Badeschlappen an und kräftig am Shifter hantiert – auf einer Triumph 6T entdecken wir die Leichtigkeit des Fahrens neu
"Es artete mal wieder völlig aus", kratzt sich Jürgen Hellekes, Mastermind von Freakie Motorcycles am Kopf, als wir denselben schüttelnd vor seiner Thunderbird stehen. Aus einem Haufen Schrott hat Jürgen in den letzten sechs Monaten eine lässige Fahrmaschine gebaut, die fast besser in den Süden Kaliforniens als ins hessische Hinterland passen würde. Den Schrotthaufen erstand er übrigens im Tausch gegen eine Ladung Heizöl von einem Kumpel, ein Jahr gammelten die Teile schließlich in der Werkstatt rum, bevor Jürgen sie zum Kauf anbot. Und tatsächlich, es meldete sich ein potentieller Käufer, der mal direkt 1000 Euro anzahlte. "Ein paar Monate später kamen nochmal 500 Ocken und von da an hab ich von dem Typ nie wieder was gehört", erzählt Jürgen weiter. Das war zu dem Zeitpunkt, als ein beschissener Winter 2008 vor der Tür stand und eh alle von Oldschool laberten, also entschloss sich Jürgen, die Triumph endgültig selbst aufzubauen, "die Marke steht ja allemal für coole Kisten."
„Eine handmade Triumph ist mit Sicherheit der Weg zum bezahlbaren Custombike“
Alte Harley-Gussräder und die Milwaukee-Springergabel waren schnell montiert, so stand das Chassis gleich fest. "Der Rest sollte handmade sein und möglichst auf Kaufteile verzichten", erklärt der Riedstädter seine Auffassung vom puristischen Altmetall. Und dann kam diese Sache mit dem Ausarten. "Da die alten Triumpsh rechts geschaltet werden, kam nur eine Handschaltung in Frage. Gebremst wird über ein Integrales Bremssystem, mit dem rechten Fuß, vorne und hinten. Hinten sollte eine Ritzelbremse verbaut werden damit die rechten Radseiten frei bleiben. Geschaltet und gekuppelt wird dann per Tankschaltung. Der Lenker sollte natürlich clean bleiben und somit wird über einen innenliegenden Gaszug für Vortrieb gesorgt.", ächzt der Freak, der nahezu alles selbst baute. Nur die Antriebseinheit schickte er zu den Spezies von South Division. Die überholten den Pre Unit-Motor von Grund auf. Die Gravuren am Aggregat zeichnete Tattoo Moni mit ’nem Edding vor, Jürgen und Freund Kevin frästen sie danach mit dem Dremel ein. Für die vergoldeten Teile war der Vetter zuständig, der Vintage-Lack war von vornerein eingeplant, ebenso wie Weißwandreifen mit olivfarbenen Felgen.
Beim Schriftzug sollte dagegen Blattgold zum Einsatz kommen. "Wild Air Hörby, der alte Hustler, hatte richtig Bock auf die Bemalung der Zapata genannten Kreation, und somit wurde gesprüht, geschliffen und getrunken bis wir schwindelig waren.", erzählt Jürgen vom Lackjob.
Und wie sich die Triumph fährt, erfahrt ihr in der aktuellen CUSTOMBIKE 1/10