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20.03.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Volker Rost

Die Metamorphose einer Honda CB 750 zum Kamikaze-King


Ein göttlicher Wind stürmt über Bayern. Zurück lässt er eine stollenbesohlte Honda CB 750 und eine verliebte Redakteurin


Es ist passiert, ganz plötzlich, ohne Ansage, einfach so ... ich habe mich verliebt, in ein Motorrad. Dabei habe ich während meiner Arbeit in unserer Redaktion alles schon gesehen ... filigrane Chopper, ballonige Bobber, unfahrbare Rotzmöhren, amerikanischen Low Budget-Trash, Edelpunk-Karren und Unsinns-Kisten. Das ist zwar alles sehr schön, und manchmal war ich auch kurz davor, mein Herz zu verlieren. Aber am Schluss war es doch nie dieses ultimative Gefühl, irgendwas störte immer, im Zweifelsfall ein unvernünftiger Preis. Als ich kaum noch an die große Zweirad-Liebe glaubte, kam mein alter Freund, der Psychoking, um die Ecke und zeigte mir ein Bild, und da hat es blobblobblobb gemacht und das Herz hat gepumpt und alles war klar.
Und wer verliebt ist, will mehr als nur ein kleines Bildchen vom Objekt der Begierde. Also einmal unseren Fotografen quer durch die Republik gejagt, und wehe er bringt keine schönen Fotos mit. Und hier isse nun, die Kamikaze-Honda CB, die auch Mädchenherzen rockt.

Ein komplett pulverbeschichteter Rahmen ist Standard. Dazu wurde fröhlich weggeschnitten. Der Tank fällt kleiner aus als beim Original und ist selbstgebaut

Wenig ist Viel
Das Komische ist, dass Hape, wie der Psychoking im wahren Leben heißt, gar nicht mal soviel an der Youngtime-Honda CB 750 gemacht hat. Seit 15 Jahren gammelte das Relikt der 80er in einer Nachbarwerkstatt vor sich hin, bevor er sich dem Ding annahm und es in seine kleine Firma Kraftwerk Customs schleppte. Die Bestandsaufnahme, die er an jedem Motorrad als erstes durchführt, bekam auch die CB. Komplett auseinandernehmen, alles prüfen und das Chassis pulverbeschichten – Standard für den King.  Da die Honda gerade mal 13.000 Kilometer auf der Uhr auswies, konnte er den Motor original belassen, bis auf den neuen Luftfilter. Auch die Auspuffanlage ist ne billige Nummer. Die Originaldämpfer satt kürzen, neues Supertrapp-System rein, fertig.

»Ich werde meiner Custom-Linie immer treu bleiben und saubere Bikes bauen«

Danach suchte Hape sein Heil im gnadenlosen Choppen – Weglassen, bis der Arzt kommt, das kann er gut. Vor allem das Heck wurde radikal gestutzt, der massige Tank wich einem neuen, kleineren Eigenbau. Schwinge, Gabel und Federbeine nahm der Vielschrauber von Suzukis GSXR, lag noch so rum. „Überhaupt ist die Honda eigentlich eine komplette Lagerräumung, wenn du so willst.“, erklärt er. Klar, denn auch der ersteigerte Karton mit den MV-Agusta-Bremsanlagen musste ein Paar davon für die CB abtreten. Und die hintere Felge stammt von einer modernen Harley Street Bob. Dinge, die eben nicht rumliegen, baut Hape für gewöhnlich selber – Sitzbank, Fender, Rücklicht und Instrumente, alles kein Ding. Die Lackierung ist Japan-Style pur, Kamikaze eben – göttlicher Wind, wie uns die Übersetzung ins Deutsche lehrt.

Ja, die Stollenreifen: Sehen brutal aus, fahren sich aber viel besser, als die meisten befürchten

Und die Stollenreifen? „Die wollte ich von Anfang an haben“, erklärt der Bayer. Dafür geht er einen Kompromiss bei der Zulassung ein. Die Reifen sind als Winterbereifung eingetragen. Das bedingt eine maximale, zulässige Geschwindigkeit. Hape ist verpflichtet, einen Sichtfeld-Aufkleber, beschriftet mit der V-max von 160 km/h, am Mopped zu führen. 

»Überhaupt ist die Honda eine komplette Lagerräumung, wenn du so willst«

Angesichts des wunderbaren Ofens ist dieses Manko aber verschmerzbar. Ich bin inzwischen infiziert und hege einen Paln. In meiner Garage gammelt auch was vor sich hin, eine Honda CB 500. Vielleicht kann Hape sie mir umbauen, ich will ’ne Karre, die amtlich Porno ist. Und der Hape, der bekommt das schon hin.

Made in Japan? Der Motor vielleicht, der Rest ist Made in Bavaria: Sitzbank, Fender, Rücklicht und Instrumente sind 
Eigenanfertigungen, alles andere besteht aus Werkstattfunden und Schraubergrips. Das Ergebnis besticht nicht zuletzt durch 
einen absolut fairen Preis

Fazit
Überschaubarer Aufwand, maximaler Erfolg: Der Youngtimer punktet mit Optik, schmalem Budget und ordentlichen Fahreigenschaften.

Technische Daten
Modell: Honda CB 750 F
Bajuahr: 1981
Erbauer: Hans-Peter Ziehfreund / Kraftwerk Customs

Motor: Vierzylinder-Viertakt, dohc-Zweiventiler, 748 ccm (Bohrung/Hub 62 x 62 mm)

Luftfilter: K&N Einzelfilter
Auspuff: gekürzt mit Supertrapp-Dämpfersystem
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 79 PS bei 9000/min
Drehmoment: 64 Nm bei 8000/min
Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h

Fahrwerk: Doppelschleifen-Rahmen, gekürzt
Gabel: Suzuki GSX-R
Schwinge: Suzuki GSX-R
Räder: Speichenfelgen, vo. 19 x 2,15“ mit 120/70-19, hi. 4,5 x 17” mit 150/70-17
Bremsen: vo. und hi. MV Agusta Sechs-Kolben

Zubehör
Lenker: Superbike
Sitzbank: Kraftwerk Customs
Tank: Kraftwerk Customs
Fender: Kraftwerk Customs
Rücklicht: Kraftwerk Customs
Instrumente: Kraftwerk Customs

Metrie
Leergewicht: 225 kg
Radstand: 1515 mm

Info
www.kraftwerk-customs.de

Text: Katharina Weber
Bilder: Volker Rost

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