Ach wie war das früher schön, als die Moppets noch Fahrrad-like per Handzeichen den Richtungswechsel ankündigten. Da waren die Käfer mit ihren Winkern ein absolut technisches Highlight. Mit zunehmenden Zulassungszahlen erkannte der Gesetzgeber, dass er seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen habe und verpasste den Bikern ab 1962 die Blinkerpflicht. Damals störten kaum jemanden die zusätzlich notwendigen Funktionsträger, wie Schalter und Leuchtmittel. Zu dieser Zeit war es noch absolut in, die verbaute Technik offen zur Schau zu stellen. Spätestens jedoch seit Ende der Achtziger ist die ganze Sache gekippt, denn was wegen geltender Vorschriften nicht mehr einfach abgeschraubt werden kann, muss zumindest versteckt bzw. ins Gesamtbild eingepasst werden.
Kann man bei zwei Drähten überhaupt was falsch machen?
Relais am Motorrad
Bis kurz vor Ende des letzen Jahrtausends brachte der Blinkertausch technisch kaum Probleme mit sich. Die verwendeten Leuchtmittel waren herkömmliche Glühbirnen. Denen ist es von der Funktion her völlig egal, wie rum der Strom fließt und den Wolframfaden zum Leuchten bringt. Wer sich wirklich nur auf den Austausch dieser herkömmlichen Funktionsträger beschränkt, ist also auf der sicheren – unkomplizierten – Seite. Das einzige überwindbare Hindernis könnte in der Herstellung eines geeigneten Halters bestehen. Anders sieht es da aus, wenn es sich bei den Erleuchtern um Halogen oder LEDs handelt. In beiden Fällen verfällt vielfach die motorradeigene Versorgung in Hektik. Das liegt daran, dass viele Hersteller ihre Blinkelektronik haargenau auf die von ihnen verbauten Komponenten abstimmen. Da reicht dann u.U. schon das Weglassen der Kontrollleuchte, um eine höhere Blinkfrequenz zu erzielen. Im Extremfall könnte eine solche Abweichung sogar dazu führen, dass das Bike das TÜV-Siegel nicht erhält. Vorgeschrieben sind da nämlich 90 Impulse (± 30) pro Minute, also normalerweise dreimal blinken in zwei Sekunden. Um diesen Fall bei erhöhter Abweichung wieder herzustellen gibt es zwei Möglichkeiten. Wer nicht in die fahrzeugeigene Elektrik eingreifen will, muss sogenannte Leistungswiderstände einbauen. Sie bewirken einen höheren Stromverbrauch im Blinkerstromkreis, sodass für die Bordelektronik scheinbar wieder alles serienmäßig ist. Je nachdem wie viele Blinker ausgetauscht wurden, können auch mehrere Widerstände erforderlich sein.
Austausch von Bausteinen
Austausch von Relais und Schalter
Die zweite Möglichkeit ist der Einbau eines elektronischen Blinkrelais. Diese erlauben es, bis zu einem vorgegebenen Maximalwert so viele Blinker anzuschließen, wie man möchte. Egal ob es sich da nur um Lenkerendenblinker handelt oder um ganze Lichterketten. Hier stößt der Laie aber meistens auf kleinere Schwierigkeiten. Verfügt das Fahrzeug über die eben genannte Bordelektronik, muss man auf jeden Fall die Blinkerzuleitung kappen. Die Farbe dieser Leitung ist relativ leicht ermittelbar. Dafür müsst ihr die Armaturen für die Blinker am Lenker öffnen. Am Blinkerschalter sind logischerweise die Kabel für die Zuleitung, Blinker rechts und links angeschlossen. Letztere haben die gleiche Kolorierung wie die Zuleitung der Blinker aus dem Kabelbaum, die bei beiden Seiten gleiche Farbe ist die Masse. Also ist die verbleibende Farbe für die Verbindung mit dem Blinkrelais zuständig. Für den neuen lastunabhängigen Impulsgeber fehlt jetzt auf jeden Fall noch eine abgesicherte Dauerplus. Das reicht so manchem Serien- wie Austauschbaustein schon. Bei anderen wird noch eine Masse verlangt, die aber überall am Rahmen vorliegt.
Eigenarten von LEDs
Prüfen der Blinkinter-
valle
Und wo wir gerade bei den Polaritäten sind, behandeln wir noch eine Eigenart der Diodenblinker. Dabei geht es jetzt aber nicht darum, dass sie bei einer fast unendlichen Lebensdauer einen absolut geringen Verbrauch haben. Dioden benötigen ca. eine Spannung von 2-3,5 Volt, am Moppet liegen aber ungefähr 13,5 Volt an. Vielfach sind in den Blinker die erforderlichen spannungssenkenden Bauteile implantiert, es gibt aber auch solche, die eine externe Blackbox benötigen. Lässt man diese weg, leuchtet der Blinker sehr hell – dafür aber nur einmal. Also erstmal auf den Beipackzettel kucken! Die zweite Eigenheit der LEDs ist, das es ihnen nicht egal ist, wierum sie angeschlossen werden. Normalerweise sind die Anschlussleitungen entsprechend gekennzeichnet. Solltet ihr die Polarität vertauschen, passiert einfach nur nichts. Also erstmal die Kabel andersherum anschließen, wenn’s dann nicht funktioniert könnt ihr das gute Stück immer noch umtauschen.
Fazit:Beim Anschluss von nur zwei Kabeln kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Da aber die Motorradhersteller ihre Blinkersteuerung für die Werksbestückung auslegen, sind neben den neuen Blinkern u.U. weitere Bauteile nötig
Dieser Artikel ist Inhalt der CUSTOMBIKE 6/08