich schwöre es! Immerhin war es musikalisch recht abwechslungsreich und nun muss ich da nie wieder rein. Musik kann man in Kiel nur in einigen kleinen Clubs genießen, ansonsten ist man auf Hamburg angewiesen, wo man schnell mit dem Zug hinkommt. Dann kann man nämlich auch was trinken, was mir immer sehr wichtig ist.



Nun könnte man sich abschließend fragen, ob wir denn gar keine wichtigen Personen vorzuweisen haben, irgendwas Berühmtes. Irgendjemand, der Großes geschaffen hat oder so. Nein, nichts dergleichen. Der ein oder andere Fernsehschauspieler hat früher mal auf unseren Bühnen gelernt. Anschütz hat den Kreiselkompass entwickelt. Hier wurden und werden tolle U-Boote gebaut. Aber das sind ja keine Personen. Vielleicht Egon Müller. Egon war einst Speedway-Weltmeister. Aber das ist ja auch schon so lange her.

Wenn ich länger drüber nachdenke, frage ich mich doch, was ich hier eigentlich noch mache. Am Ende sind es doch nur die Piepvögel, mein Schuppen und das Erdbeerbeet, die mich hier halten. Und sowas habt ihr zu Hause ja wahrscheinlich auch. Insofern gibt es wirklich extrem wenig Gründe, nach Kiel zu kommen. Es sei denn, ihr seid über 30, weiblich, blond und wollt hier studieren. Dann habt ihr meinen Segen. Aber euer scheiß Segelboot könnt ihr zu Hause lassen. Das braucht hier kein Mensch.

Infos
www.innerpalenke.de
www.speedmonsters.de
www.schraubenschoppe.de
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Stand:23 November 2017 08:21:16/szene/abstecher+-+frau+reuters+kiel_171012.html