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INHALT 6/2017

CUSTOMBIKE 6-2017


Bikes
Harley Pan-Shovel: Micks Long-Fork-Chopper
Honda Bol d’Or: Benders cleaner Cafe Racer
Indian Hardtail: Der Über-Highnecker
Harley Sportster: Track-Design für die Kleine
Simson SR2E: Alltags-Zweitakter für wenig Geld
Harley Sportster XL 1200: Auf Stollen durch Österreich
Harley Street Rod: Cruiser für echte Kerle
Kawasaki VN 800: Lässiger Eigenbau-Bobber

Technik
Technik: Wie ein Tank fachmännisch versiegelt wird
Aufbaustory, Teil 1: Der deutsche Yamaha-Yard-Built von Marcus Walz
Frau Reuter Testet: Bohrerkasten, Inbussschlüssel und ein Eichhörnchen

Szene
Show me your Garage: Schrauben in der Blechbüchse

Design
Hausbesuch: Zu Gast beim Blechmann im Burgenland

Heimat
Editorial: Sinnsuche
Motormoment: Never too old
Anlasser: Cafe Racer in Kleinserie
Termine: Messen, Shows und Partys
Detailverliebt: Spectacula
CB-Wettbewerb 2017: Alle mitmachen
ABO: Custombike frei Haus
Schaufenster: Neue Moped-Produkte
Kleinanzeigen: Gesucht-gefunden
Anzeigenindex: Kurz und fündig
Motormensch: Heinrich im Glück
Vorschau: Infos rund ums Heft

 

Editorial 6/2017

Sinnsuche
Bauen wir Motorräder nur als Mittel zum Zweck oder steckt noch mehr dahinter?


Ende April verstarb Robert M. Pirsig, sein Buch »Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten« ist nicht nur ein philosophischer Roman vor dem Hintergrund einer Motorradreise, sondern auch ein Weltbestseller. Ich gestehe, ich habe das Buch seinerzeit, es muss 15 Jahre her sein, nicht zu Ende gelesen. Als zu langatmig und zu nebulös empfand ich die seitenlange Betrachtung von Motorradtechnik unter dem Deckmäntelchen der Sinnsuche. Ich habe übrigens auch »Easy Rider« nie bis ganz zum Schluss geguckt, auch langweilig, aber das nur am Rande. Trotzdem ist Pirsigs Tod Anlass, meinen Standpunkt zu überdenken. Denn ich habe eines in den letzten zwölf Jahren in dieser Redaktion gelernt: Die meisten Menschen schrauben Motorräder nicht nur, um etwas zum Fahren zu haben. Wäre ja auch Quatsch, tausende von Euro und hunderte Stunden Lebenszeit in ein Projekt zu stecken, um ausschließlich damit morgens zur Arbeit und zurück zu gondeln.

Motorräder bauen ist – und davon bin ich überzeugt – ein Weg, die innere Ruhe in uns zu finden und durchaus ein probates Mittel, der Frage nach dem Sinn des Lebens ein Stück weit näher zu kommen. Vielleicht war Pirsigs Buch einfach meiner damaligen Zeit voraus. Denn letztlich gibt er in seinem Werk vor allem einen Rat, den ich vollends teile: Habe den Mut, abseits von ausgetretenen Pfaden zu denken. Sei kompromisslos und gehe auch mal Umwege auf dem Ritt Richtung Ziel, so verwegen und verrückt sie auch sein mögen. Denn wer sich immer auf dem sicheren Boden dessen ausruht, was so gemacht wird, weil es schon immer so gemacht wurde, wird vermutlich nicht mit neuen Ideen und Gedanken belohnt. Oder kurz in meine Sprache übersetzt: »Fuck Tradition!«

Wenn mir mein Kollege im Angesicht seines eigenen Cafe-Racer-Projektes berichtet, dass er eine Stunde vor seiner zweirädrigen Baustelle stand und sinnierte, was zu tun ist, um dem Projekt die richtige Richtung zu geben, es dann plötzlich Klick macht und ein ganzer Gedanken-Vollmond die Dunkelheit im Kopf erhellt, dann ist das schon verdammt philosophisch, sinnstiftend und befriedigend. Vermutlich deshalb tun wir Redakteure uns auch nach vielen Jahren noch schwer, Motorräder nach bloßen Maßstäben wie Design, handwerkliche Arbeit oder Fahrbarkeit zu bewerten – obwohl es Teil unseres Jobs ist, um euch eine möglichst gelungene Auswahl an Bikes in unserem Heft zu präsentieren.
Aber letztlich ist nur entscheidend, was ein Motorrad für seinen jeweiligen Besitzer darstellt und nicht, was eine Gruppe Außenstehender von seinem Werk hält. Oder wie Robert M. Pirsig es geschrieben hat: »Die sozialen Werte sind nur dann richtig, wenn die individuellen Werte stimmen. Der Ort für die Verbesserung der Welt ist zunächst einmal das eigene Herz, der eigene Kopf und die eigenen Hände, und von da aus kann man sich nach außen vorarbeiten.«

Fröhliche Sinnsuche in der Werkstatt wünscht,
Katharina Weber
im Namen des CUSTOMBIKE-Teams

 
Stand:23 November 2017 08:17:28/heft-abo/ausgabenarchiv/content-23938_40-23941_60.html?s=