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INHALT 11/2016


BIKES
Harley Ironhead: Sportster für Ästheten
Honda VFR 1200: Vom Pummelchen zum Sprintstar
Deutz Diesel: Oberkrasser Eigenbau
Kawasaki LTD 450: Der Bobber vom Tattookünstler
Kawasaki Z1000: Neuester Streich vom Custom Wolf 
Harley Sportster: Neue Linie für das kleine Eisen
Yamaha SR 500: Schicker Tracker für wenig Geld
Yamaha XT 550: Eintopf im Boardtrack-Fieber
BMW R 80 RT: Zweiventiler voll auf Punkrock
Harley Twins : Shovel-Sisters on the road

TECHNIK
Build Da Fukker: Zwischenstand beim Volks-Build-Off
Alle Jahre Wieder: Tipps und Technik rund um den Ölwechsel
Frau Reuter Testet: Oskar und die schöne Jacke

SZENE
Nitrohunter: Die Faszination der Viertelmeile
Show me your Garage: Handwerk aus dem hohen Norden
Abstecher: Wochenendritt durch Japans Berge

HEIMAT
Editorial: Mittendrin, nicht nur dabei
Motormoment: In the desert
Anlasser: Neue Modelle für 2017
Termine: Messen, Shows und Partys
ABO: Custombike frei Haus
Leserbriefe: Euer Ding
Kleinanzeigen: Gesucht-gefunden
Anzeigenindex: Kurz und fündig
Schaufenster: Neue Produkte
Motormensch: Das Urgestein
Vorschau | Impressum: Infos rund ums Heft

Editorial 11/2016



Woher der Wind in Köln plötzlich weht


Intermot Köln, eine der größten Motorradmessen der Welt. Früher hieß das Ganze mal IFMA, kann sich da überhaupt noch einer daran erinnern? Nun, ist ja auch egal. Fakt ist dagegen, die alle zwei Jahre stattfindende Intermot ist Richtungsweiser und Trendbarometer in Sachen Motorrad. Deshalb war klar, dass wir da auch hinmüssen. Schon allein, weil wir unseren Lesern schuldig sind, zu erzählen, wie das so aus Customsicht war in Köln. 

Ich erinnere mich noch genau an die letzten Shows unterm Dom. Custombikes gab es dort zwar schon länger, immerhin wird im Rahmen der Intermot seit ein paar Jahren auch die Custom-Weltmeisterschaft ausgetragen, aber die umgebauten Karren wurden versteckt. In einer dunklen Halle im Keller, fast unbemerkt von hunderttausenden Besuchern, fanden sich dort Customizer und ihre Bikes wieder, eher schäbig präsentiert. Irgendwie gehörten sie dazu, aber eigentlich wollte sie keiner so richtig haben, das war der Anschein, den der große Industrieverband Motorrad (IVM) als Schirmherr der Intermot verbreitete. Nun, die Herren haben dazu gelernt, und zwar gewaltig. Der Customboom, den wir seit zwei, drei Jahren spüren, ist nicht spurlos an denen vorbeigegangen, die Motorräder bisher nur aus Seriensicht interessant fanden. Und so wurde aus einer dunklen nichtssagenden Halle das Prestige-Objekt »Intermot customized«.

Zahlreiche Customizer, denen die Intermot entgegen früherer Zeiten meilenweit entgegengekommen war, hatten ihre Stände in Halle 10 aufgebaut, wunderbare Motorräder zeigten sich nicht nur bei der Weltmeisterschaft, sondern auch in den Bikeshows unserer Verlagsmagazine oder in der Essenza-Area. Sprintrennen wurden im Außenbereich ausgetragen, in der Halle selbst wurde gebaut, gedengelt, lackiert, graviert und gefachsimpelt. Ich gestehe, ich hab das Grinsen darüber gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, so hat mich das gefreut. Und auch durch den Rest der Kölner Messe wehte ein deutlicher Duft von Individualismus und Anerkennung für diesen so lange unterschätzten und verdrängten Bereich der Motorradszene. Ich kann dabei nicht verhehlen, dass ich Genugtuung verspüre – weil wir nicht mehr als eine Randerscheinung wahrgenommen werden, der bis vor wenigen Jahren nur wenige aus der großen, mächtigen Motorradindustrie die Hand zur Partnerschaft reichten. 

Ich wurde in Köln oft und von vielen gefragt, ob dieser Customtrend anhalten wird. Um ehrlich zu sein, ich habe darauf keine Antwort. Zukunft lesen war noch nie meine Stärke. Und letztlich ist es mir auch irgendwie egal, denn was ich mit Sicherheit sagen kann, ist: Wir und unsere Leser und Partner waren schon da und haben uns für Bikebuilder, Schrauber und Custombikes stark gemacht, bevor viele andere auf den individuellen Zug aufgesprungen sind. Und wir werden noch da sein, wenn die Freunde des gekauften Styles längst weitergezogen sind und in der nächsten Szene ihre Erfüllung finden. Bis dahin genießen wir es, mal nicht die Außenseiter und Underdogs zu sein, sondern die Impulsgeber und Trendsetter einer ganzen Branche. 

Auch wenn Ersteres durchaus ebenfalls seinen Reiz hat.


Aus der Zweirad-Mitte winkt,

Katharina Weber

im Namen des CUSTOMBIKE-Teams
Stand:23 November 2017 08:18:12/heft-abo/ausgabenarchiv/content-22742_40-22740_60.html?s=